Schleswig : Ein einzigartiger Polizeihund

Immer wachsam: „Jack“ hat sich in Silberstedt prächtig entwickelt. Fotos: Polizeidirektion Flensburg
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Immer wachsam: „Jack“ hat sich in Silberstedt prächtig entwickelt. Fotos: Polizeidirektion Flensburg

Malinois-Rüde „Jack“ wurde vor zwei Jahren ausgesetzt – jetzt macht er Karriere im Staatsdienst.

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06. Dezember 2018, 17:55 Uhr

Schleswig | Eigentlich hat „Jack“ in seinem Leben eine Menge Glück gehabt. Dabei hatte sein ursprünglicher Besitzer nichts Gutes mit ihm im Sinn. Vor fast genau zwei Jahren setzte er den Welpen bei Minustemperaturen auf einem Gewerbegrundstück in Handewitt aus – eingesperrt zwischen Europaletten. Dann aber wurde eine Polizeistreife aufmerksam und wenig später saß der zehn Wochen alte Malinoisrüde im Streifenwagen auf dem Schoß eines Beamten. Seitdem ist „Jack“ Polizeihund. Und wenn alles weiterläuft wie bisher, wird er im kommenden Jahr seine Grundausbildung abschließen.

Der kleine belgische Schäferhund machte gleich großen Eindruck. Das führte dazu, dass der Beamte, der ihn gerettet hatte, es nicht über das Herz brachten, ihn ins Tierheim zu stecken, wie es eigentlich üblich gewesen wäre. Nach Absprache mit der Leitstelle und seiner Familie nahm er ihn mit nach Hause. Dort wurde ihm schnell klar, dass in „Jack“ wie er inzwischen von einer Kollegin getauft worden war, viel mehr steckte als in einem „normalen“ Familienhund.

So gelangte er zu Hauke Messer, dem Leiter der Diensthundestaffel der Polizeidirektion Flensburg. Auch der erkannte gleich das Potenzial: „Jack ist ziemlich frech und hat einen großen Spieltrieb. Das sind ideale Voraussetzungen für eine Ausbildung“ – ein Glücksfall für „Jack“ und auch für Hauke Messer. Dessen Diensthund „Simba“ war damals nämlich schon acht Jahre alt, und es war Zeit, einen Nachfolger heranzuziehen.

In den ersten Monaten lebte „Jack“ in dem Haushalt des Polizisten fast wie ein normaler Haushund. Die Kinder tollten mit ihm herum, während Hauke Messer ihn schon langsam an den Ernst des Lebens heranführte. „Ich habe ihn an Autos gewöhnt, an Menschen, an glatte Böden, raue Böden und Dunkelheit – all das, was er später als Diensthund kennen muss.“

Es folgte die Ausbildung in der Abteilung Diensthundewesen der Landespolizei im in Eutin, die Grundausbildung, wie sie Messer nennt. Hier lernt Jack immer noch für seinen künftigen Beruf als Diensthund. Er soll einmal ein „Einsatzmittel“ der Polizei werden, sein Herrchen schützen. „Er soll helfen, Gewalt ohne Gewalt zu verhindern“, erklärt Hauke Messer, „wenn sich jemand drohend nähert und dann der Hund in Stellung geht, ist meistens schnell Ruhe. Er kann Türen öffnen, aber auch Grenzen aufzeigen.“

Formal ist „Jack“ Eigentum der Landespolizei, erlebt jedoch mit der Familie von Hauke Messer in Silberstedt. Anders als seine Kinder sieht Messer „Jack“ nicht als Freund und Spielkameraden. „Er ist eher mein Partner mit der kalten und sehr feuchten Schnauze“, sagt der Polizist in Anspielung auf eine beliebte Fernsehserie. Die aber habe mit der Realität nicht sehr viel zu tun. „Der Kommissar Rex ist ein dressiertes Tier. Unsere Hunde haben alle ihren eigenen Kopf. Und das ist auch in Ordnung so.“ Und wenn „Jack“ wieder mal nicht ganz so will wie sein Herrchen, erinnert ihn Hauke Messer scherzhaft daran, wo er herkommt. Unter Partnern darf man auch mal so reden.

Bis „Jack“ seine Grundausbildung abgeschlossen hat, läuft er noch im normalen Polizeidienst mit. Einsätze sind für ihn tabu, schließlich ist er noch Auszubildender. Aber wenn alles gut läuft und er die Prüfungen besteht, darf er sich irgendwann im kommenden Jahr Diensthund nennen. Danach, so wünscht es sich Messer, soll „Jack“ einmal in die Fußstapfen von „Simba“ treten, der ausgebildeter Drogenspürhund ist. Wie auch immer die Zukunft verläuft. Hauke Messer weiß, dass sein „Jack“ einzigartig ist. Ein Polizeihund, der als Welpe von der Polizei gerettet wurde – das hat es wohl noch nie gegeben.

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