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Schleswiger Nachrichten

13. Dezember 2017 | 19:54 Uhr

Klappholz : Ein Leben in der Welt der Kräuter

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ulla Hasbach ist fasziniert von der Vielfalt der einfachen Pflanzen. In ihrer Gärtnerei in Klappholz findet man mehrere hundert Kräuter-Sorten – sie ist ihr zweites Zuhause.

von
erstellt am 01.Sep.2014 | 07:45 Uhr

  Sie sorgen nicht unbedingt für Schlagzeilen, sind aber in ihrer Heimat bekannt wie ein bunter Hund: In unserer Serie porträtieren wir gemeinsam mit der Fotografin Susanne Panozzo Menschen, die auf ihre ganz eigene Art unverwechselbar sind. Weil sie echte Typen sind – Originale eben.

Kaum ist es im Mund, tut sich darin einiges. Es ist scharf, schärfer, kühl, und es brennt. Fast beginnen die Augen zu tränen. „Mögen Sie scharf?“, hatte Ulla Hasbach wenige Augenblicke zuvor noch gefragt. „Nehmen Sie erstmal lieber nur ein Blatt“, lautete ihr Tipp, während sie das Stückchen Grün abzupfte. Jetzt lacht sie herzlich, wie so oft. Es sei erstaunlich, welch große Wirkung ein so unscheinbares Kraut haben kann. „Der asiatische Pfefferknöterich wird oft als Ersatz für Pfeffer verwendet“, erklärt die zierliche Frau.

Nicht nur von diesem kann sie viel erzählen, sondern von Hunderten. In der Welt der Kräuter ist sie zu Hause. In ihrer nahezu versteckt gelegenen Gärtnerei in Klappholz-Westscheide, irgendwo zwischen Eibisch, Teufelsabbiss und Currykraut, entdeckt man sie in der Saison jeden Tag, von morgens bis abends. Wer einmal hier ist, will so schnell nicht wieder weg. Wegen der vielen Kräuter, um die sich mitunter spannende Geschichten ranken. Und wegen Ulla Hasbach. Wenn sie von ihnen erzählt, so liebenswert, so begeistert, bemerkt man ihn schnell, ihren großen Wissensschatz, ihre Leidenschaft für die vielen unterschiedlichen Gewächse.

Eigentlich heißt sie Ursula, wurde vor 59 Jahren in Bochum geboren. „Ich finde den Namen aber ganz schrecklich“, verrät sie. „Im Ruhrgebiet wurde ich schon immer für eine Dänin gehalten, und Ulla klingt doch viel nordischer.“ Im Westen Deutschlands arbeitete sie als Diplom-Pädagogin, doch als sie Ende 20 war, ging sie weg. „Ich wollte in den Norden und bin durch viele Zufälle in Flensburg gelandet.“ Hier lebte sie in einer Wohnung, doch zwei Gärten hatte sie trotzdem, baute vor allem Gemüse an. Flensburg wurde ihr eines Tages jedoch „zu viel Stadt“. Sie lernte ihren Mann kennen, der Landwirt in Klappholz ist. „Mich traf das typische Schicksal vieler Bauersfrauen“, sagt sie und lächelt dabei. Auf dem Hof hatte sie einen 500 Quadratmeter großen Gemüsegarten, „ich habe mich da immer mehr reingearbeitet“. Eines Tages begann sie, sich mehr mit Kräutern zu beschäftigen. „Ich wollte schon immer ausprobieren, was ich nicht kenne.“ Als ihre beiden Kinder, die heute Mitte 20 sind, klein waren, steckte sie mittendrin in ihrer Gemüse- und Kräuterleidenschaft.

Ihre Ehe ist inzwischen geschieden, Hasbach lebt jetzt in Havetoftloit und machte sich vor drei Jahren mit ihrer eigenen Bio-Gärtnerei in Klappholz-Westscheide selbstständig, „Kräuter & Stauden Hasbach“ nennt sie sie. Auf eineinhalb Hektar Land kann sie hier ihre Begeisterung voll entfalten, stets beobachtet von ihren fünf Gänsen. Noch wachsen nicht überall Kräuter, doch schon jetzt findet man hier 300 Sorten, „da darf man nicht den Überblick verlieren“. Sie baut auch seltene, bedrohte an, betont aber: „Das besondere sind nicht die Arten, sondern die vielen Sorten. Ich habe hier zum Beispiel 30 Thymian- und 40 Minze-Sorten.“ Es war nicht einfach, all die Kräuter hierher zu bekommen. „Manchmal gab es nur vier oder fünf Gärtnereien in Deutschland, die bestimmte Sorten haben“, erinnert sie sich. Es sei jedoch nicht schwer, Kräuter zu ziehen, aber sehr interessant, wie unterschiedlich diese sein können. „Es ist ein bisschen so, als ob man mit Menschen zu tun hat, jede Pflanze hat ihren eigenen Charakter. Die eine ist empfindlich, die andere robust, auf die eine muss man mehr Rücksicht nehmen als auf die andere.“

Menschen, die sich so gut mit Kräutern auskennen wie Ulla Hasbach gibt es weit und breit kaum. Pro Jahr kommen 50 Quadratmeter Beet hinzu – und sie zieht all ihre Pflanzen selbst. Doch nicht, um sie zu ernten. „Ich wollte nie nur Produzentin sein, war immer bemüht, anderen die Verwendung zu zeigen“, sagt sie, und ihre klaren, blauen Augen strahlen. „Meine Kunden sollen sie mitnehmen, bei sich im Garten wachsen lassen können.“ Sie gebe Kurse und Seminare, führe Menschen durch die Gärtnerei, um ihr Wissen weiterzugeben. „Geld verdienen kann man mit vielen anderen Dingen sicherlich mehr.“

Ob Ysop, Zieroregano, Wermut, Enzian, Kokosthymian oder Eberraute – mit Kräutern könne man so vieles machen: kochen, Tee zubereiten, heilen, dekorieren. „Sie bereichern vor allem das Essen sehr, das muss man erlebt haben, und es ist so einfach.“ Für sich selbst stellt sie auch Salben oder Tinkturen her, „und mein Sohn, der Fußball spielt, fragt auch manches Mal nach meiner Beinwell-Salbe. Ich bin überzeugt von der Heilkraft der Kräuter“.

Sie kenne längst nicht alle, sagt Hasbach bescheiden. Die, die sie kennt, will sie den Menschen näher bringen, auch den Tieren zuliebe. „Bienen und Schmetterlinge müssen sich an Wildpflanzen laben können, aber das geht in vielen Gärten heute nicht mehr. Dabei ist es so wichtig, dass die Leute wieder bereit sind, Leben in ihren Gärten zuzulassen – und dafür bin ich da.“ Ihr Lieblingskraut ist Fenchel. Ihrer überragt sie um einiges, ist fast zwei Meter hoch. Leise sagt sie: „Viele genießen es, wenn sie hier sind. Ich arbeite daran, dass die Menschen die Pflanzen lieben lernen.“

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