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DJ Helly aus Kropp : Ein halbes Leben hinter dem DJ-Pult

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Als DJ Helly bringt Helwig Szameitat aus Kropp seit über 20 Jahren die Leute zum Tanzen. Mit der Hip-Hop-Gruppe des TSV Kappeln fing alles an - da war er gerade mal 16 Jahre alt.

Kropp | Als er eines Tages merkte, dass er es ziemlich schnell schafft, die Leute zu unterhalten, sie zum Tanzen zu bringen, musste er noch Kassetten vor- und zurückspulen, war gerade mal 16 Jahre alt. Dabei wollte er doch eigentlich selbst nur tanzen. Mit der Hip-Hop-Gruppe des TSV Kappeln, wo er aufwuchs, tingelte Helwig Szameitat durch die Gegend, besserte durch Auftritte bei allen möglichen Veranstaltungen sein Taschengeld ein wenig auf. „Und wenn wir fertig waren, kam es immer öfter vor, dass die Leute fragten: ,Ihr habt so coole Musik, können wir davon mehr hören?’“, erinnert sich der 37-Jährige, der heute mit seiner Frau Anne und Sohn Emil in Kropp lebt. Was blieb Helly, wie ihn schon damals alle nannten, da anderes übrig, als an den Kassettenrekorder zu treten, ihnen zu geben, was sie wollten.

Die Lust, Musik zu machen, war ja da, auch wenn er damals an ein Leben hinter dem DJ-Pult noch nicht im Geringsten dachte. Und Helly machte seinen Job ziemlich gut. Schnell wurde das Auflegen zu seiner Leidenschaft. „Ich hatte scheinbar schon damals ein Gefühl dafür, was die Leute hören wollen, für die richtige Mischung“, sagt er. Schon wenig später, das verrät sein Vater Helwig Szameitat senior, habe er die Garage ausgeräumt und in eine Disco verwandeln wollen – das habe er gerade noch verhindern können, sagt der frühere Kapitän des Kappelner Hochsee-Angelkutters „Wiking“ schmunzelnd. Mit 17 wurde Helly für den ersten richtigen Einsatz als DJ gebucht, für die Neueröffnung eines Fitness-Studios in Kiel. Als er 18 war, legte er bereits im K  7 in Eckernförde auf – für über 1000 Leute. „Und mit 19 war ich Chef-DJ im Fantasy in Tarp.“ Hinzu kamen mit den Jahren haufenweise Hochzeiten – jetzt sind es rund 40 im Jahr –, Familienfeste, Jubiläen, Stadtfeste oder PR-Veranstaltungen. Und heute, 20 Jahre, nachdem alles anfing, kennt man DJ Helly nicht nur von Nordfriesland bis Lübeck, in Hamburg, Celle, Münster oder Hannover, sondern selbst in Berlin.

„Ein richtig anerkannter Beruf ist DJ ja immer noch nicht“, sagt Helly. „Und eigentlich ist mir der Name Musikentertainer auch lieber“, gibt er zu. „Ich bin mir aber für nichts zu schade. Nur so kann man das alles hauptberuflich schaffen.“ Er und seine kleine Familie könnten davon gut leben, aber das sei nicht selbstverständlich. „Viele, die heute einen Laptop mit tausenden Liedern haben, nennen sich DJ, aber viele halten das auch nicht lange durch“, weiß er. Bis vor sechs Jahren hatte Helly noch zwei Jobs, war Autoverkäufer und DJ, bis zu 50 Stunden pro Woche stand er in einem Flensburger Autohaus. Immer freitags, gleich nach Feierabend, ging es los zu den Musik-Jobs, an Schlaf war kaum zu denken. „Sonntags war ich platt.“ Der Job im Autohaus war zwar eine Sicherheit – aber beides ging irgendwann nicht mehr. Helly wagte den Schritt, allein vom DJ-Dasein zu leben. Das klappte, weil er bereits einen hohen Bekanntheitsgrad hatte.

Er ist eine Stimmungskanone, hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Das braucht es wohl, um die Massen zu begeistern. Er sagt aber auch: „Man muss dafür gemacht sein.“ Helly begleitet vor allem Hochzeitspaare in ihren schönsten Stunden, das gefällt ihm besonders. „Hochzeiten sind die Königsdisziplin. Da musst du alle Leute von sieben bis 70 Jahre packen – da zeigt sich, ob du dein Handwerk verstehst.“ Auf mehr als 1500 Familienfesten hat er schon Musik gemacht, damit „anständiges Geld“ verdient.

Das alles wäre aber niemals möglich gewesen, wenn seine Frau nicht vollkommen hinter ihm stehen würde, betont er. „Wir sind seit zwölf Jahren zusammen, und es war nie ein Problem“ – aber auch nicht immer leicht: Ein Jahr im Voraus oder länger ist er ausgebucht, jedes Wochenende unterwegs. Seine Frau geht fast immer allein zu Feiern von Freunden. „Soziale Kontakte werden da hart auf die Probe gestellt. Es ist manchmal echt traurig, dass ich privat so wenig unternehmen kann.“ Jetzt, wo Emil ein Jahr alt ist, soll sich das aber bald ändern – der letzte richtige Urlaub liegt immerhin vier Jahre zurück, da ging es ein paar Tage an die Algarve. „Ich habe gerade erst das Angebot abgelehnt, drei Monate mit Aida Cruises nach Dubai zu fahren – das geht einfach nicht mehr.“ Mehrere wochenlange Touren auf Kreuzfahrtschiffen hat er aber schon mitgemacht, „das waren die Highlights meiner Karriere“.

Besonders gern erzählt er auch von seinem Auftritt in der VOX-Sendung „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“, die im November ausgestrahlt wurde. Er machte Musik auf der Feier eines der vier Brautpaare, schaffte es, die komplette Hochzeitsgesellschaft auf die Tanzfläche zu bewegen, die Menge tobte. Das wurde in der Sendung von den anderen Brautpaaren in höchsten Tönen gelobt – und Helly konnte sich nach der Sendung vor Anfragen aus ganz Deutschland kaum retten. „Der Witz ist: Ich konnte fast keinen Auftrag annehmen, denn ich bin ja so ausgebucht.“

In 20 Jahren hat Helly erst einen Auftritt abgesagt – weil er wegen eines Zeckenbisses im Krankenhaus lag. Andere Krankheiten halten ihn nicht von Jobs ab, „denn ich kann die Leute einfach nicht enttäuschen, die zählen voll auf mich“. Er hat sich in dem harten Geschäft nach oben durchgeboxt, spricht von einem „unheimlich großen Glücksgefühl“, wenn er sieht, wie die Menschen vor seinen Augen ausgelassen feiern. „Das ist eindeutig besser, als einen BMW für 100.000 Euro zu verkaufen.“

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erstellt am 22.Feb.2015 | 16:15 Uhr

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