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Bundestagswahl in Flensburg : Ein Linker aus der Minderheit

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Lehrer Herman U. Soldan setzt im Wahlkampf Schwerpunkte bei sozialen Themen und beim Wohnungsbau / Starkes Faible für Portugal

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2017 | 13:01 Uhr

In loser Reihenfolge stellt unsere Zeitung die Direktkandidaten im Wahlkreis 1 (Flensburg-Schleswig) vor. Dabei werden jene sechs Parteien berücksichtigt, die bereits im Bundestag vertreten sind beziehungsweise laut Umfragen realistische Chancen haben, ins Parlament einzuziehen. Folge 2: Herman U. Soldan (Die Linke).

Ein bisschen fühlt er sich wie ein Ausbrecher. Seit 23 Jahren ist Herman U. Soldan Lehrer beim Dänischen Schulverein und somit Angehöriger der Minderheit. Wenn man sich dann politisch engagieren will, gibt es eine gewisse Erwartung, dies beim SSW zu tun. Aus dieser Erwartung ist der 56-Jährige jedoch ausgebrochen und hat sich der Partei Die Linke angeschlossen, für die er jetzt bei der Bundestagswahl als Direktkandidat antritt.

Er sei nach langem Zögern in die Politik eingestiegen, sagt Soldan, der lange in Berlin und Kopenhagen gelebt hat. Viele Jahre hat er sich in der Schwulenbewegung engagiert und dort auch Leitungsposten inne gehabt. Bei den Linken ist er erst Anfang 2014 eingestiegen; Soldan ist bürgerschaftliches Mitglied im Gleichstellungsausschuss der Ratsversammlung. Er schließt nicht aus, auch bei der Kommunalwahl 2018 anzutreten – sollte es mit dem Bundestag nicht klappen.

Er sei immer als demokratischer Sozialist unterwegs gewesen, berichtet der Pädagoge, der seit neun Jahren an der Jens-Jessen-Skole in Flensburg-Mürwik unterrichtet. In seiner Biographie seien die sozialistische Reaktion auf den Putsch in Chile und die Nelken-Revolution 1974 in Portugal prägend gewesen, wie er in einem Brief an die Parteimitglieder zu seiner Kandidatur schreibt.

Auch 40 Jahre später ist das Faible für Portugal noch da. Immer wieder reise er in dieses Land, in dem er sich mittlerweile gut auskenne. 2008, als es wegen des Vulkanausbruchs auf Island zu einem tagelangen Flugverbot kam, hing er eine ganze Woche in Lissabon fest und lernte die Stadt gut kennen. Auch in Brasilien ist er schon gewesen.

Als Linkem liegen ihm fast schon automatisch soziale Themen nah. Nach zwölf Jahren CDU-Regierung leben in Deutschland „zehn bis 15 Millionen Menschen, die ihre Cents zählen müssen“, und in den Städten sei „jedes dritte oder vierte Kind von Armut bedroht oder betroffen.“ Es bestehe die Gefahr, dass dadurch die Demokratie „wegbreche“, weil diese Menschen einfach nicht mehr wählen gehen. „Mir tut es weh, wenn sogar Schüler sagen, sie würden nicht wählen gehen, weil es doch ohnehin alle Politiker gleich machen würden.“ Er erinnert sich an die Wahlbeteiligung im Stadtteil Neustadt bei der letzten OB-Wahl: 12 Prozent! Das will Soldan nicht hinnehmen und geht mindestens einmal pro Woche in „seinem“ Stadtteil auf die Straße.

Weiteres Hauptthema: Wohnen. „Wir brauchen bezahlbaren Wohnungsbau.“ Und da hat Soldan sehr weitgehende Vorschläge, gerade auch für Flensburg, wo bis 2030 rund 8000 neue Wohnungen benötigt werden. „Die Zeit der privaten Investoren ist jetzt erst einmal vorbei. Die nächsten zehn Jahre ist jetzt mal nichts anderes dran als sozialer Wohnungsbau.“ Bei diesem Thema könne man nicht auf die SPD setzen.

Von den knapp 70 Mitgliedern des Flensburger Ortsvereins seien im Wahlkampf rund 15 immer für ihn erreichbar und mit draußen – vom Schüler bis zum Rentner: „Wir sind ein schrilles und buntes Team.“ Herman U. Soldan – das U steht für Ullrich – nimmt seine Kandidatur sehr ernst und sieht sich nicht als Zählkandidat: „Ich will gern den Wahlkreis gewinnen oder zumindest einen Achtungserfolg erzielen“ – und dafür hängt er sich rein.

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