Neujahrsempfang in Schleswig : Ein Plädoyer für die Grenzregion

Bürgermeister Arthur Christiansen (l.) begrüßte Gastredner Henrik Becker-Christensen im Schleswiger Rathaus.
Bürgermeister Arthur Christiansen (l.) begrüßte Gastredner Henrik Becker-Christensen im Schleswiger Rathaus.

Henrik Becker-Christensen spricht beim Neujahrsempfang der Stadt. Bürgervorsteher Haeger betont die positive Entwicklung Schleswigs.

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16. Januar 2018, 07:00 Uhr

Am Anfang wurde erst einmal gemeinsam geschwiegen. Denn einer der Gastgeber des Schleswiger Neujahrsempfanges konnte gestern im Rathaus nicht dabei sein. Professor Dr. Reimer Witt, der langjährige Leiter des Landesarchivs und Vorsitzende des Friedrichsberger Bürgervereins, war erst vor wenigen Tagen überraschend verstorben (wir berichteten). Entsprechend getrübt war zunächst die Stimmung bei der Traditionsveranstaltung, zu der erneut knapp 200 geladene Gäste in den Ständesaal gekommen waren.

Dabei würdigte auch Gastredner Henrik Becker-Christensen, ehemaliger dänischer Generalkonsul, die Verdienste Witts. Ihre Wege hätten sich in den vergangenen 20 Jahren oft gekreuzt. „Ich habe ihn als tüchtigen Historiker und anständigen Menschen kennengelernt. Wir haben in ihm einen guten Freund verloren.“

Becker-Christensen war vom Schleswiger und Friedrichsberger Bürgerverein sowie der Stadt, die gemeinsam den Empfang organisieren, eingeladen worden, um über das deutsch-dänische Verhältnis in der Grenzregion zu sprechen. Dabei spannte er den Bogen von den Anfängen des Interreg-Programms, das mit EU-Hilfen in den 1990er Jahren gestartet wurde, bis hin zu den Zukunftsperspektiven. Wobei er gleich zu Beginn betonte: „Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist gekommen, um zu bleiben.“

Denn die Region profitiere auf beiden Seiten der Grenzen enorm von der Zusammenarbeit, egal auf welchem Gebiet. „Die gute Nachbarschaft zu erhalten und auszubauen, ist der einzig fahrbare Weg“, meinte Becker-Christensen, der das Miteinander auch durch die wieder eingeführten Grenzkontrollen Dänemarks nicht gefährdet sieht. Diese seien kein Hindernis, die Kontrollen dienten allein der inneren Sicherheit seines Heimatlandes. Denjenigen, die dieses Vorgehen Dänemarks kritisieren, riet er einen Blick an die deutsch-österreichische Grenze, an der Deutschland ähnlich vorgehen würde. Der ehemalige Generalkonsul betonte zudem, dass man in der hiesigen Grenzregion noch stärker miteinander kooperieren müsse als bislang. Insbesondere im Bereich Tourismus sei noch Luft nach oben, meinte er – und vergaß nicht ein dickes Lob für die Stadt Schleswig, die für ihn eine der hübschesten und interessantesten im ganzen Land sei.

Auch Bürgervorsteher Eckhard Haeger nutzte in seinem Grußwort die Gelegenheit, um die Vorzüge Schleswigs zu betonen. „Um die Stadt ist es längst nicht so schlecht bestellt, wie manche meinen. Es geht aufwärts“, sagte er. Dass die Bevölkerungszahl – trotz des Abzugs der Bundeswehr und weiterer großer Arbeitgeber – seit Jahren wieder steige, sei ein gutes Zeichen. Gleichzeitig lobte er seine Kollegen aus der Ratsversammlung und den städtischen Ausschüsse, die häufig ungerechtfertigt kritisiert würden. „Dabei setzt sich jeder einzelne von ihnen zum Wohle der Stadt ein.“ Dies müsse stärker gewürdigt werden.

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