Selk : Ein Lärmschutzwall, der nicht vor Lärm schützt

Der Geräuschpegel in Selk ist trotz des Lärmschutzwalls entlang der A  7 nicht gesunken.
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Der Geräuschpegel in Selk ist trotz des Lärmschutzwalls entlang der A 7 nicht gesunken.

Fünf Meter hoch ist der Wall, der die Bewohner von Selk vor dem Lärm von der A7 schützen soll. Ein Gutachter sagt: Er nützt nichts.

shz.de von
25. März 2017, 08:03 Uhr

Als Geschenk an die Gemeinde Selk wurde der Lärmschutzwall entlang der A7 den Bürgern im Herbst 2011 angepriesen. Damals hatten der amtierende Bürgermeister Arne Reimer und der Bauausschuss-Vorsitzende Ulrich Siems einen Vertrag zum privilegierten Kiesabbau in Selk für den Zeitraum von 25 Jahren auf den Weg gebracht und mit dem Unternehmen Kies Harder abgeschlossen. Der Kiesabbaubetrieb investierte seitdem rund 350.000 Euro in die Errichtung des rund einen Kilometer langen und knapp fünf Meter hohen Erdwalls.

Vor zwei Jahren, im März 2015, sorgte der Wall für Schlagzeilen. Befürchtungen wurden laut, bei der Aufschüttung sei schadhafter Boden verwendet worden. Die Abfall- und Bodenschutzbehörde des Kreises nahm Proben und gab letztlich Entwarnung (wir berichteten).

Ende vergangenen Jahres wurde der Erdwall fertig gestellt. Dieser soll laut Vertrag ins Eigentum der Gemeinde übergehen. Aber: Der Erdhügel bietet gar keinen Schutz gegen Lärm. Dies ergab ein Gutachten im Auftrag der Gemeinde. Was tun mit einem Erdwall, der nicht gegen Lärm schützt und der Gemeinde nur Kosten und Pflegeaufwand beschert? Das wollten der Gemeinderat und Bürgermeister Klaus Dietrich nun in der jüngsten Sitzung ausloten, an der eine Handvoll interessierter Bürger teilnahm.

„Das Gutachten bestätigt, dass der Lärmschutzwall eine Illusion war. Der Vertrag ist ein Schuss in den Ofen. Jetzt stellt sich die Frage, wie man damit umgeht. Wir werden an der Situation nichts ändern können, es sei denn. wir wollen ein gerichtliches Verfahren. Wir sollten uns absichern und uns an die Kommunalaufsicht wenden“, sagte Gemeindevertreter Thilo Kolberg.

Dass der Lärm vom Kiesabbau und der Autobahn für die Bürger in der Gemeinde eine Belastung sei, wurde bestätigt. „Das ist für die Menschen eine hohe Lärmbelästigung“, so Kolberg. „Subjektiv ist es schlimmer geworden“, setzt Gunnar Schlüter noch einen oben drauf. Ein Rückbau des Lärmschutzwalls wurde rege diskutiert. Obwohl die Kreisbehörde Entwarnung gegeben hatte, bestanden vereinzelt auch nach wie vor Zweifel an der Güte des Bodens. „Egal, wie hoch der Wall ist, ich würde immer sehen, dass man ihn loswerden sollte“, sagte Gemeindewehrführer Uwe Stolley. Wie es weiter geht, soll in der nächsten Sitzung ein Thema sein.

Zudem soll eine geologische Untersuchung mit Probebohrung im Bereich des Moorredders Aufschlüsse darüber geben, wie man die Sicherstellung der Löschwasserversorgung im Ort verbessern kann. Der Bau eines Rohrbrunnens, der schätzungsweise rund 35  000 Euro kostet, soll vorerst Abhilfe schaffen.

Auch das Raumproblem in der Kita kam auf den Tisch. Hier wurde nun einstimmig die kleinere Lösung gewählt, die einen Umbau des Materialraumes innerhalb der Kita-Räume vorsieht. Ein weiterer Abstellraum für die Kita wird auf dem Hausflur zur Turnhalle installiert. Die Werkräume bleiben dem Ortskulturring erhalten. Hin zu einem Neubau der Feuerwache am Kulturzentrum bewegt sich die Gemeinde, die nun eine Kostenberechnung und Planungsvorbereitungen auf den Weg bringen will. Eine Sanierung der Hausmeisterwohnung sei sehr kostenintensiv. Zahlen will der Bürgermeister in der nächsten Sitzung vorlegen.




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