Nachruf : Ein Fischer, der sich gern einmischte

Harald Ross – geboren am 23.  Februar 1940, gestorben am 7.    Juli 2014.
Harald Ross – geboren am 23. Februar 1940, gestorben am 7. Juli 2014.

Zum Tode von Harald Ross, dem Ältermann der Holmer Zunft. Ein Mensch, der seine Popularität nutzte, um auf die Probleme seiner Berufsgenossen aufmerksam. Ein Nachruf von Dirk Jennert.

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11. Juli 2014, 07:45 Uhr

Auf dem Holm war Harald Ross sein ganzes Leben zu Hause. „Hier wüll ick nie wech“, sagte er stets. Der langjährige Ältermann der Fischerzunft liebte diesen Mikrokosmos am Ufer der Schlei. Hier im Kreise seiner Familie fühlte sich der sechsfache Vater wohl, auf dem Holm setzte er sich für die Belange seines Berufsstandes ein, und wenn es seine Zeit erlaubte, fuhr er selbst noch als Rentner gern mit seinem Boot hinaus auf die Schlei, um zu fischen. Das ist nun vorbei. Am vergangenen Montag ist Harald Ross nach langer Krankheit gestorben. Er wurde 74 Jahre alt.

Die Schleswiger werden ihn in Erinnerung behalten. Denn kein Holmer Fischer war öffentlich so präsent wie Harald Ross. In seinem Blaumann und den hohen Gummistiefeln war er der typische Vertreter seiner Zunft. In nahezu jedem Bildband über Schleswig und den Holm gibt es mindestens ein Foto von ihm. Und da er so unterhaltsam erzählen konnte, ist auch das Fernsehen eines Tages auf ihn aufmerksam geworden. Ross nutzte seine Medienpräsenz, um auf die Probleme der Fischer aufmerksam zu machen. Die Kormoranplage, neue Fischereirichtlinien, der Zustand der Schlei – überall mischte er sich fachkundig ein, wenn er das Gefühl hatte, sich einmischen zu müssen.

Mit dem – beim ersten Eindruck – etwas bärbeißigen Harald Ross kam man gut ins Gespräch, wenn man ein paar Regeln beherzigte. Er mochte es direkt, ehrlich und vor allem humorvoll. Sein dröhnendes Lachen brachte manche Feier in Schwung. Dabei nahm er sich gern auf die Schippe. Als er 2007 die Königswürde der Altstädter St. Knudsgilde errang, wählte er für sich den Beinamen „Harald der Fidele“.

Harald Ross war ein Familienmensch. Er hatte das 60. Lebensjahr schon weit hinter sich gelassen, als er ein weiteres Mal Vater wurde. Für seine beiden Zwillingsmädchen Kathrine und Johanna und ihre ältere Schwester Rieke gab er sogar die von ihm kultivierte Macho-Rolle auf. Eines Tages, als am heimischen Küchentisch ein Pressegespräch stattfand, schreckte er plötzlich hoch und sagte: „Ik hev keen Tied mehr“. Anschließend stellte sich der Fischermeister an den Herd und bereitete das Mittagessen für seine aus der Schule kommenden Töchter zu – und zum Journalisten sagte er schelmisch lächelnd: „Wehe, wenn Du jetzt een Bild vun mi maakst.“

Harald Ross wird am morgigen Sonnabend zu Grabe getragen. Die Trauerfeier in der Holmer Kapelle beginnt um 11 Uhr.

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