Schleswig : „Ein beispielgebendes Projekt“

Die 38 Projekt-Teilnehmer mit den Awo-Koordinatoren Niklas Muhlack und Saeed Hmeidan (v.l. am Banner stehend)
Die 38 Projekt-Teilnehmer mit den Awo-Koordinatoren Niklas Muhlack und Saeed Hmeidan (v.l. am Banner stehend)

Die Awo Schleswig-Holstein und die Kreisverwaltung starten die gemeinsame Aktion „Landgewinn“. Politiker fungieren als Mentoren für Migranten.

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23. August 2018, 17:10 Uhr

Schleswig | Schifaa Tamari hat gebacken. Auf dem großen Tisch, an dem sie im Bürgersaal des Kreishauses mit Freundinnen sitzt, steht eine Schale mit Keksen. „Das Dattelgebäck ist sehr lecker, Rezept aus Palästina“, sagt die junge Frau lächelnd und die Sesamtaler, die seien auch gut. „Aus Damaskus.“

Schifaa Tamari ist eine der Teilnehmerinnen am Kooperations-Projekt „Landgewinn“ von Awo und Kreis. Ziel ist es, lokale Politiker und zugewanderte politische Interessierte miteinander in Kontakt zu bringen. Dabei agieren die Politiker als Mentoren der ausländischen Teilnehmer, treffen sich mit ihnen, erklären politische Strukturen in Deutschland und lassen sich bei der Arbeit über die Schulter schauen. Heute wird Schifaa Tamari ihre Mentorin Hanna Hansen, SPD-Abgeordnete im Kreistag, kennen lernen – und darauf freut sie sich. Die Kekse allerdings hat sie nicht allein aus diesem Grund gebacken. „Wir feiern gerade das islamische Opferfest“, erklärt sie. „Daher das Gebäck. So haben alle etwas davon.“


Nachwuchs für Kommunale Parteien

Und das gilt auch für das gesamte Projekt „Landgewinn“: „Von ihm profitieren alle Beteiligten“, erläutert Niklas Muhlack, der gemeinsam mit seinem Kollegen Saeed Hmeidan von der Awo die Abläufe koordiniert. Die Beteiligten aus anderen Ländern, dem Jemen, Syrien, aus Palästina und Afghanistan bekommen Einblicke in deutsche demokratische Strukturen und können sich ein Netzwerk aufbauen, in dem sie die Möglichkeit haben, sich für ihr unmittelbares Lebensumfeld zu engagieren – „mitzugestalten“, wie Muhlack sagt. Den beteiligten Politikern wird im Gegenzug ein realistischer Einblick in den Alltag der Migranten gewährt. „Sie haben hier die Möglichkeit, für ihren politischen Nachwuchs zu sorgen“, sagt der Projektleiter mit einem Augenzwinkern in Richtung Politiker.

Damit hat er Recht, wie sich kurze Zeit später zeigt, als sich die 16 Mentoren und 22 Mentees kurz vorstellen. Haitham Al-Khatib aus Hörup freut sich sichtlich auf die Zusammenarbeit mit der ehemaligen Bürgermeisterin und Kreistagspolitikerin Karin Carstensen (CDU). Die beiden kennen sich und der junge Mann sagt ganz unverblümt: „Ich interessiere mich für eine Mitarbeit in der CDU.“

Auch bei Jonas Kähler (Grüne), Ratsherr in Schleswig, und Mohamed Mardini herrscht von vornherein ein vertrauter Ton. „Moin Moin“, grüßt Mardini in schönstem Norddeutsch und Kähler grinst. „Wir kennen uns vom Fußball“, sagt er.

Wie kamen die Paarungen zustande? Dagmar Kistner vom Fachdienst Regionale Integration und Niklas Muhlack heben hervor, dass es lebendig zugehe, was die Integrationsarbeit im Bereich schleswig-Flensburg betrifft.


Gemeinsame Arbeit bis Ende 2019

So hätten sich sowohl Mentoren verschiedener Parteien, als auch die Mentorees schnell gemeldet und seien von den Projektleitern als „Tandems“ zusammengestellt worden. Nun werden sich diese Mentoren-Teams in den kommenden vier Monaten regelmäßig sehen, daneben auch an begleitenden Seminaren und Netzwerktreffen teilnehmen.

„Sie alle“, lobte der Stellvertretende Landrat Walter Behrens die Zuhörer im Bürgersaal, „zeigen mit ihrer Teilnahme die Bereitschaft und das Interesse, sich der Frage zu stellen, wie Zugewanderte ein Teil der Gemeinschaft werden.“ Damit sei „Landgewinn“ ein „lebendiges und beispielgebendes Projekt“.

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