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Schleswiger Nachrichten

18. August 2017 | 22:23 Uhr

Idstedt : Ein Kindergarten voller Osterlämmer

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die 25-jährige Hanna Hansen aus Idstedt hat in den Semesterferien sechs Wochen bei 160 trächtigen Mutterschafen Geburtshilfe geleistet.

Ihr erstes Lamm hieß Mausi, hatte schwarzes Fell, eine weiße Nase und war ein Geschenk ihrer Eltern. Da war Hanna Hansen aus Idstedt gerade mal vier Jahre alt und sehr glücklich. Um vor 30 Jahren am Ortsrand der Gemeinde bauen zu dürfen, mussten sich ihre Eltern Tiere anschaffen. Sie entschieden sich für zehn Schafe – zur Freude ihrer kleinen Tochter. Mittlerweile ist Hanna 25, hat einen Bachelor-Abschluss der Agrarwirtschaft und engagiert sich im Beratungsring für Schafhalter. Auch die Zahl der Lämmer, die in ihrer Obhut groß werden, ist gestiegen. Im Stall in Idstedt tummeln sich zurzeit 200 Mutterschafe und 270 Lämmer. Die Lammzeit ist fast vorbei und Hanna, die zum zweiten Mal die Aufzucht der Herde allein betreut, hat das Gröbste hinter sich. Aufregende und anstrengende Wochen liegen hinter ihr.

„Das erste Lamm ist am 20. Februar gekommen“, sagt die junge Frau, „direkt nach der letzten Klausur.“ Denn nur weil zeitgleich zur Lammzeit die Semesterferien begonnen haben, kann sie sich rund um die Uhr um die Tiere kümmern. Sonst pauke sie in Kiel für ihren Master-Abschluss.

Bereits Ende September begann die Bockzeit, für die Hanna die Mutterschafe in zwei Gruppen sortierte. „Mutterschafe mit dunklem Kopf kommen zum Texel-Bock, Mutterschafe mit hellem Kopf zum Suffolk-Bock“, erklärt sie. Die Studentin ist lediglich für die Produktion und Aufzucht der Kreuzungen zuständig, dann werden die Tiere an einen Viehhändler weiterverkauft.

Schafe und Böcke liefen ab Ende September fünf Wochen gemeinsam auf der Weide. Nachdem sie zueinander gefunden hatten, waren die Mutterschafe anschließend rund 150 Tage lang trächtig, erklärt Hanna. In dieser Zeit galt es, möglichst jeglichen Stress von den Tieren fern zu halten.

Anfang Februar ging es für die „Hochschwangeren“ in den Stall, wo sie zunächst geschoren und damit von „ihrem natürlichen Pulli“ befreit wurden. Dann hieß es abwarten – und die nächtlichen Visiten im Stall begannen. „Einer geht um ein Uhr gucken, der nächste um 3 und wieder einer um 6“, sagt Hanna. Dabei half in den vergangenen Wochen natürlich die ganze Familie mit. Auch Vater Knut, Stiefmutter Maren und Hannas Schwester Linda (23) schauten nach Neugeburten.

„Wenn alles in der richtigen Position liegt, lasse ich die Schafe alleine lammen“, sagt Hanna, wenn nicht, korrigiere sie die Lage der Lämmer und ziehe sie heraus. Von den 270 Lämmern, die sich zurzeit im Stall tummeln, sind 19 Flaschenkinder. Einige von ihnen sind Drillinge, denn die Mutterschafe haben nur zwei Zitzen, also nimmt Hanna diesen Müttern ihren dritten Zögling grundsätzlich ab, um die Versorgung der Kleinen sicherzustellen. Allerdings gebe sie ihnen nur die ersten Tage persönlich die Flasche und bringe ihnen schnell bei, an einer immer zur Verfügung stehenden „Milchbar“ sich selbst zu bedienen.

Nach der Geburt kommen Mutterschaf und Lamm zwei bis vier Tage in eine separate Box, um eine Beziehung zueinander aufzubauen, dann werden kleine „Kindergarten-Gruppen“ gegründet. Dort lernen Mutter und Kind, sich in der Gruppe zu finden, bevor sie wieder in eine größere Herde integriert werden.

Ob Hanna nach ihrem Abschluss die Schafzucht zu ihrem Beruf machen will, weiß die 25-Jährige, die auch schon in einer Schäferei mit 2000 Mutterschafen in Neuseeland mit anpackte, noch nicht. „Wenn man nur von Schafen leben will, muss man so bummelig 1000 bis 1200 Muttertiere haben“, sagt sie. Die Frage laute: „Mache ich etwas, bei dem ich ein meinem Abschluss entsprechendes Gehalt bekomme oder mache ich lieber die Schafzucht und bin dabei glücklich?“

Hanna hat noch etwas Zeit, sich selbst diese Frage zu beantworten. Mindestens eineinhalb Jahre pauken für den Master-Titel hat sie noch vor sich. Am 13. April geht das Semester wieder los, aber „jetzt ist auch nicht mehr viel zu tun. Es geht nur noch darum, dass die Lämmer wachsen“, sagt die Idstedterin, die nun noch regelmäßig Gesundheits- und Euterkontrollen durchführt. Und so ganz ist die Lammzeit auch noch nicht durch. Zwei Schafe sind noch trächtig. Die Chance auf ein richtiges Osterlamm besteht noch.

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erstellt am 05.Apr.2015 | 07:07 Uhr

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