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Tauschbörse in Schleswig : Ein Hotel voller Kugelschreiber

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Sammler aus ganz Deutschland treffen sich an diesem Wochenende zur Tauschbörse im „Hohenzollern“.

von
erstellt am 30.Sep.2017 | 18:42 Uhr

Hier findet man Werbung für fast alles, was es gibt auf der Welt. Für Wohnwagen Gutbier aus Husum, für Systemhaus Knoblauch aus Dogern, für den vertikalen Sonnenschutz aus dem Speckenbeker Weg 130e. Weiß auf Blau, Rot auf Weiß, Schwarz auf Gelb. Es sind wohl rund 80  000 verschiedene Kugelschreiber, die seit gestern im großen Saal des „Hohenzollern“ in der Moltkestraße liegen. Mehr oder weniger gut sortiert in Plastikwannen, Pappkartons und tragbaren Regalen.

An diesem Wochenende ist Schleswig für Deutschlands Kugelschreibersammler der Nabel der Welt – jedenfalls für diejenigen von ihnen, die dem „Club der Kugelschreibersammler“ angehören. So wie Max und Annegret Scheer aus Ellingstedt, Vereinsmitglieder seit 1994. Sie sind die Organisatoren der Tauschbörse. Sie selbst haben rund 2000 Kulis mitgebracht. Alles Exemplare, die sie zu Hause doppelt oder dreifach haben. Dabei geht es ihnen nicht um die Aufschrift, sondern um Form und Material. Da gibt es dicke und dünne, mit Metallklammer und ohne, durchsichtige und opake.

Nur das, worauf normale Menschen wert legen, wenn sie nach einem Kuli greifen, das können die meisten Kugelschreiber aus der Sammlung Scheer nicht: schreiben. Dafür liegen sie schon zu lange in den Ellingstedter Regalen. Die Minen sind längst ausgetrocknet.

Was ist das Faszinierende an so einem Hobby? Annegret Scheer kann es selbst nicht so recht erklären. Sie weiß nur, wie alles angefangen hat: Mit einer überquellenden Küchenschublade. Kulis, die sie schön fand, bewahrte sie immer schon auf. Irgendwann stießen sie und ihr Mann dann auf den Club der Kugelschreibersammler. Mittlerweile liegen in ihrem Dachgeschoss rund 60  000 Kulis. „Es ist wie Briefmarken sammeln“, meint Max Scheer – und sagt nach kurzem Nachdenken: „Naja, so ganz stimmt das nicht.“ Denn es gibt gewaltige Unterschiede. Auf den Tauschbörsen der Briefmarkensammler dreht es sich schließlich meist auch um den Wert seltener Marken. Über so etwas machen sich die Scheers keine Gedanken. Sie sammeln einfach, was ihnen gefällt, und so halten es auch die übrigen Clubmitglieder. Dabei verlieren sie nie den Überblick. Oder jedenfalls fast nie. Meistens erkennt Annegret Scheer sofort, ob sie einen bestimmten Kulityp schon in ihrer Sammlung hat oder nicht. Und wenn sie sich doch mal vertut und zu Hause feststellt, dass sie ein Exemplar eingetauscht hat, das es irgendwo in ihren Regalen schon gibt, dann ist das auch nicht schlimm. „Dann tauschen wir den Kuli eben beim nächsten Mal wieder ein“, sagt sie. Die Tauschbörsen finden zweimal im Jahr statt. „Da sind wir schon viel rumgekommen in Deutschland und haben viele Freunde gefunden.“

Gestern Nachmittag wühlten sich die Scheers drei Stunden lang durch die Sammlungen der anderen. Heute geht es von 10 bis 16 Uhr weiter. „So lange braucht man schon, um sich alles anzuschauen“, sagt Max Scheer. Er hofft, dass heute auch ein paar neugierige Schleswiger im „Hohenzollern“ vorbeischauen. Vielleicht wird ja der eine oder andere vom Sammelfieber ergriffen.

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