Ausschuss-Votum in Schleswig : Ein klares Signal fürs neue Theater

Sie ziehen an einem Strang: Bürgermeister Arthur Christiansen, die Ausschuss-Vorsitzenden Klaus Bosholm, Steffanie Hildebrandt und Babette Tewes sowie Rathaus-Fachbereichsleiterin Julia Pfannkuch (vorne,  von links).
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Sie ziehen an einem Strang: Bürgermeister Arthur Christiansen, die Ausschuss-Vorsitzenden Klaus Bosholm, Steffanie Hildebrandt und Babette Tewes sowie Rathaus-Fachbereichsleiterin Julia Pfannkuch (vorne, von links).

Drei Rats-Ausschüsse votieren einstimmig für Lollfuß-Konzept. Die Finanzierung ist weiterhin offen.

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18. Juni 2014, 07:41 Uhr

Einigkeit zeigen – das war das große Ziel, das Bürgermeister Arthur Christiansen gestern für die gemeinsame Sitzung von drei Ratsausschüssen ausgegeben hatte. Er wollte ein starkes Signal mitbringen, wenn er am Freitag nach Heide zum Aufsichtsrat des Landestheaters fährt. Dieses Signal hat er bekommen. Bauausschuss, Finanzausschuss und Kulturausschuss stimmten einstimmig für Christiansens Konzept für einen Theater-Neubau im Lollfuß.

Demnach soll das einsturzgefährdete Stadttheater abgerissen werden. Nur die Fassade bleibt stehen. Die Stadt Schleswig soll dann das Hauptgebäude in eigener Regie wieder aufbauen. Für das Nachbargrundstück, auf dem bisher das Foyer steht, wird ein privater Investor gesucht.

Noch sind allerdings viele Fragen offen, und es steht in den Sternen, ob aus dem Konzept jemals Wirklichkeit wird. Das liegt nicht nur daran, dass die Stadt Schleswig bei der Suche nach Fördergeldern wieder ganz am Anfang steht, seit die Ratsversammlung den Neubau auf dem Hesterberg abgelehnt hat. Christiansen wies gestern immer wieder eindringlich darauf hin, dass seither die schleswig-holsteinische Theaterlandschaft von einer ganz neuen Dynamik erfasst worden sei. Mehrere Städte haben sich als neuen Produktionsstandort für das Landestheater ins Spiel gebracht, darunter Itzehoe und Rendsburg. „Diese Städte sagen, dass sie die Gebäude bereits haben, die wir erst noch bauen wollen.“ Als Unsicherheitsfaktor gilt auch der größte Gesellschafter der Landestheater GmbH: die Stadt Flensburg. Gestern Abend tagte der dortige Hauptausschuss hinter verschlossenen Türen. Ergebnisse waren bis Redaktionsschluss noch nicht bekannt. „Ich weiß nicht, ob die Stadt Flensburg in der Theaterfrage zu Schleswig steht“, sagte Christiansen.

Klarheit wird es vermutlich auch am Freitag noch nicht geben, wenn nach dem Aufsichtsrat auch die Gesellschafterversammlung des Landestheaters zusammentritt. Geplant ist, eine Strategiegruppe einzusetzen, die Vorschläge für die künftige Struktur des Landestheaters entwickelt. Dabei wird so gut wie alles auf dem Prüfstand stehen. Noch gibt es drei Produktions-Standorte. Das Schauspiel-Ensemble ist aufgeteilt in zwei Gruppen in Schleswig und Rendsburg. Musiktheater, Ballett und Sinfonieorchester sitzen in Flensburg. Es gilt als denkbar, dass die Strategiegruppe zu dem Ergebnis kommt, dass auch zwei Standorte ausreichend sind.

Auch Schleswigs Rolle als Heimat von Intendanz und Verwaltung – und damit als Hauptsitz des Landestheaters – steht auf dem Spiel. Generalintendant Peter Grisebach wird vorerst an der Schlei bleiben. Christiansen deutete aber an, dass sich Grisebach auch schon andernorts nach Büros umgesehen hat. Zugleich nahm der Bürgermeister den Intendanten gegen Vorwürfe in Schutz, er ziehe sich beleidigt zurück, nachdem die Ratsversammlung das Hesterberg-Theater abgelehnt hat. Er habe vollstes Verständnis, dass die Theaterleute von der Entwicklung nicht begeistert seien und für den Lollfuß nicht mehr mit demselben Enthusiasmus mitarbeiteten, wie sie es für den Hesterberg getan hatten. „Deshalb müssen wir uns nun besonders anstrengen“, forderte Christiansen.

Trotz des einstimmigen Votums fürs Theaterkonzept kamen von den Ausschuss-Mitgliedern auch kritische Fragen, insbesondere aus der SPD-Fraktion. So bezweifelte Bürgervorsteher Eckhard Haeger, ob es wirtschaftlich sei, einen Teil des Neubaus von einem privaten Investor errichten zu lassen.

Der Bauausschuss-Vorsitzende Klaus Bosholm beurteilte die Chancen für einen Theater-Neubau eher skeptisch: „Man sollte nicht in Euphorie verfallen. Die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass wir die Hürde reißen, als dass wir drüberspringen“, sagte er. Bürgermeister Christiansen äußerte sich inhaltlich ähnlich, aber in der Wortwahl deutlich optimistischer: „Ich gebe niemals auf, dafür bin ich zu lange Sportler.“

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