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Rund um Schleswig : Ein mobiler Kaufmann für 14 Gemeinden

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ab Dezember ist Norman Stehr mit seinem mobilen Tante-Emma-Laden unterwegs. Für ihn bedeutet das einen neuen beruflichen Anlauf, für die Region rund um Schleswig Versorgungssicherheit.

shz.de von
erstellt am 22.Nov.2014 | 07:45 Uhr

Fast 30 Jahre Berufserfahrung sammelte Norman Stehr im Einzelhandel, dann wurde er arbeitslos. Rund 400 Absagen auf Bewerbungen ließen den 48-Jährigen fast verzweifeln, doch dann bot sich ihm eine ungewöhnliche Chance. Eine Möglichkeit, in seinem Metier erneut aktiv zu werden und zugleich einen wichtigen Beitrag zu leisten für die Versorgungssicherheit einer ganzen Region. Stehr wird ab Dezember mit einem mobilen Supermarkt unterwegs sein und nach derzeitigem Stand 14 Gemeinden und einen Stadtteil von Schleswig mit Lebensmitteln und anderen Dingen des täglichen Bedarfs beliefern. Die Gemeinden, denen in den vergangenen Jahren mancher Kaufmann abhanden kam, sehen in dem Konzept auch einen Beitrag gegen den demografischen Wandel und unterstützen es finanziell.

Viele Schleswiger kennen Stehr als Betreiber des großen Sky-Marktes im Friedrichsberg. Bis 2012 hat er diesen geleitet, dann trennten sich die Wege des Kaufmanns und der Genossenschaft Coop. Was Stehr mit in die Arbeitslosigkeit nahm, war unter anderem die Erfahrung, dass es selbst in der Stadt für ältere Menschen immer schwerer wird, sich zu versorgen. „Das habe ich die ganze Zeit nicht aus dem Blickwinkel verloren“, sagt der künftige rollende Kaufmann. Deshalb habe er auch nicht lange überlegt, als er in seine Heimatort Kropp angesprochen wurde, ob er sich das Projekt vorstellen könne.

„Man muss für die Menschen in der Region etwas tun, damit sie hier bleiben“, sagt er. Vier Wochen lang hat sich Stehr mit den Details des Projektes intensiv befasst und dann Nägel mit Köpfen gemacht. Er ist nach Bremen gefahren und hat ein gebrauchtes Fahrzeug erworben, das nun für seine Zwecke ausgestattet und am 8. Dezember geliefert wird. Der sechs Jahre alte Mercedes wird alles transportieren können, was einen echten Tante-Emma-Laden ausmacht. Stehr wird nicht aus dem Wagen heraus verkaufen, sondern die Kunden zu ihm in dem Wagen kommen, um dort einzukaufen. Einen Partner, der ihn mit Waren beliefert hat er in einem Owschlager Edeka-Kaufmann gefunden.

Vor allem in südlicheren Gefilden ist diese Art der Nahversorgung weiter verbreitet als in Schleswig-Holstein, wo in manchen Regionen Markttreffs die Versorgungslücke schließen – allerdings längst nicht überall. Eine Chance für rollende SB-Märkte – und für Menschen wie Norman Stehr. Der weiß inzwischen von vielen mobilen Einzelhändlern, dass es ihnen ähnlich erging wie ihm. „Viele von ihnen sind Banker, Schlachter oder Kaufleute, die aufgrund ihres Alters keinen Job mehr bekamen und so einen Neustart wagten.“

Die Idee eines mobilen Ladens für den ländlichen Raum um Schleswig herum stammt freilich nicht von Stehr selbst. Vielmehr war die Planung unter der Federführung des Regionalmarketings Kropp/Stapelholm mit dem Busdorfer Kaufmann Hans-Wilhelm Fick bereits weit vorangetrieben worden. Bürgermeister von rund 20 Gemeinden aus den Ämtern Kropp-Stapelholm, Haddeby und Südangeln hatten sich die zuvor mit den Amtsvorstehern konkretisierte Idee angehört, 14 Gemeinden schlossen sich daraufhin den Koordinatoren Michael Stühmer und Geschäftsführer Adolf Deeke an. Mit ins Boot geholt wurde auch die Baugenossenschaft Gewoba aus Schleswig, die großes Interesse daran hat, dass der Bereich um die Erikstraße im Stadtteil Friedrichsberg mit einem Nahversorgungsangebot versehen wird. Als Fick kurzfristig absprang, fiel die Wahl der Initiatoren auf Stehr.

Die Gemeinden Alt-Bennebek, Klein-Rheide, Groß-Rheide, Borgwedel, Busdorf, Dannewerk, Geltorf, Lottorf, Selk, Schaalby, Idstedt, Uelsby, Neuberend und Nübel sowie die Gewoba wollen für die ersten drei Jahren mit einer projektbezogenen Anschubfinanzierung das Vorhaben Stehrs unterstützen. Zwei Drittel des benötigten Startkapitals steuert der Kaufmann selbst bei. Im Gegenzug für die finanzielle Hilfe verpflichtet sich Stehr, die Gemeinden einmal wöchentlich anzufahren und zu festen Zeiten seine Waren anzubieten.

Bis zu 1200 Artikel wird der rollende SB-Markt anbieten – von Backwaren, Gemüse, Fleischwaren über Zeitschriften, Tabakwaren bis zu kleinen Haushaltsgegenständen und anderen Artikeln des täglichen Gebrauchs. Damit, so Stehr, sichere sein mobiler SB-Markt die Grundversorgung in der ländlichen Region.

Für die Bürger sei dieses Angebot, so Haddebys Amtsvorsteher Ralf Feddersen, „eine Aufwertung des persönlichen Wohnumfeldes“. Aus seiner Sicht werde sich das Fehlen von Handel und Nahversorgung in den kommenden Jahren dramatisch auf die ländliche Infrastruktur auswirken. Gemeinden ganz ohne Einkaufsmöglichkeit gehören aus Sicht des Amtsvorstehers mittelfristig zu den Verlierern des demografischen Wandels.

Ab 15. Dezember wird sich der „Rollende Kaufmann“ mit seinem Fahrzeug den Kunden in den beteiligten Gemeinden persönlich vorstellen. Ab 5. Januar 2015 wird die reguläre wöchentliche Kundenbelieferung erfolgen. Bis zum Jahresende können sich noch weitere interessierte Gemeinden aus den Orten rund um Schleswig beim Regionalmarketing Kropp/Stapelholm im Rathaus Kropp (Telefon 0 46 24/72 70) zur Teilnahme an dem Projekt anmelden.

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