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Schleswiger Nachrichten

26. September 2017 | 20:07 Uhr

Schuby : „Ein Meilenstein für die Forschung“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wo das Interkommunale Gewerbegebiet bei Schuby entstehen soll, haben Archäologen monatelang gebuddelt. Was sie dabei fanden, werten sie als bedeutend. Die Funde scheinen zu belegen, dass Fernhandelsbeziehungen bis ins römische Reich bestanden.

von
erstellt am 10.Apr.2014 | 12:19 Uhr

Wenn an der A 7 bei Schuby in den kommenden Jahren neu angesiedelte Unternehmen für Wohlstand und Arbeitsplätze für die Region sorgen sollen, dann wird dies auf historisch bedeutsamem Boden geschehen. Davon sind die Fachleute des Archäologischen Landesamtes in Schleswig inzwischen fest überzeugt. Sie haben die Funde der Grabungen auf dem Areal des interkommunalen Gewerbegebietes gesichtet und sind sicher: Hier gab es in grauer Vorzeit eine bedeutsame Siedlung mit Fernhandelsbeziehungen bis ins römische Kaiserreich.

Zwischen April und September 2013 wurde eine Fläche von zwei Hektar unter der Leitung von Veronika Klems untersucht. Zwar wurde mit der Auswertung gerade erst begonnen, doch was bisher zu Tage trat, ist aus Sicht von Dezernatsleiter Martin Segschneider ausgesprochen bedeutsam. Allein 356 Urnenbestattungen wurden auf dem Areal, das durch das Ziehen langer parallel laufender Grabungsreihen erschlossen wurde, erfasst.

Die Menge an gefundenen Urnen ist aus Expertensicht ungewöhnlich. Mehrfachbestattungen wie sie hier gefunden wurden („Urnen-Nester“) seien auch schon andernorts nachgewiesen, so Segschneider – etwa im Raum Satrup –, aber nicht in so großer Zahl. Er spricht von einem „Meilenstein für die Forschung“. Das sei „Stoff für eine Doktorarbeit“.

Die gefundenen Urnen haben die Experten teilweise auf die vorrömische Eisenzeit, zum Großteil aber auf die Völkerwanderungszeit datiert. Zwei Drittel wurden nach Angaben Klems bereits ausgenommen und restauriert. Aus den völkerwanderungszeitlichen Urnen wurden neben dem Leichenbrand, der in einem späteren Auswertungsstadium Aufschluss über Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand geben soll, auch einige Beigaben geborgen, die zur persönlichen Ausstattung der Toten gehörten. Dazu zählen Trachtbestandteile wie Fibeln (Gewandschließen aus Bronze oder Silber), bunte Glasperlen, Fragmente von zum Teil verzierten Kämmen, Haarnadeln, Nähnadeln, Hakenschlüssel, eiserne Messer und Scheren, Spinnwirtel sowie wenige Miniaturgefäße.

Auf den ersten Blick unscheinbar, für Klems und ihre Kollegen aber von besonderer Bedeutung sind Scherben von Glasgefäßen, die aus zwei der bisher restaurierten Urnen stammen. Denn Hohlglas wurde in der Region nicht hergestellt sondern galt als Luxusgut, das aus dem ehemals römischen Bereich, möglicherweise aus dem Rheinland, importiert werden musste. Eine dieser Urnen enthielt zusätzlich auch noch einen Fingerring aus Gold mit einem ovalen Schmuckstein in einer mit Granulation versehenen Fassung. Auch dies deutet auf die wirtschaftliche Position der hier Bestatteten wie auch der Bestattenden hin. „Wir können also durchaus davon ausgehen, dass Fernhandelsbeziehungen bestanden“, so Segschneider. „Bei den Grabungen ist ein richtiger Schatz zum Vorschein gekommen.“

 

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