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„Wappen von Schleswig“ : Ein Kapitän als Lebensretter

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein kleiner Junge fällt in die Schlei, als er die „Wappen von Schleswig“ betreten will – Stefan Nelius springt geistesgegenwärtig hinterher.

Alles ging sekunden-schnell. Als Stefan Nelius (49), Kapitän der „Wappen von Schleswig“, auf dem Anlegesteg stand und die Fahrkarten seiner Gäste kontrollierte, hörte er hinter sich ein „Platsch“ und gleichzeitig mehrere Schreie. Ein kleiner Junge war ins Wasser gefallen. Nelius sprang blitzschnell hinterher – und holte das Kind an die Wasseroberfläche. Unverletzt konnte er das ungefähr vier oder fünf Jahre alte Urlauberkind, dessen Vater ebenfalls selbst hinterher gesprungen war, der Mutter übergeben. „Das alles dauerte wirklich nur Sekunden, und ich kriegte den Kleinen auch gleich zu packen“, berichtet er später auf SN-Nachfrage.

Was war passiert? Ende vergangener Woche, kurz bevor das Fahrgastschiff um 14 Uhr ablegt und die wartenden Fahrgäste eine Schlange bildeten auf der Anlegebrücke, war der kleine Junge offenbar in einem kurzen unbeobachteten Moment unter das Brückengeländer geklettert, abgerutscht und schließlich ins 1,60 Meter tiefe trübe Schleiwasser gefallen. Nach seiner Rettung saß dem Kleinen natürlich noch einige Zeit der Schreck in den Knochen. Er schrie, während er in den Armen seiner Mutter lag und von allen Seiten beruhigenden Zuspruch erhielt. Die Urlauberfamilie entfernte sich dann mit ihm, ohne die Schiffsfahrt anzutreten.

Und der Kapitän? In den triefnassen Klamotten stellte er sich nach seiner Rettungstat sofort wieder auf den Steg und wollte weitermachen, wobei er vorher unterbrochen wurde: beim Fahrkartenabreißen. Aber nach dem ersten weiteren Ticket begriff er, dass er erst einmal die Kleidung wechseln sollte. Glücklicherweise hatte Nelius ein trockenes Hemd und eine kurze Hose an Bord. Dennoch, tags darauf lag er mit einer fiebrigen Erkältung im Bett. „Aber ein bisschen angeschlagen war ich schon vorher, das hat also nichts mit dem kurzen Schleibad zu tun“, sagt er.

Während seiner ganzen Kapitänszeit seit über 20 Jahren sei ihm noch niemals jemand über Bord gegangen, und das bei Tausenden von Fahrgästen im Jahr, erklärt Nelius. Doch dann fällt ihm ein: „Warten Sie, als Zwölfjähriger habe ich schon einmal ein kleines Kind gerettet – das ist übrigens an genau derselben Stelle passiert wie jetzt.“

Damals half Stefan Nelius oft seinem Großvater Anton Bischoff, der die „Wappen von Schleswig“ 1972 gekauft und zum Fahrgastschiff umfunktioniert hatte, bei der Arbeit. Den Schein zum Rettungsschwimmer hat Nelius jedoch nie gemacht: „Trotzdem kann ich ganz passabel schwimmen und tauchen, ich bin eben eine Wasserratte.“ Das kommt ihm zugute, wenn er abtaucht zur Schiffsschraube der „Wappen“, um zu sehen, ob dort alles in Ordnung ist. Stefan Nelius’ Mutter Hertha Nelius und deren Schwester Gisela Boyer – die beiden Töchter von Anton Bischoff – führen den Familienbetrieb.

Der aktuelle Unglücksfall mit dem kleinen Jnngen sei nicht auf Sicherheitsmängel an der Anlegebrücke zurückzuführen, betont Stefan Nelius. Dennoch äußert die Betreiber-Familie Kritik am Zustand der Anlegebrücke. Hertha Nelius und Gisela Boyer monieren gegenüber den SN: „Schauen Sie mal runter auf den Steg, die vielen löchrigen Stellen da. Und dann die überall abgeblätterte Farbe am Geländer der Anlegebrücke und auf der Sitzbank.“ Das sei wirklich kein gutes Aushängeschild für die vielen Touristen, die hierher kommen“, meinen sie.

Tatsächlich sehen etliche Holzbohlen des Steges wie angenagt aus. Zudem können einige wegen der starken Unebenheit schnell zu Stolperfallen werden. So wie letztes Jahr im Mai. Da hatte sich eine ältere Dame bei einem Sturz auf der Brücke blutige Knie geholt. Die Ursache wurde dann zwar von den Umweltdiensten bald beseitigt, und auch sind Teile der Anlegebrücke an der Schleipromenade inzwischen erneuert worden. Trotzdem: Nach wie vor ist ein Teilstück der Anlegebrücke sanierungsbedürftig und bildet vor allem für ältere Fahrgäste eine Gefahr.

Hinzu kommt, sagt Hertha Nelius, dass die alten löchrigen Bretter bei nassem Wetter sehr glitschig werden. „Unsere Fahrgäste, besonders die mit Rollator und Gehstock, beschweren sich oft darüber.“ Zuständig für den Zustand der Anlegebrücke ist die Stadt. Auf SN-Anfrage, ob die Brücke bald saniert wird, erklärte Herbert Falsner, Leiter des Fachdienstes Verwaltung und Tiefbau im Rathaus, er wolle sich darum kümmern: „Ich werde mir so schnell wie möglich ein Bild von der Lage dort machen.“

 

 

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erstellt am 10.Aug.2015 | 07:28 Uhr

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