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Storchendorf Bergenhusen : Ein gutes Jahr für Adebar

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zahl der Störche in Schleswig-Holstein steigt stetig, heißt es vom „Michael-Otto-Institut“ in Bergenhusen. Allerdings gibt es einen Wermutstropfen: Auf der nördlichen Geest wird Adebar durch den Maisanbau verdrängt.

Jedes Jahr treffen sich die Storchenbeauftragten und -fachleute aus Schleswig-Holstein zur Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft Storchenschutz des Nabu Schleswig-Holstein im „Michael-Otto-Institut“ in Bergenhusen. Uwe Peterson, Referent für Storchenschutz, konnte auch den Landesvorsitzenden Hermann Schultz begrüßen, der sehr zufrieden war mit den Bestandszahlen im Land. „Nur durch die ehrenamtliche Arbeit, die sich um die Nestpflege, den Neubau von Nestern, die Beringung und Datenerhebungen kümmern, ist die wissenschaftliche Arbeit möglich, die uns oftmals zu neuen Erkenntnissen führt.“

Jetzt liegen alle Bestandszahlen auf dem Tisch und die Experten können Bilanz ziehen. Peterson: „Noch nie waren die Storchenzahlen so hoch.“ Insgesamt waren 294 Horstpaare zu beobachten (Vorjahr: 272, 2001: 213), die Zahl der Storchenpaare mit Jungen belief sich dabei auf 217 (185, 143) und, besonders erfreulich: die Zahl der flüggen Jungstörche betrug 518 ( 418, 305). Auch die Zahl der fütterungsabhängigen Storchenpaare aus den Tier- und Wildparks hat zugenommen – um drei auf 66 Paare mit 135 Jungstörchen. Der Bestand an Schwarzstörchen, ein sehr scheuer Vogel, wird auf sieben bis zehn Paare geschätzt.

Kai-Michael Thomsen vom Michael-Otto-Institut (NABU) gab einen Überblick über die Entwicklung der Storchenpopulation. Seit 2009 gibt es einen beständigen Bestandsanstieg, der hauptsächlich von den Westziehern (Gibraltar, Südspanien) herrührt. Die Verbreitung aber verändert sich. So ist zu erkennen, dass im Nordwesten und auf der nördlichen Geest die Bestände ab-, im Südosten und Süden des Landes hingegen zunehmen. Negativen Einfluss hat nach Meinung des Experten der Rückgang an Grünlandflächen durch die Zunahmen des Maisanbaus. So sind in der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge gute Populationszahlen zu erkennen, und auch in den Grünlandniederungen in Angeln siedeln sich wieder Störche an.

Auch die Alterspyramide verändert sich. Das Durchschnittsalter der Tiere beträgt jetzt 6,4 Jahre, wenige sind zwischen 25 und 30 Jahre alt. Der Anteil der zweijährigen Brutvögel liegt bei elf Prozent. Die Westzieher haben weniger Verluste bei der Überwinterung als die Ostzieher, die über die Türkei in die Winterquartiere im Tschad und im Sudan ziehen, und können im Schnitt zwei Jahre länger Junge aufziehen. Ein Phänomen ist, dass verstärkt auch einjährige Störche in den hiesigen Brutgebieten auftauchen. Auch bei den Störchen gebe es wohl Frühreife. Erklärungen hierfür habe man noch nicht. Diese neuen Erkenntnisse resultieren aus den Ablesungen, die nur möglich sind, weil die Störche seit 2003 wieder beringt wird.

In den letzten Jahren wurden viele Nester erneuert und in einigen Regionen neue Nester errichtet, vielfach mit Erfolg. Jedes Storchenpaar hat jetzt statistisch gesehen ein Ersatznest.

Da ein Drittel der hiesigen Störche Westzieher sind, hat sich das Michael-Otto-Institut sich dem Projekt der „Storch-Schweiz“ angeschlossen, das das Zugverhalten, die Nahrungsaufnahme und deren Auswirkungen auf jene Störche untersucht, die in Spanien überwintern. Innerhalb von 30 Jahren hat sich diese Population im Winter verzehnfacht – auf zirka 60 000. Die Störche finden auf den spanischen Mülldeponien im Haushaltsmüll genug Nahrung. Sie nehmen aber dadurch aber auch immer wieder Schadstoffe und Krankheitskeime auf.

Die Störche „Oskar“ und „Tina“ aus Bergenhusen waren mit „GPS-Loggern“ ausgerüstet worden. Diese werden mit Gurten auf dem Rücken der Vögel angebracht und behindern diese nicht. Die Garäte wiegen 40 Gramm und kosten um die 2000 Euro. Ziel ist es, Daten über Position, Flughöhe, Geschwindigkeit und Temperaturen zu sammeln. Diese werden gespeichert und per SMS über Handy-Netze an die Vogelwarte in Radolfzell weitergeleitet. Von hier erhält Thomsen die Daten zur Auswertung. So konnte auch das Schicksal von „Oskar“ geklärt werden: Er ist in den Pyrenäen zu Tode gekommen, wahrscheinlich von einem Steinadler geschlagen. Sein Sender wurde geborgen. So stellte sich heraus, dass Störche doch natürliche Feinde haben. Es sind einige Adler-Arten und Uhus.

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erstellt am 02.Okt.2014 | 17:00 Uhr

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