Schuby Open Air : Ein heißes Festival

Drummer „Mayhemic Destructor“ von „Endstille“.
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Drummer „Mayhemic Destructor“ von „Endstille“.

Trotz tropischer Temperaturen kamen rund 4000 Besucher zum vierten Open Air. Bunter Musikmix von Heavy Metal bis zum Spielmannszug.

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06. Juli 2015, 07:26 Uhr

Reger Betrieb herrscht zu Beginn des Open Airs in Schuby am Freitag noch nicht. Es ist drückend warm und die Luft steht. Da ist so mancher potenzieller Besucher offenbar lieber zu Hause geblieben anstatt sich in die Hitzeschlacht zu wagen. Zumindest aber bleibt es ruhig – auch wenn es am frühen Abend einen kleinen Zwischenfall gibt, weil ein Festivalbesucher sich weigert, seine Schreckschusspistole am Einlass abzugeben. Doch die anwesenden Polizisten und der Sicherheitsdienst sorgen sofort dafür, dass die Situation nicht außer Kontrolle gerät und nehmen den Waffenbesitzer in Gewahrsam. Eine Ausnahme. „Die Leute hier sind in der Regel alle friedlich“ sagt Hauptkommissar Ulf Clasen.

Die Musiker geben indes von Beginn an alles. „Voll cool“ findet die zehnjährige Mattea den Bühnenauftritt ihres Vaters Jörg Klinker, der Schlagzeuger der Gruppe „Black Jack Guillotines“ ist und selbst in Schuby wohnt. In Begleitung ihrer Stiefmutter Birdy und ihres Bruders Jannes-Fiete darf sie heute ihren Papa das erste Mal bei einem Auftritt begleiten. Und trotz der speziellen Musikrichtung (am Freitag sind eher harte Töne angesagt) finden sich bis zum frühen Abend auch noch andere Familien ein, um gemeinsam zu feiern.

Der vierjährige Paul und seine Eltern Inguta und Oliver Schmidt sind begeistert von Hilke Braun und ihrer tollen Stimme. Die 35-jährige Sängerin von „Grimm“, die hier jeder nur unter den Namen „Hille“ kennt, erzählt nach ihrem Auftritt, dass die Band erst seit vier Wochen wieder vollständig besetzt ist. Einige Mitglieder hatten aufgehört und wurden nun durch neue Musiker ersetzt – offenbar mit Erfolg. Im Anschluss folgt „Obskura“ aus Kropp. Die Gründer der Deathmetal-Band Björn Flügel und Guido Blank stehen seit 25 Jahren gemeinsam auf der Bühne und kennen viele der Besucher persönlich. „Die Metalszene ist klein, speziell und entspannt“, meint Blank.

Die Neugier auf Gruppen, die weniger bekannt sind, lockten Thomas Ahl (47) und Jan Groth (36) aus Breiholz nach Schuby. Sie sind alte „Metalbunnys“ , wie sie sich selbst bezeichnen, und finden es „einfach nur super, nette Leute zu treffen“. Melanie Jürgensen hat durch ihre Freundschaft zum Schlagzeuger „Mayhemic Destructor“ die Gruppe „Endstille“ nach Schuby geholt. Die Band spielt sonst auch schon bei großen Festivals. Dass sie an diesem Tag das Highlight ist, bestätigen mehrere Besucher auf die Frage hin, weswegen sie nach Schuby gekommen sind. „Das muss man mal gehört und gesehen haben“ , meinte etwa Ingrid Baade (60). Sie ist Mitglied der Siedlergemeinschaft, die die Veranstaltung ausrichtet. Als „laut, eklig und aggressiv“ bezeichnet sich die Band selbst – und in der Tat wird zum Ende des Abends hin gegrölt, was die Stimmbänder hergeben. Die Stimmung ist nun auf dem Höhepunkt.

Auch am Sonnabend ist es dann kaum auszuhalten in der Hitze. Das wirkt sich erneut auf die Besucherzahlen aus. Die wenigen Leute, die am Nachmittag kommen, sind einzelne Dorfbewohner und Metalfans, die am Freitag ihr Nachtlager in der Nähe aufgeschlagen haben. Nicht nur die Senioren, die ansonsten gerne den Spielmannszügen lauschen, bleiben lieber zuhause. Der 81-jährige Karl-Heinz Kuhr, der selbst früher als Schlagzeuger in einer Band namens „Teddys“ gespielt hat, sieht es hingegen als Pflicht an, zum Festival zu kommen. Das kostenlose Angebot und den großen Aufwand der Veranstalter möchte er würdigen. „Auch gestern haben wir uns die Nacht um die Ohren geschlagen“, lacht er. Hilma und Charlie Kröger haben sogar extra ihren Urlaub in Ostfriesland unterbrochen, um sich hier mit ihrer Freundin Bine Elsanowski zu treffen. „Wir sind alle noch fit. Zuhause sitzen ist doch langweilig“, sagt der 63-Jährige. „Unsere Männer sind alle zu einem Männerwochenende unterwegs“, erzählt Urte Kraus, die sich nun ihrerseits auf den Abend mit ihren Freundinnen aus Lürschau freut. Sönke Hansen aus Hollingstedt nutzt die Gelegenheit, sich gemeinsam mit Andrea Rathje und Jörn Rüther bei einem kühlen Bier die Bands anzuhören. „Wir haben Spaß und die Leute hier sind gut drauf“, sagt er. Und während die ersten Bands kaum Zuschauer haben, bleiben die Musiker selbst gelassen. „Wir kommen trotzdem gerne wieder“ sagt Jörg Bernkopf von „Celidh Project“.

Gegen Abend füllt sich das Festivalgelände schließlich doch noch – und auch die Stimmung vor der Bühne wird deutlich besser. Ein kurzer Regenschauer ist dabei eine willkommene Abkühlung. Spätestens mit dem Start von „Kompliment“, den Local Heroes aus Hüsby, gibt es kein Halten mehr. Peter Quante und Dietmar Dollase vom Organisationsteam sind zufrieden. Rund 4000 Besucher, so schätzen sie, seien an beiden Tagen auf dem Festival-Gelände gewesen. Dollase schließt eine Wiederholung 2017 nicht aus. Dann wolle man aber eine Konzeptänderung andenken, um von Beginn an die Zuschauer besser ansprechen zu können.

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