10 Jahre Handicap-Disco : Ein fast normaler Ela-Ela-Abend

Von seinen Fans umringt: DJ-Ötzi-Double Kay Christiansen war der Star des Abends.
Von seinen Fans umringt: DJ-Ötzi-Double Kay Christiansen war der Star des Abends.

Die Handicap-Disco hat mit 400 Besuchern, DJ-Ötzi-Double und bester Stimmung ihren zehnten Geburtstag gefeiert.

shz.de von
14. Mai 2018, 10:56 Uhr

„Gleiches Recht und gleiche Musik für alle!“ So erklärt DJ Sebastian Rohwer seine Playlist für den Disco-Abend am vergangenen Freitag. „Auch wenn sich manche Besucher seit zehn Jahren dasselbe Lied wünschen, unterscheidet sich meine Playlist heute nicht von den anderen Veranstaltungen.“

400 Besucher haben an diesem Abend das zehnjährige Bestehen der monatlichen Handicap-Disco gefeiert. Thore Ovens, der seit 13 Jahren bei den Schleswiger Werkstätten als Betreuer arbeitet, weiß noch, wie alles angefangen hat: „Eigentlich war das ein Schulprojekt der Erzieherfachschule unter der Leitung von Sigrid Kraus.“ In der ersten Zeit waren noch Betreuer aus den verschiedenen Behindertenwerkstätten und Wohneinrichtungen anwesend, die wurden aber kurze Zeit später schon nicht mehr benötigt. Rainer Breitenfeld, Geschäftsführer des Ela-Ela, kann nur zustimmen: „Die einzige Security heute Abend bin ich! Sonst funktioniert das alles hier von alleine.“

Heilerziehungspflegerin Michelle Schmidt lobt die Arbeit des Ela-Ela: „Es ist wirklich schade, dass es nur eine solche Veranstaltung hier im Norden gibt, die so viel für die Inklusion tut. Selbst Scooter- und Rollstuhlfahrer haben hier keine Probleme, und die Preise für die Besucher sind alle erschwinglich.“ Der Eintritt kostet zwei Euro. Softgetränke gibt es für 1,20 Euro. Harter Alkohol wird nicht ausgeschenkt – nur Bier wird angeboten. Auch Peter aus den Kappelner Werkstätten findet, dass es zu wenig von diesen Veranstaltungen in der Umgebung gibt: „Das sollte man viel öfter machen, zwei oder drei Mal im Monat. Wir können gar nicht genug davon bekommen.“ Er ist am Freitag mit den Freundinnen Miriam und Vera da, die sich genauso über die Musik freuten wie er.

Silja und Kevin sind seit fast einem Jahr ein Pärchen. Die beiden haben sich bei der Veranstaltung kennen gelernt. „Ich bin wunschlos glücklich über die Musikauswahl. Wenn sie schlecht wäre, könnte ich auch zu Hause selbst DJ spielen“, sagt Kevin und zeigt ein Bild seiner großen Musikanlage. Dass neben der frischen Liebe zwischen den beiden auch allgemein viel Herzblut in der Handicap-Disco herrscht, merkt man spätestens, als der Stargast des Abends seinen Auftritt hat: DJ-Ötzi-Double Kay Christiansen aus Böxlund. Er steigt auf einen Tritt in der Mitte der Tanzfläche. Die Besucher drängen sich um ihn und singen seine Zeilen euphorisch mit. Christiansen hat keine Berührungsängste, redet und freut sich mit vielen seiner Fans und reicht auch gerne mal das Mikrofon weiter.

Malika Marxen, die in diesem Jahr ihren Abschluss als Heilerziehungspflegerin gemacht hat, ist in ihrer Freizeit mitgekommen: „Ich begleite meine Mutter gerne hierher. Sie macht familienentlastenden Dienst und besucht die Veranstaltung heute mit zwei Mädchen.“

Pia, eines der beiden Mädchen mit Down-Syndrom, gibt gerne Auskunft. „Ich mache mich immer für das Ela schick mit Schminke und feinen Nägeln“, sagte die 20-Jährige und zeigte danach stolz ihre perfekt manikürten Fingernägel. Mimi, die ebenfalls von Marxen begleitet wurde, kann sich zwar nicht in Worten zu der Veranstaltung äußern, aber ihr breites Lachen und ihre strahlenden Augen sprechen Bände.


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