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Schleswiger Nachrichten

18. Dezember 2017 | 00:19 Uhr

Bildungssammler : Ein Ordner voller Erinnerungen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ingeborg Gutzmer-Kahle und Marion Trunsch haben in ihren Kitas in Großenwiehe und Sterup den „Bildungssammler“ ein geführt. In dem Ordner finden die Kinder alles über ihre Entwicklung – verdeutlicht durch Texte, Bilder und Symbole.

shz.de von
erstellt am 28.Aug.2013 | 07:45 Uhr

Der 23 Monate alte Lukas blättert durch seinen Ordner und strahlt. Viele Texte, Bilder und Symbole entdeckt er auf den Seiten, die durch Plastikfolien geschützt sind. Was die Zeichnungen bedeuten, weiß er genau – nicht zuletzt, weil es seine Erzieherin Marion Trunsch regelmäßig mit ihm bespricht. Noch ist sein Sammler relativ leer, doch das wird sich bald ändern.

Marion Trunsch von der DRK-Kinderstube Großenwiehe und Ingeborg Gutzmer-Kahle, Leiterin des DRK-Kindergartens Sterup, haben den sogenannten Bildungssammler eingeführt. Die beiden gehören zu den 20 Teilnehmern, die die ab Januar zum ersten Mal angebotene Fortbildung des Verbands Evangelischer Kindertageseinrichtungen (VEK) in Schleswig-Holstein zum Thema „Bildungssammler – Kinder entdecken und dokumentieren im Dialog“ besuchten. Dort lernten sie, wie sie die Entwicklung ihrer Schützlinge in der Kita beobachten und die Kleinen dabei mit einbeziehen können. Am Freitag, 30. August, wird Ministerin Alheit ihnen das Zertifikat für die erfolgreiche Teilnahme in Rendsburg überreichen.

In vier Blockseminaren lernten die Kita-Fachkräfte unterschiedliche Möglichkeiten der Beobachtung und Dokumentation im Dialog kennen. Danach setzten sie die Methoden im Tagesgeschäft in die Praxis um: Zuerst mit den „Maxis“ – den größeren Kindern –, später auch mit den unter Dreijährigen. In den Bildungssammlern werden positive Verhaltensweisen und Entwicklungen der einzelnen Kinder in Form von Fotos, kurzen Texten oder Zeichnungen festgehalten. „Die Kleinen dürfen dabei mitbestimmen, was beschrieben oder bebildert wird“, erzählt Marion Trunsch. „So wird ihr Selbstbewusstsein gestärkt und sie fühlen sich ernst genommen.“

Auch die Eltern können sich einbringen. Ingeborg Gutzmer-Kahle betont, dass die Kleinen nicht kritisiert, sondern gefördert und für Erfolge gelobt werden. Verbote gibt es nicht, vielmehr versuchen die pädagogischen Fachkräfte, gemeinsam mit den Jüngsten eine Lösung zu finden. Trunsch erinnert sich an ein Beispiel aus dem Lehrgang. Dort wünschten sich die Kinder einen Löwen als Haustier. Doch statt eines „Neins“ dachten alle zusammen darüber nach, was erforderlich ist, um solch ein Tier halten zu können. Nach einigen Überlegungen merkten die Kleinen selbst, dass ein Löwe kein Haustier ist, und entschieden sich stattdessen für ein Kaninchen.

Dass die Wünsche der Kinder respektiert werden, ist für die Erzieherinnen selbstverständlich. Gutzmer-Kahle erzählt, dass einer ihrer Schützlinge eine Luftmatratze aufpusten wollte. Das könne er noch nicht, hätte der Junge gesagt. Auch seinen Spielkameraden fiel auf, dass ihnen dies Schwierigkeiten bereitet, und so durften die Jungen und Mädchen fünf Tage lang üben, Matratzen aufzupusten.

Ein Lernstern hilft ebenfalls bei der eigenen Einschätzung. Dabei malen die Kinder verschiedene Symbole auf, die Fähigkeiten abbilden, und markieren farblich, was sie gut oder weniger gut können. Gutzmer-Kahle hat die verschiedenen Bedeutungen für sich notiert, „damit ich weiß, was die Kleinen meinen“, sagt sie lachend.

Der „Bildungssammler“ wird in der Kita so lange gefüllt, bis die Kinder in die Schule gehen. Lukas blickt auf ein Foto. Seine Eltern und die große Schwester Lea erkennt er darauf sofort. Aber auch sich selbst. „Eine Familienseite ist in jedem Ordner“, erklärt Ingeborg Gutzmer-Kahle. Auch ein Steckbrief über die Sprösslinge ist vorhanden. Jedes Kind hat mal mehr, mal weniger Einträge in seinem Sammler. Wie Lukas. Aber wenn er die Kita eines Tages verlässt, ist sein Hefter voll mit schönen Erinnerungen.

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