Schleswig : Ein ganz besonderer neuer Mieter

Symbolische Schlüsselübergabe in den neuen Räumen: Bürgermeister Arthur Christiansen (3.v.r.) und die Vorstandsmitglieder und Mitarbeiter des Vereins (v.l.) Dörte Boysen, Peter Hansen, Rita Becker, Gerd Rullmann (Vorsitzender), Elke Heinen und Nicole Labs.
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Symbolische Schlüsselübergabe in den neuen Räumen: Bürgermeister Arthur Christiansen (3.v.r.) und die Vorstandsmitglieder und Mitarbeiter des Vereins (v.l.) Dörte Boysen, Peter Hansen, Rita Becker, Gerd Rullmann (Vorsitzender), Elke Heinen und Nicole Labs.

Der Verein Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister zieht ins Torhaus des Stadtmuseums ein. Der Bürgermeister stellt weitere Pläne vor.

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09. Februar 2018, 07:00 Uhr

Wirklich genutzt wurden die Räume schon seit vielen Jahren nicht mehr. Nun aber kehrt Leben ein in den unteren Bereich des Torhauses des Schleswiger Stadtmuseums. Der Landesverband des Vereins Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister wird hier in Kürze seine Geschäftsstelle eröffnen.

Die Renovierungsarbeiten sind bereits abgeschlossen. Nun fehlen noch Möbel, Computer und Telefon. In spätestens zwei Wochen kann der Betrieb in den kleinen, aber feinen Räumen aufgenommen werden. „Wir freuen uns sehr, dass wir hier untergekommen sind. Es war ja schon lange unser Plan, eine Geschäftsstelle zu eröffnen, aber die Findungsphase war nicht gerade einfach“, sagte Vereins-Vorsitzender Gerd Rullmann bei der symbolischen Schlüsselübergabe durch Bürgermeister Arthur Christiansen. Der Standort am Museum solle nun zum „neuen Kompetenzzentrum“ des Vereins werden, von dem aus Betroffenen aus ganz Schleswig-Holstein geholfen werden kann, so Rullmann, der gleichzeitig die Gelegenheit nutzte, um einen Appell in Richtung Landesregierung zu senden: „Wir leisten hier eine Kernaufgabe, die in der Mitte der Gesellschaft wirkt. Es kommen Menschen aus allen Schichten und Nationalitäten zu uns. Aber wir finanzieren uns allein durch Spenden. Dass dieses Thema von offizieller Seite aus bislang so stiefmütterlich behandelt wird, halte ich ehrlich gesagt für einen Skandal“, sagte Rullmann, der selbst Vater eines verstorbenen Kindes ist. Er hoffe deshalb, dass es dem Verband bald gelingen wird, die Finanzierung „auf andere Beine zu stellen“. Denn er wisse aus eigener Erfahrung, wie ungeheuer wichtig die Betreuung von Betroffenen sei.

Das bestätigt auch Elke Heinen, Referentin für Trauerbegleitung im Verein. „Die Nachfrage nimmt immer weiter zu, etwa auch von älteren Eltern, die ihre bereits erwachsenen Kinder verloren haben“, erzählte sie. Hinzu komme die Schulung etwa von Krankenschwestern, Hebammen und Pastoren, die in ihren Berufen mit dem Tod von Kindern konfrontiert werden können. „Sie alle, so oder so, brauchen kompetente Ansprechpartner.“

Dass deren Arbeit nun von Schleswig aus koordiniert wird, freut auch Bürgermeister Christiansen. „Es ist schön, dass sich der Landesverband für unsere Stadt entschieden hat“, sagte er. Gleichzeitig betonte er, dass die Vermietung der Räume im Torhaus auch ein Teil der neuen Konzeptionierung des Stadtmuseums sei. „Wir haben von der Politik den Auftrag bekommen, Kosten einzusparen und Einnahmen zu generieren. Die Miete ist ein wichtiger Baustein dafür“, betonte er. Dabei aber solle es nicht bleiben. Unter anderem soll in absehbarer Zeit ein neues Café („Café Friedrich“; wegen der Lage an der Friedrichstraße) eröffnen und Besucher anlocken. Im Museum selbst soll der Schwerpunkt künftig noch stärker auf der Schleswiger Stadtgeschichte liegen, und man wolle weiter auf hochkarätige Fotoausstellungen setzen. Zudem werde auf Mitmachkonzepte in einer neuen Kulturwerkstatt und auch auf dem Außengelände gesetzt. Nicht zuletzt sei es Ziel, das Teddybär-Haus künftig zu einem Kinderhaus umzugestalten, in dem auch die Spielzeugsammlung Gunkel Platz finden soll. „Schleswig, als eine der ältesten Städte Europas, braucht ein eigenes Museum. Mit den neuen Konzepten werden wir es wieder voran bringen“, sagte Christiansen.

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