zur Navigation springen

Schleswig : Ein Flüchtlingskind auf der Überholspur

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der 14-jährige Lornsenschüler Najeeb Ward überrascht mit vielen Talenten – auch auf Landesebene.

„Schleswig ist eine schöne, kleine Stadt“, findet Najeeb Ward (14), der vor zwei Jahren mit seinen Eltern und Bruder Kareem (12) von Syrien nach Deutschland flüchtete. Seitdem haben sie an der Schlei eine neue Heimat gefunden. Obwohl sie anfangs weder Deutsch verstehen noch sprechen konnten, gelingt das inzwischen bereits fast akzentfrei. Nicht nur das: Beide Jungen schafften innerhalb von sechs Monaten (mit der Unterstützung des DaZ-Zentrums) den Sprung von der Dannewerk-Gemeinschaftsschule, wo sie zunächst am Deutsch-Sprachunterricht teilnahmen, auf die Lornsenschule.

Mit viel Enthusiasmus und vielen Talenten überraschen sie dabei, und besonders der 14-jährige Najeeb zeigte sich in den vergangenen zwei Jahren bei Regional- und Landeswettbewerben immer wieder erfolgreich. Zuletzt wurde er mit dem anspruchsvollen Text aus dem Buch „Monsieur Ibrahim et les fleurs du Koran“ von Éric-Emmanuel Schmitt Landessieger beim Vorlesewettbewerb der Deutsch-Französischen Gesellschaft Schleswig-Holstein.

„Am schönsten zu hören für mich ist Französisch. Am schwierigsten ist Arabisch in Aussprache und Rechtschreibung. Englisch ist für mich die Weltsprache und der, die, das fällt mir bei Deutsch noch immer schwer“, erklärt Najeeb seine persönliche Sprachenvielfalt, ohne dass ihm anzuhören ist, dass er überhaupt irgendwelche Schwierigkeiten mit der deutschen Grammatik hätte. Neben den vier Sprachen, die er beherrscht, liebt er Naturwissenschaften. „Ich bin kein Streber und ich bin kein Genie“, betont Najeeb. Für ihn sei das Spiel mit Buchstaben und Zahlen viel mehr als nur nötiges Mittel zur Kommunikation und Bestandteil der Schule.

Innerhalb der letzten vier Wochen hat der Neuntklässler bereits das zweite Mal an der Mathe-Olympiade teilgenommen und bei „Jugend forscht“ im Fach Chemie. „Mathe ist mein Zeichnen. Mathe ist mein Sport“, erzählt Najeeb, der betont, sehr gerne zur Schule zu gehen, sich aber selbst für außerordentlich unsportlich hält. Spannend sei es, die schwierigen Olympia-Aufgaben in Mathe zu lösen und immer wieder Wege hierfür zu finden. „Für mich ist Schule meine Freizeit. Mehr noch, sie bedeutet für mich eine gute Zukunft“, macht der 14-jährige deutlich, der später einmal Arzt werden möchte. Gerne Kardiologe, denn seine Mutter Basma Richa habe Herzrythmus-Störungen. Auch ihr möchte er gerne später helfen können. „Denn sie war ein sehr großer Einflussfaktor und hat mir Mathe beigebracht. Sie fördert mich immer“, sagt er über seine Mutter, die als Ökonomin in Syrien gearbeitet habe. Auch seinem Vater Hanna Ward ist er dankbar. Nach fünf Schulwechsel für die beiden Jugendlichen in den vergangenen Jahren verzichtete dieser auf einen geplanten Umzug nach Berlin, wo er vermutlich bessere Arbeitschancen als Filmemacher und Fotograf hätte, wie sich Najeeb sicher ist.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen