Theater-Jugendclub : Ein rebellisches Ensemble

Ekstatisches Spiel, manisches Tanzen, absurdes Singen: Die jungen Darsteller und ihre Art der Rebellion.
Ekstatisches Spiel, manisches Tanzen, absurdes Singen: Die jungen Darsteller und ihre Art der Rebellion.

Ungeordnet, verwirrend, stark: Der Theaterjugendclub widmet sich in seinem neuen Stück dem Thema Rebellion.

shz.de von
14. Juni 2018, 07:47 Uhr

Das Ensemble aus 19 Jugendlichen im Alter von 14 bis 20 Jahren sitzt lässig auf der Bühne, die Zuschauerplätze sind bereits alle besetzt. Einige Darsteller stehen auf, grüßen Freunde im Publikum und verlassen die Bühne. Nur einer bleibt übrig. Als er zu tanzen beginnt, wird das Licht gedimmt.

Der unkonventionelle Beginn des neuen Stücks vom Theaterjugendclub Schleswig zeigt dem Publikum schnell, wie moderne Rebellion aussieht: ungeordnet, verwirrend und stark. Unter der Leitung von Claudia Schmidt, André Becker und Timon Schleheck feierte der Jugendtheaterclub am Dienstagabend im Slesvighus Premiere seines Projekts „Aufstehen. Die Zeiten ändern sich (nicht)“.

„Im Rahmen des 200. Geburtstages von Karl Marx und des 50. Jubiläums der 68er-Revolte war das Thema für dieses Jahr Rebellion“, erklärte Schleheck die Themenwahl. Die Jungschauspieler und ihre Leiter hatten das aufgeführte Stück teilweise selbst geschrieben und Liedertexte eingebaut. „Viele der Szenen sind durch Improvisationen entstanden. Manche Ideen wurden von vornherein übernommen oder manche kamen dann Monate später wieder auf“, schilderte Schmidt den Schaffensprozess. Dramaturg Becker hatte sich dann damit befasst, ein zusammenhängendes Stück zu schreiben. „Wir haben uns zunächst einmal pro Woche getroffen. Die letzten zwei Wochen konnten wir dann intensiver auf der Bühne proben“, so Becker.

Dass sich die Truppe auch in den Proben sehr rebellisch geben würde, dass sei ihnen bewusst gewesen. „Wie schon in dem Stück erwähnt, die dritte Regel des Theaterclubs ist: Seid laut und unpünktlich“, sagte eine verschmitzte Darstellerin Geeske Kötting. Zusammen mit ihrer Kollegin Inga Bohnsack hatte sie sich ein schönes Geschenk für ihre drei Theaterleiter ausgedacht. „Ganz im Sinne der Revolution haben die drei von uns einen Schutzschild bekommen und eine Medaille für die starken Nerven, die sie im vergangenen Jahr mit uns bewiesen haben“, erklärte Bohnsack. „Wir schenken unserer Leitung jedes Jahr etwas und dies passte nun mal am besten.“ Die drei Leiter freuten sich dementsprechend bei der Premierenfeier sichtlich über die überreichten Geschenke.

Die Jungschauspieler konnten sich selbst ebenfalls mit dem Thema der Rebellion identifizieren. „Es ist doch alles Rebellion, was anders ist“, sagte Jan Pontow. „Das fängt schon an, wenn man statt Sport Theater macht, und dementsprechend bin ich auch nicht normal“, fügte der junge Schauspieler mit den mutigen Regenbogenhaaren hinzu. Den Weg zum Theater hatte er durch seine Schauspielerkolleginnen Lara Obenauff und Svea Boy-Ed gefunden, die ebenfalls am Dienstag auftraten. „Wir waren zusammen auf der Bruno-Lorenzen-Schule, und die beiden konnten mich leicht mit ihrer Euphorie überzeugen“, schilderte Pontow.

Heute um 19.30 Uhr findet eine weitere Vorstellung im Slesvighus statt. Am Sonnabend treten die jungen Schauspieler um 17 Uhr im Rendsburger Stadttheater auf.

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