Treia : Ein paar Stiche am Tag müssen sein

Mehr als 30 Jahre schon macht sich Marianne Schierholz mit Nadel und Faden ans Werk.
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Mehr als 30 Jahre schon macht sich Marianne Schierholz mit Nadel und Faden ans Werk.

Die 78-jährige Marianne Schierholz lehrt seit zehn Jahren die traditionelle Handarbeit Hardanger. Allein 200 Decken hat sie über die Jahre im Auftrag hergestellt und 100 zu besonderen Anlässen verschenkt.

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07. Januar 2015, 12:00 Uhr

In mehr als 30 Jahren sind Decken unterschiedlichster Größe, Läufer, Servietten, Kissenhüllen, Lampenschirme, kleine Geschenke für Ostern und Weihnachten und vieles mehr entstanden. Seit 1982 vergeht kaum ein Tag, an dem Marianne Schierholz nicht ihre Hardanger-Utensilien in die Hand nimmt und loslegt. Denn Hardanger, eine Handarbeit mit langer Tradition, ist die große Leidenschaft der 78-Jährigen, die zunächst in Treia Kurse bei Annemarie Oellerking aus Meggerdorf besuchte und nunmehr seit zehn Jahren selbst in der Sozialstation Schuby ihr umfangreiches Wissen im Bereich Hardanger an Neulinge weitergibt. Zu ihrem zehnjährigen Jubiläum als Kursleiterin wurde ihr nun von ihren Schülern gedankt und gratuliert.

Nachdem sie sich zuvor der Schiffchenarbeit, Häkeln, Kunststricken und der russischen Stickerei „Mireschka“ gewidmet hatte, ließ Marianne Schierholz Hardanger fortan nicht mehr los, auch wenn sie mit ihren 78 Jahren mittlerweile zu den Ältesten gehört, die diese anspruchsvolle Handarbeit betreiben. In ihren Kursen gibt sie Anleitungen, Anregungen, Hilfestellungen, informiert über die 21 verschiedenen Stoffarten, zu denen das passende Garn ausgesucht werden muss, und achtet darauf, dass akkurat gearbeitet wird. Dazu gehören auch das Vernähen der Fäden, das Ausschneiden und das Umnähen. „Die Rückseite muss fast so gut aussehen wie die Vorderseite“, ist ihre Devise. „Wehe, wenn du dich verzählt hast, dann muss bis zum Fehler alles wieder aufgemacht werden.“ Das mache zwar keinen Spaß, sei aber unumgänglich. „Funwegen gau gau und husch husch, dat geiht bi Hardanger nich“, verrät Marianne Schierholz, die am liebsten Plattdeutsch spricht. „Es ist volle Aufmerksamkeit gefordert. Daher ziehe ich mich abends gern in mein Arbeitszimmer zurück.“

Denn in ihrem Haus in Treia hat Schierholz eigens einen Raum für ihr zeitaufwendiges Hobby eingerichtet. „Ich habe Decken hergestellt, an denen ich ein ganzes Jahr gearbeitet habe mit zum Beispiel vier Mal neun Sternen, wobei ein Stern aus 2000 Stichen besteht“, erklärt die Mutter dreier Kinder und Grußmutter von vier Enkelkindern, wie zeitaufwendig ihr Hobby tatsächlich ist.

In ihrem Hardanger-Zimmer handarbeitet Schierholz nicht nur täglich. Dort archiviert sie auch das Ergebnis ihrer Arbeit. Viele Fachbücher, Fotos von und Aufzeichnungen zu ihren insgesamt 600 Arbeiten finden sich in dem Raum. Allein 200 Decken hat sie über die Jahre im Auftrag hergestellt und 100 zu besonderen Anlässen verschenkt. „Es gibt kaum einen Tag, an dem ich nicht handarbeite. Sonst fehlt mir was, wenn ich nicht wenigstens einige Stiche gemacht habe“ , sagt die Seniorin, bei der nach eigener Auskunft die drei „H’s “ – Hof, Haus und Handarbeit/Hardanger – neben ihrer Familie den größten Teil ihres Lebens einnehmen. Langeweile kennt sie nicht. Nur selten legt sie ihre Hände mal in den Schoß.

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