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Hospiz in Schleswig : Ein Ort für würdevolles Sterben

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Freundeskreis plant ein stationäres Hospiz in Schleswig – und ist bereits auf der Suche nach einem passenden Gebäude.

Beim Landmarkt werden an diesem Sonntag wieder die Mitglieder des Rotary-Clubs Schleswig-Gottorf ehrenamtlich den Ticketverkauf übernehmen – und dabei gleichzeitig um Spenden für einen guten Zweck werben. Ging es im vergangenen Jahr um die Unterstützung des Kinderschutzbundes, werden diesmal Gelder für den Freundeskreis Hospizdienst Schleswig gesammelt. Der nämlich plant ein großes Projekt – die Errichtung eines stationären Hospizes in der Schleistadt.

In Schleswig-Holstein gibt es aktuell 66 stationäre Hospiz-Betten. Doch die Stadt Schleswig ist in dieser Hinsicht ein weißer Fleck auf der Landkarte. Zwar gibt es den Ambulanten Hospizdienst, dessen Mitarbeiter sich aufopferungsvoll um sterbenskranke Menschen und ihre Angehörigen kümmern. Aber eine feste Einrichtung, in der Palliativpflege geleistet und Betroffenen ein würdevolles Ende ihres Lebens ermöglicht wird, die fehlt. „Der Bedarf ist absolut gegeben. Wir wissen von Leuten, die nach Rendsburg oder Niebüll ausweichen“, sagt Enno Körtke vom Vorstand des Freundeskreises Hospizdienst. Dabei sei eine wohnortnahe Hospizversorgung gerade auch für die Angehörigen eine riesige Erleichterung. Bereits im vergangenen November hatte Körtke im SN-Interview das Ziel eines stationären Hospizes für Schleswig öffentlich formuliert. Jetzt werden die Planungen immer konkreter.

Natürlich geht es zuallererst um das erforderliche Geld. Für ein stationäres Hospiz mit sechs bis acht Betten benötige man mindestens 500 Quadratmeter Fläche. „Ein Neubau würde bestimmt 1,5 Millionen Euro kosten“, rechnet Körtke vor. Sinnvoller sei es wahrscheinlich, eine Immobilie zu mieten. Und da gebe es Signale aus der Wirtschaft, entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, erklärt Körtke, der im Berufsleben im Vorstand der Nord-Ostsee-Sparkasse sitzt. Zudem sei er mit einem Unternehmensberater im Gespräch, der viel mit pflegerischen Einrichtungen zu tun habe.

Und auch die Politik ist sensibilisiert. Die SPD-Landtagsabgeordnete Birte Pauls, pflegepolitische Sprecherin ihrer Fraktion und zugleich Mitglied im Schleswiger Freundeskreis, erklärt, dass ihre Partei dafür gesorgt habe, dass 500  000 Euro für die Hospizversorgung in den laufenden Haushalt eingestellt worden seien. „Damit haben wir signalisiert, dass es eine Landesförderung geben kann.“ Berechnungen zufolge würden landesweit 144 Hospizbetten benötigt. Aktuell seien stationäre Hospize in Altenholz bei Kiel sowie im Kreis Steinburg in konkreter Planung, so Pauls. Das Sozialministerium wisse aber auch von dem Vorhaben in Schleswig.

Eine entscheidende Rolle bei den Planungen nimmt der Kirchenkreis Schleswig-Flensburg ein. Denn der ist der Träger des Ambulanten Hospizdienstes und soll nach den Vorstellungen des Freundeskreises möglichst auch das stationäre Hospiz tragen – was natürlich mit Kosten verbunden ist. Man suche derzeit nach einem Gesprächstermin mit dem Bischof und den Pröpstinnen, sagt Körtke. Bei der Kirche ziert man sich bislang mit konkreten Aussagen. Auf SN-Nachfrage erklärte Carmen Rahlf, zuständige Pröpstin für den Ambulanten Hospizdienst in Schleswig: „Über die Frage, ob der Kirchenkreis hier eine Rolle spielen wird und welche, haben Kirchenkreisleitung und der Freundeskreis bislang nicht gemeinsam beraten.“ Sollte ein stationäres Hospiz eingerichtet werden, so Rahlf weiter, „halte ich eine enge Kooperation zwischen Ambulantem Hospizdienst und stationärem Hospiz in jedem Fall für sinnvoll, damit jeder Mensch an dem für sich richtigen Ort und in gutem Umfeld sein Leben in Würde beschließen kann“.

Und was sagt die Stadt zur Initiative des Freundeskreises? Er begrüße diese ganz ausdrücklich, betont Bürgermeister Arthur Christiansen. „Es wäre eine Bereicherung für die Kreisstadt Schleswig, eine solche Einrichtung vorweisen zu können.“ Eine konkrete Immobilie könne die Stadt derzeit aber nicht zur Verfügung stellen. An ein solches Gebäude würden schließlich spezielle Anforderungen gestellt. Christiansen: „Ich denke da an die erforderliche Barrierefreiheit, an einen Fahrstuhl oder an die Größe der Türen.“

Der Weg zu einem stationären Hospiz ist noch weit. Aber wenn morgen die Rotarier ihre Spendendosen aufstellen, ist das ein wichtiges Signal. Körtke: „Ich freue mich sehr, dass der Rotary-Club für uns Geld sammelt.“

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erstellt am 20.Mai.2017 | 07:16 Uhr

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