Schleswig : Ein Paradies für Modellbahn-Fans

Experten unter sich: An den Verkaufsständen fanden etliche Fachgespräche statt.
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Experten unter sich: An den Verkaufsständen fanden etliche Fachgespräche statt.

Die Tauschbörse im Schleicenter lockt zahlreiche Sammler und Verkäufer aus dem ganzen Land an.

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05. März 2018, 14:00 Uhr

Weil mittlerweile viele Läden leer stehen, ist normalerweise im Schleicenter nicht gerade der Bär los. Doch wenn zweimal im Jahr der Modelleisenbahnclub Schleswig zu seiner Tauschbörse einlädt, dann wird es richtig voll – und an der Drehtüre zahlen die Besucher sogar noch drei Euro Eintritt.

So auch gestern, obwohl Standbetreiber und Veranstalter berichteten, dass es in der Vergangenheit schon besser besuchte Veranstaltungen gegeben hat. „Uns fehlen hier heute bestimmt 30 bis 50 Meter Standfläche, da mir einige Verkäufer krankheitsbedingt kurzfristig abgesagt haben“, sagte Bernd Wagner, der „Börsenverantwortliche des Modeleisenbahnclubs Schleswig“. Seit 1979 gibt es den Verein und zum 65. Mal veranstaltete er nun die Tausch- und Verkaufsbörse.

Erhard Heinrich war extra aus Tarp nach Schleswig gekommen. „Seit etwa fünf Jahren habe ich 20 Quadratmeter unseres Dachbodens als Bahngebiet okkupiert“, sagte er. Gesammelt hatte er aber schon viele Jahre vorher und seine Schätze in Vitrinen aufbewahrt. Nun aber kommt alles zum Einsatz. Dabei geht es längst nicht nur um die Loks und deren Waggons. Vielmehr liebt es Heinrich, sich mit den Details um die Schienen zu beschäftigen. Einen See mit badenden Menschen, eine DLRG-Station, Deiche, Schafe, selbst winzige Handtücher hat er ausgeschnitten und angemalt und dann mit der Pinzette platziert. „Es ist ein Hobby, das unendliche Möglichkeiten bietet, denn man kann unendlich viele Szenerien nachbauen“, meint er.

Diese Erfahrung hat auch Tina Andresen gemacht, die ihren Mann Stefan begleitete. „Wir wohnen in der Nähe von Flensburg. Die Modeleisenbahnbörsen in Schleswig und Rendsburg besuchen wir immer“, sagte sie. Dabei sei aber nicht sie der Modellbaufan, sondern ihr Mann. Besonders die Marke Märklin hat es ihm angetan. Zusammen mit seinem Vater beansprucht er einen etwa 50 Quadratmeter großen Raum im Haus für sich und seine 400 Loks und noch mal doppelt so viele Waggons.

„Auszusterben scheint das Hobby nicht, zumindest werden von den großen Firmen wie Märklin, Roco und Fleischmann noch immer Modelle gebaut. Erst im Herbst brachte Märklin ein neues Lok-Exemplar zu einem Kaufpreis von 599 Euro heraus, das in kürzester Zeit ausverkauft war“, wusste Stefan Andresen zu berichten. Und tatsächlich gab es auch viele Kinder, die sich an den einzelnen Ständen umsahen. Der zwölfjährige Julius aus Sörup zum Beispiel war das erste Mal auf einer Modelleisenbahnbörse. Er hat gerade erst begonnen, das Zubehör seines Vaters in seinem Kinderzimmer zu einer schönen Bahnstrecke zusammenzustecken.

Hersteller gibt es viele, und auch Modellgrößen und Spurweiten sind vielfältig und nicht generell miteinander kompatibel. Julius fährt Züge der Marke Märklin in der Baugröße HO. Dies entspricht einem Maßstab von 1:87 und wird zum Beispiel auch im Miniaturwunderland in Hamburg verwendet. Vater Jürgen freut sich, dass sein Sohn sein Hobby teilt. „So hab ich die guten Stücke nicht 30 Jahre umsonst aufgehoben“, sagte er. Weniger Glück hatte Verkäufer Günter Seelig aus Friedrichsholm. Seine Töchter und die Enkel teilen sein Hobby nicht, sodass er sich entschloss, seine Sammlung aufzulösen. „Es gibt aber einige Stücke, die werde ich nie aus der Hand geben.“

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