Fiete Krugel-Hartig : Ein Leben für das Schleswiger Theater

Fiete Krugel-Hartig (1898-1982).
Fiete Krugel-Hartig (1898-1982).

Über 35 Jahre blieb die Schauspielerin Fiete Krugel-Hartig ihrer Wahlheimat treu - das Publikum liebte die "Frau von Format und Humor"

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19. Juli 2012, 07:13 Uhr

SCHLESWIG | Ihr Leben widmete sie dem Theater, von den Schleswigern wurde sie hoch verehrt: Die große Schauspielerin Fiete Krugel-Hartig stand 64 Jahre auf der Bühne, die längste Zeit davon in der Schleistadt. Während ihrer langen und wechselvollen Theaterlaufbahn hat sie schätzungsweise tausend Rollen verkörpert und damit ihre Zuschauer beglückt. "Ovationen für Fiete Krugel-Hartig" - so oder ähnlich waren meist die Rezensionen überschrieben. Sie liebte Schleswig und das Schleswiger Publikum.

Geboren wurde Fiete Krugel-Hartig am 5. Februar 1898 in Lübeck. Die Namen ihrer leiblichen Eltern sind unbekannt. Frieda Wilhelmine Martha - so ihre kompletten amtlichen Vornamen - wurde von dem Zollinspektor Paul Krugel adoptiert. So wuchs sie wohlumsorgt in einem Beamtenhaushalt in Stettin auf. Es war 1917, als die bürgerlich erzogene junge Frau das Elternhaus verließ und in Hanau am Main ihr erstes Theater-Engagement antrat. Ihr Weg als Schauspielerin führte sie an zahlreiche weitere deutsche Bühnen, unter anderem nach Wiesbaden, Frankfurt am Main und Darmstadt.

1935 heiratete sie den aus Halle an der Saale stammenden Theaterintendanten Rudolf Hartig. Als er 1939 als Intendant von Brandenburg an das Nordmark-Landestheater wechselte, folgte sie ihm nach Schleswig und wurde Mitglied des Ensembles - zunächst als freischaffende Künstlerin auf Honorarbasis, dann fest angestellt. Dem örtlichen Theaterpublikum stellte sie sich zum ersten Male in einer Erstaufführung des Schauspiels "Die Neuberin" vor und wusste gleich in der Titelrolle zu beeindrucken. Damit hatte sie sich sofort in die Herzen der Schleswiger gespielt.

Auch nach dem Tode ihres Mannes, der aus russischer Kriegsgefangenschaft nicht zurückgekehrt war, blieb Fiete Krugel-Hartig Schleswig treu. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde zunächst im Großen Baumhof Theater gespielt, dann kehrte man zurück ins alte Haus zur Zeit des Renaissance-Theaters. Sie gehörte dem aus der Not heraus gebildeten Zimmertheater an, dessen Spielstätte sich in der sogenannten "Deutschen Brücke" im Hause Stadtweg 26 befand.

Nach der Wiederbegründung des Nordmark-Landestheaters wurde Fiete Krugel-Hartig 1950 von dem neuen Intendanten Horst Gneckow wieder in das Ensemble geholt. 1957 feierte sie ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum. Die Schleswiger Nachrichten würdigten sie als "Künstlerin und Mensch" und schrieben unter anderem: "Eine so reife, aus großen, angeborenen Gaben schöpfende Schauspielerin wie Fiete Krugel-Hartig ist ohne Zweifel eine Frau von Format, die auch bei allem Ernst der künstlerischen Arbeit eines gesunden Humors nicht entbehrt. (…) In Stadt und Land ist man stolz auf eine solche Künstlerin. Wünschen möchte man ihr, daß sie sich ihre vitale Schöpferkraft erhält, ihre Originalität und ihr Vermögen, Menschen zu erheben, sie lachen zu machen - jedenfalls sie zu begeistern."

Als Gneckow als Intendant nach Luzern ging, bat er Fiete Krugel-Hartig, ihn in die Schweiz zu begleiten. Doch sie lehnte ab - sie konnte und wollte sich nicht von Schleswig trennen. Sie habe das Bleiben nie bereut, erklärte sie später rückschauend. 1967 feierte sie in Schleswig mit der Aufführung von Friedrich Dürrenmatts tragischer Komödie "Besuch der alten Dame" ihr 50-jähriges Theaterjubiläum. Die Absicht der Theaterleitung, in einem der Programmhefte ihren Lebenslauf zu veröffentlichen, soll sie mit folgender Bemerkung kommentiert haben: "Wozu der obligate Lebenslauf? Die Schleswiger kennen mein Leben. Sie wissen, dass ich nicht immer einen Platz an der Sonne hatte; sie wissen, dass ich zwei Kinder habe, die in Schleswig aufgewachsen sind und die - nun draußen in der Welt - mir neben meinem Beruf alles bedeuten." In Würdigung ihrer Verdienste wurde ihr die Ehrenmitgliedschaft des Nordmark-Landestheaters angetragen. Auch war sie Ehrenmitglied der Bühnen der Stadt Lübeck.

1974 verabschiedete sich Fiete Krugel-Hartig nach 35 Jahren von ihrer Wirkungsstätte in Schleswig, um nach Lübeck zurückzukehren. In der Hansestadt stand sie weiterhin auf der Bühne. Am Thalia-Theater in Hamburg wirkte sie an zwei Inszenierungen mit: in Anton Tschechows "Onkel Wanja" und in Hans Hollmanns "Faust II".

Fiete Krugel-Hartig starb - 84 Jahre alt - am 17. August 1982 in ihrer Geburtsstadt Lübeck.

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