zur Navigation springen

Statist aus Süderbrarup : Ein Film-Veteran, den keiner kennt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Helmuth Lax war in „Die Mädels vom Immenhof“, „Der Landarzt“ und „Das Traumschiff“ zu sehen – Jetzt beendet er seine Karriere.

von
erstellt am 21.Mai.2017 | 00:14 Uhr

Süderbrarup | Er hat in den vergangenen 60 Jahren in zahllosen Fernseh- und Kinofilmen mitgewirkt und mit vielen bekannten Schauspielern gedreht. Aber er ist noch nie auf einem roten Teppich zu bewundern gewesen und hat auch nie einen Filmpreis gewonnen. Kein Fan kennt seinen Namen, kaum jemand erinnert sich an sein Gesicht. Helmuth Lax war immer Komparse und Statist. Ohne Ambitionen auf die große Karriere. Dem 74-Jährigen aus Süderbrarup reicht es, den Stars nahe zu sein.

Angefangen hatte alles, als der 13-jährige Helmut Lax in den Sommerferien 1957 mit Freunden eine Fahrradtour nach Malente machte. In der Jugendherberge tauchte damals ein Scout auf, der Jungen und Mädchen suchte, die in einem Film mitspielen wollten. Einzige Bedingung: die Jungs durften keine Angst vor Pferden haben und den Mund halten, wenn die Kamera lief. So wurde Helmuth Lax ein kleiner Teil der Filme „Hochzeit auf dem Immenhof“ und „Die Mädels vom Immenhof“. Die Gage bestand aus der Verpflegung, Lax blieb die ganzen Ferien. Noch heute erinnert er sich gern an die familiäre Atmosphäre am Set und vor allem an Heidi Brühl, den Star der Serie: „Eine tolle Frau.“

Schauspieler wollte er dennoch nicht werden. Ein vernünftiger Beruf musste her. So wurde Helmuth Lax Industriekaufmann. Aber die Nähe zu den Stars suchte er dennoch. Dabei kam ihm zugute, dass er ohne Scheu auf die Promis zugehen und sie einfach ansprechen konnte. „Man muss einfach mutig und offen sein“, sagt er. Und vielleicht auch ein wenig dreist. So lernte er während seiner Zeit auf Sylt Rudolf Schock und Gunter Sachs kennen, bekam in der Spielshow „Spiel ohne Grenzen“ von Camillo Felgen einen Job als „Mann für alles“.

Richtig nahe aber kommt man den Stars nur bei Dreharbeiten. Deshalb ließ er sich bei einer Agentur als Komparse (weit weg) und Statist (näher dran) registrieren. 1992 kam ein Anruf: Ob er vielleicht Zeit für Aufnahmen für die ZDF-Serie „Der Landarzt“ habe. Er hatte. Und spielte eine kleine Szene als lungenkranker Pfeifenraucher, der zusammen mit Björn Engholm im Wartezimmer saß. „Das war schon ein dolles Ding“ erinnert sich Helmuth Lax, der bis zum Ende der Serie immer wieder mitspielte. Er kennt sie alle – Wayne (Carpendale), Walter (Plathe), Heinz (Reincke) und Gerd (Olschewski). Auch Sascha Hehn tauchte auf. Aber der war ziemlich distanziert. Lax verteidigt ihn dennoch: „Er musste sich schließlich auf seine Rolle konzentrieren. Und die Komparsen konnten manchmal schon ziemlich penetrant sein.“ Er selbst hatte zu dieser Zeit schon kleine Sprechrollen. Wie er damit umgehen musste, hatte ihm einmal Henry Vahl erklärt: „Wenn du den Text nicht mehr weißt, einfach weitersabbeln.“ Für seine Rollen im Landarzt gab es Tagespauschalen von bis zu 180 Mark. Aber darauf kam es Lax nicht an.

Nach dem Ende der Serie folgten weitere Engagements in „Unter anderen Umständen“ mit Natalia Wörner, „Rubbeldiekatz“ mit Matthias Schweighöfer, „Der Geschmack von Apfelkernen“ mit Meret Becker – bis 2009 die erste Reise mit dem Traumschiff begann. Für die 14 Tage zwischen Mombasa und den Seychellen gab es eine deftige Ermäßigung auf den Reisepreis. Lax drehte (kurz) mit Thomas Gottschalk und schwärmt noch heute von Siegfried Rauch, Jörg Schüttauf und Traumschiff-Erfinder Wolfgang Rademann.

Der Süderbraruper hat alle seine Begegnungen dokumentiert. Es gibt Tausende von Bildern, Autogrammkarten und Zeitungsausschnitten, die er wie einen Schatz hütet.

Höhepunkt seiner Karriere war seine zweite Traumschiff-Tour: Mit der neuen „MS Amadea“ von Kapstadt nach Südamerika. Von vornherein gebucht war Helmuth Lax dafür nicht. „Aber ich hatte herausbekommen, dass während der Schiffsreise gedreht werden sollte und auf gut Glück eine Kabine gebucht.“ An Bord traf er dann Christine Neubauer – und erinnerte sie daran, dass sie einmal zusammen auf Sylt gedreht hatten – und bekam so wieder einmal einen Fuß in die Tür. Wieder stand er vor der Kamera, wieder den Stars ganz nah.

Gegen Ende der Reise kam es zu einem Gespräch mit dem Traum-Schiff-Urgestein Heide Keller, die seit Urzeiten die Rolle der Chef-Stewardess spielt. Die 75-Jährige verriet Helmuth Lax, dass sie ihre Karriere aus Altersgründen beenden wolle. „Da habe ich sie angeschaut und gesagt, dass ich fast genau so alt bin. Und das Zusammentreffen zum Anlass nehme, mich ebenfalls zurückzuziehen. Dann haben wir uns abgeklatscht.“ Eine letzte Reise auf der „MS Amadea“ will er noch unternehmen. Schottland, Island, Grönland. Wirklich nur Schiff? Ohne Stars? „Naja“, sagt Helmut Lax, „ich habe gehört, dass dort eventuell auch gedreht werden könnte.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen