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Kräftemessen in Schleswig : Ein Hauch von Schottland an der Schlei

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zum vierten Mal fanden auf der Freiheit die zweitägigen Highland-Games statt.

Es kostet seinen gestählten Körper alle Kraft. Und für Momente sieht es aus, als würde diese nicht ausreichen. Doch letztendlich gelingt es Markus Vogel dann doch. Unter Stöhnen und mit gerötetem Kopf wuchtet er die 75 Kilo schwere Steinkugel auf das Podest. Damit punktet er für sein vierköpfiges Team, das am Pfingstwochenende an den Highland-Games auf der Freiheit teilnimmt. Euphorisch reißt Vogel die Arme in die Höhe, sieht aber Momente später einen seiner Mitstreiter an dem Gewicht scheitern. Egal, der Teamgeist stimmt. Man feuert sich an, klatscht ab und weiter geht’s zur nächsten Disziplin. Denn eines wissen alle, die bei dem Wettkampf direkt an der Schlei ihr Bestes geben: Hier geht es zwar ums Gewinnen, aber gleichzeitig um viel mehr.

Hajo Petersen steht in seinem Schottenrock etwas abseits und beobachtet zufrieden das Spektakel. Er ist Präsident der „Clan Mackenzie Society“ und Botschafter eines ganz speziellen Lebensgefühls. „Wir leben schottische Traditionen in Deutschland und teilen unsere Begeisterung dafür“, sagt Petersen über die Aufgabe seiner Gruppe, die sich vor acht Jahren gegründet hat. Ihr Name ist keine Erfindung, sondern eine Auszeichnung, die Petersen mit Stolz trägt. Auf einem Schloss in den schottischen Highlands hat er damals beim Earl of Cromartie vorgesprochen. Der ist Clan-Chief der Mackenzies und erklärte sich bei Tee und Whisky gerne bereit, seinen Familiennamen durch Petersen in Deutschland repräsentieren zu lassen.

Seitdem hat in Schleswig mit den Highland-Games eine Tradition Einzug gehalten, die es ebenso lange gibt wie die schottischen Clans selbst. „Es ging früher zum einen darum, für die Schlacht zu trainieren“, sagt Petersen. „Es waren aber auch sportliche Wettbewerbe, um die Stärksten im Clan auszuzeichnen.“

Auf der weiten Rasenfläche am Ufer der Schlei eilen nun also stämmige Frauen und Männer in Schottenröcken von einer Herausforderung zur nächsten. Mitmachen darf jeder. Es werden Baumstämme in die Höhe geschleudert, die sich möglichst gerade überschlagen sollen, Felsbrocken werden gestoßen, massive Baumstümpfe werden an Seilen gezogen oder mit bloßer Hand getragen. Auch eine Disziplin für Feingefühl und Konzentration gibt es: Mit hölzernen Bögen müssen die Wettstreiter auf Zielscheiben aus Stroh schießen. Für das Publikum gibt es zudem Musik, Deftiges vom Schwenkgrill und selbstverständlich Bier und Whisky.

So ist die Veranstaltung gleichermaßen Volksfest wie Versammlung sportlicher Individualisten. „2012 habe ich Blut geleckt und bin dabei geblieben“, sagt Sylvana Bomholt. Früher war sie einmal professionelle Body-Builderin, heute ist sie Deutsche Meisterin der Highland-Games und moderiert den Wettbewerb in Schleswig. Für sie selbst geht es in wenigen Wochen zu den Weltmeisterschaften der Highland-Games in Island. Ein ähnliches Original ist Uwe Koepsel, der in mittelalterlichem Gewand die Einweisung beim Bogenschießen gibt. Seinen eigenen Bogen hat er im Sherwood Forest anfertigen lassen, einer Region, in der er gelegentlich an der Nachstellung historischer Schlachten teilnimmt. Mit natürlicher Autorität gibt er den Schützen seine Anweisungen. „Beim intuitiven Bogenschießen mit den ursprünglichen Waffen geht es um Körperhaltung und Bewegungsablauf. Es ist etwas völlig anderes als das moderne Sportschießen“, sagt er. Auch Kinder dürfen sich versuchen. Angeleitet werden sie von Lea Bandholz, die – selbstverständlich ebenfalls authentisch gekleidet – einige Grundtechniken vermittelt.

Als die Band „North Frisian and St. Pauli Pipes and Drums“ auf den Platz marschiert, um dort ihre Dudelsackmusik zu spielen, steht Markus Vogel am Rand des Wettkampffeldes und schnauft einmal durch. Warum er das macht? „Weil ich Spaß haben will und weil ich Leistung bringen will“, sagt der Kraftsportler. Mit dieser Aussage weiß er sich an diesem Tag wohl in guter Gesellschaft. „Prinzipiell kann jeder Mitglied werden in unserer Society. Aber er muss wirklich für die Sache brennen“, sagt Petersen. Das Publikum hört inzwischen die Folk-Lieder der Band „Outfield Westwood“. So haben Fernweh, Folklore und sportlicher Wettkampf hier ihren Platz. Petersen und seine Kampfrichter dirigieren das Geschehen mit Hingabe. „Nächstes Jahr sind wir wieder hier“, sagt er.

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