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Schleswiger Nachrichten

18. Dezember 2017 | 06:32 Uhr

Baltic Open Air : Ein friedliches Rock-Fest

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Trotz Kritik im Vorfeld: Festival-Bilanz fällt positiv aus. Umstrittene Bands positionieren sich gegen Nazis und Anschläge auf Flüchtlinge.

von
erstellt am 31.Aug.2015 | 07:00 Uhr

Den einen oder anderen Seitenhieb konnte sich Philipp Burger nicht verkneifen. Zu tief saß bei dem Frontmann der umstrittenen Südtiroler Rockband Frei.Wild offenbar der Ärger über die Kritik im Vorfeld ihres Auftrittes beim Baltic Open Air. Und so ließ er am Sonnabendabend keine Gelegenheit aus, dies auch deutlich zu artikulieren: „Danke, dass ihr alle da seid, und dass ihr euch nicht von den ganzen Arschgeigen habt weichkochen lassen“, rief er seinen vielen tausend Fans entgegen. Und die antworteten mit lautstarkem Applaus und Sprechchören. „Das nenne ich mal eine richtige Willkommenskultur“, entgegnete wiederum Burger – und spielte damit auf Aussagen von Seiten der Schleswiger Politik an, die den Auftritt der vermeintlich politisch rechts orientierten Gruppe mit Blick auf eben jene von der Stadt ausgerufene Willkommenskultur kritisierten. Auch die Berichterstattung der SN im Vorfeld des Rockfestivals bekam ihr Fett weg. „Wir sind eine Band, die polarisiert und die Wahrheit sagt. Das passt offenbar nicht jedem“, meinte Burger. Dass er später „Nazis raus“ ins Mikrofon rief, kam hingegen beim Publikum sehr gut an.

Gleiches gilt für eine deutliche Aussage von Kevin Russell. Der Auftritt des Sängers der nicht weniger umstrittenen Rockband Böhse Onkelz lockte am Freitagabend die Massen vor die große der beiden Festival-Bühnen. Nach Schleswig war er mit seiner neuen Gruppe Veritas Maximvs gekommen – und überraschte nun mit einer Ansprache. Man werde ihm zwar unterstellen, er wolle sich damit nur profilieren. Aber: „Wenn Leute aus Scheiß, Armut und Dreck hierher wollen, weil sie einfach nur Frieden wollen, dann sollten wir ihnen das nicht verwehren. Mehr sag’ ich nicht.“

Ansonsten konzentrierte sich der Sänger, der unter anderem wegen eines schweren Unfalls unter Drogeneinfluss in die Schlagzeilen geriet, auf seinen musikalischen Auftritt. Gleiches gilt für die vielen anderen Bands wie etwa Uriah Heep, Eisbrecher und Extrabreit. Der größte Aufreger ereignete sich dabei bei der Show von Frei.Wild. Bei einem der vielen Pyrotechnik-Effekte platzte das Ventil einer Druckleitung. Die Folge war eine Verpuffung, die wiederum eine riesige Rauchwolke verursachte. Verletzt wurde niemand. Allerdings musste der Auftritt rund 20 Minuten unterbrochen werden. „Wir haben heute im wahrsten Sinne des Wortes die Bühne abgefackelt“, nahm es Burger mit Humor.

Grund zum Lachen hatte derweil auch Veranstalter Daniel Spinler. Nicht nur, weil deutlich über 10  000 Rockfans auf die Freiheit gekommen waren. Auch er hatte vor dem Festival Kritik einstecken müssen für die Auswahl der Bands. Viele befürchteten, dass dadurch gewaltbereites Publikum angezogen würde. Am Ende aber blieb es ausgesprochen ruhig. Die Polizei registrierte „keine nennenswerten Vorfälle“. Und auch eine angemeldete Gegendemonstration aus dem linken Lager gab es nicht. „Die ganzen Sorgen wurden alle wie vom Winde verweht“, sagte Spinler gestern auf SN-Nachfrage. „Es war genial, eine super Stimmung – und ausgesprochen friedlich.“ Für das nächste Jahr (26. und 27.August) hat er bereits mehrere Bands verpflichtet. Unter anderem kommen dann J.B.O., Barock und Airbourne nach Schleswig. Gleichzeitig werde man einige Dinge verbessern, die diesmal „nicht ganz so optimal“ gelaufen sind. Unter anderem brauche man mehr Ausweichflächen zum Campen und Parken. Auch bei der Einlass-Kontrolle und bei der Kalkulation von Getränken und Getränkebechern müsse man nachbessern.





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