Jugendanstalt Schleswig : Ein etwas anderer Spendenlauf

Freuten sich über die gelungene Aktion: (v.l.) Katja Sehrbrock, Projektleiterin des BBZ für die Werkbereiche innerhalb der Jugendanstalt, Susanne Petersen und Lisa Rother vom Ambulanten Hospizdienst, Sportbeamter Lars Weise und Anstaltsleiterin Anne Damberg.
Freuten sich über die gelungene Aktion: (v.l.) Katja Sehrbrock, Projektleiterin des BBZ für die Werkbereiche innerhalb der Jugendanstalt, Susanne Petersen und Lisa Rother vom Ambulanten Hospizdienst, Sportbeamter Lars Weise und Anstaltsleiterin Anne Damberg.

Insassen der Jugendanstalt zogen gestern zugunsten des Ambulanten Hospizdienstes die Joggingschuhe an.

shz.de von
22. Juni 2018, 07:00 Uhr

Ob das wirklich eine gute Idee ist? Das fragte sich Anne Damberg, Leiterin der Jugendanstalt, als Sportbeamter Lars Weise kürzlich in ihr Büro kam und einen außergewöhnlichen Vorschlag präsentierte. Er wollte die Gefangenen zu einem Spendenlauf innerhalb der Gefängnismauern animieren. Dabei sollten diese nicht nur laufen, sondern auch ihr eigenes Geld für den guten Zweck spenden. Zwar sei er anfangs selbst ein wenig skeptisch gewesen, aber die Resonanz darauf war bei den Jugendlichen überwältigend. „Ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagte Weise, nachdem der Lauf gestern tatsächlich stattgefunden hatte.

Zugunsten des Ambulanten Hospizdienstes Schleswig gingen bei strömendem Regen um Punkt 12 Uhr 30 jugendliche Straftäter an den Start. Hinzu kamen zehn Schüler aus einer Integrationsklasse des BBZ. Sie drehten innerhalb des Gefängnisgeländes Runde um Runde, vier von ihnen hielten eine Stunde lang durch. Sie erhalten nun das Laufabzeichen des Landessportverbandes. „Das war eine super Leistung. Einer der Jungs hat es sogar aus der kalten Hose heraus geschafft. Sonst macht er kaum Sport“, freute sich Weise, der selbst insgesamt zwei Stunden mitlief und am Ende rund 20 Kilometer in den Beinen hatte.

Neben dem erfreulichen sportlichen Ergebnis gab es schließlich auch mit Blick auf die Spendensumme strahlende Gesichter. Einen Scheck über 636,22 Euro konnte Anne Damberg an Lisa Rother und Susanne Petersen vom Hospizdienst überreichen. Geld, das nicht nur die Gefangenen gespendet hatten, sondern auch Mitarbeiter der Jugendanstalt und des BBZ. „Es ist toll, was bei dieser Aktion herausgekommen ist. Es zeigt, dass in den Menschen, die hier bei uns untergebracht sind, auch eine Menge gutes Potenzial steckt“, lobte Damberg. Manche Jugendliche hätten bis zu 30 Euro aus ihrer eigenen Tasche gespendet. Dabei stünden ihnen pro Monat lediglich 100 Euro zur Verfügung. „Aber die Jungs wollten einfach gerne geben.“

Einer der Gefangenen, die ordentlich mitgelaufen waren, bestätigte das. „Viele Leute meinen ja, dass wir alle eh nur Scheiße bauen und kriminell sind. Aber wir können auch was Gutes tun. Und das machen wir auch gerne, wie man gesehen hat“, sagte der 21-Jährige, der bereits zum zweiten Mal in der Schleswiger Jugendanstalt einsitzt. Das schlechte Wetter habe ihn dabei nicht gestört. „Im Gegenteil. Das war richtig cool, im Regen zu laufen. Und tausend Mal besser als in der Zelle zu sitzen.“

Zum Dank gab es für ihn und seine Kollegen nicht nur reichlich warme Worte, sondern auch Grillfleisch und zum Nachtisch eine Extra-Portion Naschis. Die hatte Lisa Rother vom Hospizdienst mitgebracht. „Damit wir wenigstens ein bisschen zurückgeben können.“

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