zur Navigation springen

Auf der Freiheit : Ein Entwurf mit vielen Fragenzeichen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bauausschuss segnet den Rahmenplan für die östliche Freiheit ab – der Bürgermeister betont aber: „Es ist nichts in Stein gemeißelt“.

von
erstellt am 11.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Es hatte schon so ausgesehen, als wäre Volker Schlüschen raus aus der Nummer. Nachdem er als Geschäftsführer von Team Vivendi rund ein Jahrzehnt lang daran gearbeitet hatte, aus der Freiheit einen blühenden Stadtteil zu machen, hatte er in diesem Jahr zwei große Verträge unterzeichnet. Die rund zwölf Hektar nördlich, südlich und östlich der „Heimat“ gingen an einen Verbund aus der Stadt Schleswig und der Gewoba Nord, die acht Hektar zwischen der A.P.-Møller-Schule und der „Heimat“ an das Gießener Unternehmen HP&P.

Gestern beriet der Bauausschuss im Rathaus darüber, was aus diesen Flächen werden soll – und kurz vorher meldete sich plötzlich Schlüschen wieder zu Wort und beklagte sich, nicht in die Planungen eingebunden worden zu sein, obwohl Team Vivendi doch „Eigentümer von Teilflächen, die jetzt überplant werden sollen“, sei und erklärte selbstbewusst: „Solange mit dem Eigentümer kein Einvernehmen erzielt wurde, sind alle Planungen hinfällig.“

Offenbar ist der Grundstücksverkauf zwischen HP&P und Team Vivendi noch nicht endgültig vollzogen. Bürgermeister Arthur Christiansen hatte bereits im Sommer angedeutet, dass die Eigentumsverhältnisse auf dem Gelände nicht abschließend geklärt seien. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich HP&P-Geschäftsführer Helmut Peter ein Hintertürchen offen gelassen hat. Er und Schlüschen waren schon im Sommer 2014 an die Öffentlichkeit getreten und hatten 39 Millionen Euro teure Pläne für eine Seniorenresidenz vorgestellt. Geplanter Fertigstellungstermin: Sommer 2016. Damals aber hatte Peter sich eine Bedingung vorbehalten, nämlich, dass der seinerzeit geplante Sportboot-Binnenhafen verwirklicht wird. Daraus wurde bekanntlich nichts. „Dieses Kapitel ist definitiv abgeschlossen“, sagte Bürgermeister Arthur Christiansen gestern im Bauausschuss.

Was dort auf der Tagesordnung stand, war ein Rahmenplan für die östliche Freiheit. Wie bereits berichtet, ist darin vorgesehen, dass das Schleiufer im gesamten Bereich öffentlich zugänglich bleibt und rund um das zukünftige Theater großzügige Grünflächen entstehen. Nördlich davon sind Wohn- und Geschäftshäuser vorgesehen.

Der Ausschuss stimmte diesem Entwurf, der unter der Federführung des Hamburger Stadtplaners André Poitiers entstanden war, einstimmig zu. Dabei betonte Christiansen: „Es ist nichts in Stein gemeißelt.“ Auf Schlüschens Einwurf ging er nur indirekt ein, als er sagte, dass selbstverständlich noch Gespräche mit den Eigentümern von überplanten Flächen stattfinden würden.

Er betonte noch einmal, dass der Rahmenplan die Voraussetzung dafür ist, dass das Innenministerium den Bebauungsplan für das neue Theater genehmigt. Detailfragen der Ausschuss-Mitglieder – zum Beispiel nach der Zahl der Parkplätze für Anwohner und Theaterbesucher oder nach Spielplätzen – seien „zur richtigen Zeit berechtigt, aber nicht jetzt“.

Insbesondere den Vertretern der CDU-Fraktion war es wichtig, sich Spielräume bei der Ausgestaltung offen zu lassen, während Steffen Hempel (Grüne) sagte: „Es wäre schön, dieses Konzept in Stein zu meißeln.“ Einem Konzept ohne öffentlichen Wanderweg an der Schlei oder mit höhergeschossigen Bauten in Ufernähe würden die Grünen nicht zustimmen. Für die SPD-Fraktion erklärte der Ausschussvorsitzende Stephan Dose: „Wir stimmen dem Rahmenplan sehr gerne zu und verstehen ihn so, dass nicht alles über den Haufen geworfen werden kann, auch wenn er nicht in Stein gemeißelt ist.“

Gewoba-Geschäftsführer Dietmar Jonscher sieht in dem Plan eine gute Grundlage, betonte aber auch, dass der nun folgende Bebauungsplan in den Details ganz anders aussehen könne. „Wir gehen jetzt daran, den Bedarf zu ermitteln, wie viele Wohnungen, Büros und so weiter wir benötigen.“ Dabei wolle man sich die erforderliche Zeit lassen. „Es muss so gut werden, dass die Stadt damit in den nächsten 100 Jahren leben kann.“ Zu einigen Details waren unterdessen schon klare Vorstellungen zu hören. So erklärte der am Rahmenplan beteiligte Kieler Landschaftsarchitekt Jens Benfeldt, angesprochen auf die hohen Kosten für die Heckenpflege am Berender Redder: „So etwas wollten wir von Anfang an vermeiden – auch schon bevor der Steuerzahlerbund das Thema aufgegriffen hat.“ Nach Benfeldts Vorstellungen soll die Grünfläche am Schleiufer eher die Anmutung einer Wiese haben als die eines Parks. Entsprechend würde nur wenig Pflege-Aufwand anfallen. „Da könnten zum Beispiel Schafe weiden“, meinte er. Aber auch das ist nicht in Stein gemeißelt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen