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Schleswiger Nachrichten

22. August 2017 | 06:22 Uhr

Küsterlehrgang : Ein Diener der Kirche

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Heinz Jochimsen (58) hat sich zum anerkannten Küster ausbilden lassen. Im Notfall kann er jetzt sogar den Pastor im Gottesdienst vertreten.

Nach erfolgreicher Grundausbildung sind 14 weitere Frauen und Männer in der Nordkirche kirchlich anerkannte Küster, ein Titel, den man sich erarbeiten muss. Einer von ihnen ist Heinz Jochimsen. Der 58-Jährige betreut seit September die Marienkirche von Norderbrarup. Vollständig übt er sein Amt aber erst seit dem 10. März aus, weil er fünf Monate durch einen Archilessehnenriss ausfiel.

Jochimsen ist mit einer Vollzeitstelle bei der Kirche angestellt. Nur siebeneinhalb Stunden davon gehören der reinen Küsterarbeit. Den Rest arbeitet er als Friedhofswart und als Hausmeister des Kindergartens in Scheggerott ab. Urlaubsvertretungen als Friedhofswart und als Hausmeister waren es auch, die den gelernten Gärtner an die Arbeit eines Küsters heranführten. Er sei da mehr oder weniger hineingerutscht, sagt Jochimsen.

„Meine eigentliche Aufgabe als Küster ist die Gottesdienstbegleitung“, erklärt er. Die bestünde aus einer Stunde Vorbereitung, in der er den Altar ordne, Kerzen anzünde, Liedertafeln bestücke, Besucher begrüße und Gesangbücher verteile. Die Gottesdienstteilnahme selbst sei für ihn als gläubigen Christen dabei die schönste seiner Pflichten. Und anschließend würde er die Kerzen löschen, die Kirche aufräumen und wieder abschließen. Seine Aufgabe, aber auch sein Wunsch sei es, dass der Pastor seinen Gottesdienst ohne Unterbrechung abhalten kann und alles flüssig abläuft.

Natürlich gehöre nicht nur Gottesdienstvorbereitung zu seinen Aufgaben. „Ein Küster muss den Rundumblick haben“, erklärt er. Er müsse Schäden vermeiden oder beheben lassen. „Und vor allem muss er immer da sein, wenn er gebraucht wird“, so Jochimsen, der überzeugt ist, dass man den Küsterberuf nicht erlernen kann. „Man muss hineinwachsen und dienen“, sagt Jochimsen. Er fühle sich deshalb mit dem alten Begriff „Kirchendiener“ gut charakterisiert. Die Arbeit als Küster verlange viel Intuition und menschliches Feingefühl. „Menschen, die zu Trauergottesdiensten kommen, müssen anders angenommen werden, als Hochzeits- oder Taufgäste“, sagt er. Wenn Menschen auf dem Friedhof Blickkontakt suchten, haben sie ein Anliegen, weiß er, andere dagegen seien in sich gekehrt und wollten in Ruhe gelassen werden.

Den Kirchenlehrgang zum Küster empfand Jochimsen als bereichernd. Er habe sein Wissen über Kirchenangelenheiten wesentlich erweitert. Kenntnisse zum Kirchenjahr und zum Denkmalschutz seien ihm dabei am besten in Erinnerung geblieben. Innerhalb des Lehrgangs mussten die künftigen Küster auch eine Andacht ausarbeiten, um gegebenenfalls den Pastor vertreten zu können.

 

 

Infos zum Küsterlehrgang:

 

„Da der Küsterberuf kein klassischer Ausbildungsberuf ist, werden in den Kirchengemeinden Menschen mit unterschiedlichen beruflichen Qualifikationen als Küsterin oder Küster eingestellt“, sagt Pastor Mathias Benckert vom Dezernat Theologie und Publizistik der evangelisch-lutherischen Kirche in Norddeutschland. Während ihrer ersten Dienstjahre nehmen diese an dem von der Nordkirche angebotenen berufsbegleitenden Grundlehrgang teil. In diesem werden unter anderem Inhalte zum Berufsbild, zum Gottesdienst, zum Kirchbau, zu kirchlichen Strukturen und zum Umgang mit Menschen vermittelt. Den Abschluss bildete ein Kolloquium. Referenten sind praxiserfahrene Mitglieder des Küsterarbeitskreises, des Landeskirchenamtes und des kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt. Weitere Absolventen des Lehrgangs im Kreis Schleswig-Flensburg sind Udo Griese von der Kirchengemeinde Großsolt-Kleinsolt und Kai Jessen von der Kirchengemeinde Steinberg.

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