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Schleswigs „Garten für Kinder“ : Ein Opfer der Kettensäge

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Vom „Garten für Kinder“ in St-Jürgen ist kaum noch etwas übrig. Alles abgesägt. Die städtischen Umweltdienste sprechen von einer Kommunikationspanne.

Erika Plaßmann war fassungslos, als sie vor ein paar Tagen in den „Garten für Kinder“ am Haydnweg kam. Die beiden Apfelbäume: abgesägt bis auf den Stumpf. Die Laubhütten: verschwunden. Die Mirabellensträucher: kaum noch zu sehen. Der alte Baumstamm, in den die Kinder ein Insektenhotel gebohrt hatten: halbiert. Immerhin die Plakette ist noch da, die verrät, dass dieser Platz von der Bingo-Umweltlotterie gesponsert worden ist. Gemeinsam mit Erika Plaßmann haben Kindergruppen aus dem Stadtteil hier seit 18 Jahren die Natur entdecken können – in einem kleinen Stückchen Wald zwischen Wohnblocks und der St. Jürgener Straße.

Seit Jahren schon schneiden die Umweltdienste der Stadtwerke auf dem Gelände die Bäume regelmäßig zurück. Diesmal aber, räumen die Grünplaner im Bauamt ein, haben sie „weit über das Ziel hinaus geschossen“. Schuld sei „eine mangelhafte Kommunikation zwischen den Beteiligten“, wie es Rathaus-Sprecherin Antje Wendt formuliert. „Es war nicht im Sinne der Zuständigen, dass es zu einer so starken Abholzung gekommen ist.“

Dabei sollte der Garten in diesem Jahr eine neue Blüte erleben. Die Umweltschützer vom BUND haben den Nutzungsvertrag mit der Stadt, der das Gelände gehört, gekündigt. Die Arbeiterwohlfahrt soll übernehmen. „Der Vertrag steht kurz vor dem Abschluss“, sagt Awo-Geschäftsführerin Maren Korban. Der Garten soll Teil des neuen Familienzentrums werden, das die Awo demnächst am Brautsee einweiht. Dort können sich junge Familien beraten lassen – und sich in ungezwungener Atmosphäre treffen.

Erika Plaßmann möchte den Garten auch in Zukunft mit Schulkindern, die sie unter der Regie des BUND betreut, nutzen und ist sich darüber auch schon mit der Awo einig. Auch die Wandergruppe des Kindergartens St. Jürgen ist hier regelmäßig zu Gast gewesen. Auf manche Anwohner soll der Garten allerdings auch einen verwahrlosten Eindruck gemacht haben. Unbekannte hatten hier immer wieder leere Getränkeflaschen zurückgelassen. Nach Angaben der Stadtverwaltung beschwerten sich zudem Nachbarn über Ratten, die sie auf dem Gelände beobachtet hatten.

Über die Schnapsflaschen hat sich auch Erika Plaßmann schon oft geärgert. „Wenn wir mit den Kindern hier ankommen, ziehen wir oft als erstes die Handschuhe an und sammeln die Flaschen ein.“ Dass sich Ratten in dem Garten wohlfühlen, kann sie sich jedoch nicht vorstellen. „Hier gibt es keinerlei Essensreste oder andere Dinge, die Ratten anziehen.“ Sie vermutet, dass die Nachbarn Wühlmäuse beobachtet haben. „Aus der Ferne kann man die mit Ratten verwechseln.“

Umweltdienste und Bauamt werden sich jetzt mit der Awo in Verbindung setzen, um zu beraten, wie es weitergehen soll. „Was wir mit dem Garten machen, müssen wir jetzt völlig neu planen“, sagt Maren Korban. Denn auch die Haselnusshecke, die einen Sichtschutz zur Straße darstellte, existiert nicht mehr. „Das wird Jahre dauern, bis sie nachgewachsen ist“, fürchtet die Awo-Geschäftsführerin. Erika Plaßmann nennt noch mehr Beispiele. An der Linde wurden alle unteren Äste abgesägt. Jetzt können die Kinder sie nicht mehr als Kletterbaum nutzen, weil sie an die oberen Äste nicht mehr herankommen. „Wir stehen dem Ganzen geschockt und hilflos gegenüber und sind alle sehr traurig.“ Zum Fototermin im abgeholzen Garten habe sie keines der Kinder mitbringen mögen. „Für sie ist der Anblick kaum zu ertragen.“

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erstellt am 26.Feb.2016 | 07:54 Uhr

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