zur Navigation springen

Twedt : Ein Baum stört den Internet-Empfang im Dorf

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Weil seine Blätter das Internet-Signal in der Nachbarschaft stören, wird ein Baum in Twedt jetzt gefällt.

Ein Baum sorgt für Ärger in der Gemeinde Twedt. Er steht an der Kreuzung, wo die Straße zwischen Twedt und Struxdorf (K  35) auf die Straße trifft, die Tolk und Boholzau miteinander verbindet (K  46), und hat sich über die vergangenen Jahre prächtig entwickelt. Offenbar ist der mehrere Meter hohe Baum in diesem Frühjahr so emsig gewachsen, dass nun bei Ute Florian, ihrer Nachbarin Jutta Niemann und weiteren Anwohnern in Boholzau das Internet hakt. Buschiges Astwerk stört den Richtfunk, der den Hausbewohnern das Surfen im Netz ermöglichen sollte.

Schon seit April ärgern sich die Anwohner in Boholzau über „das mangelhaft funktionierende Internet“. Künstlerin Ute Florian ist bei ihrer Arbeit auf einen Netzanschluss angewiesen und musste über Wochen in das Büro eines Freundes ausweichen. Sie spricht von „zehn Störungen innerhalb einer Stunde, längerem völligen Ausfall von Ton und Bild“ und dementsprechend „blank liegenden Nerven“.

„Das Internet ist stundenlang nicht nutzbar, dann wieder für wenige Minuten vorhanden – aber so langsam, dass es praktisch auch nicht nutzbar ist“, schreibt Florian im April in einer von vielen Beschwerde-Mails an ihren Internet-Anbieter Snellstar, eine GmbH mit Sitz in Kiel, die im Auftrag der 2013 gegründeten Bürgernetzgesellschaft Twedt/Tolk die Anwohner in den beiden Gemeinden mit einer Internetverbindung von 20 MBit/s und Telefonanschlüssen versorgt.

Doch darauf: keine Antwort. Gute drei Wochen später setzt sie erneut ein Schreiben auf, denn mittlerweile fällt das Internet ab dem frühen Abend bis zum nächsten Morgen regelmäßig komplett aus. Vor gut einem Monat kam erstmals eine Antwort der Snellstar GmbH. Man arbeite an dem Problem mit „Hochdruck“ und auf „höchster Ebene“ mit dem Bürgermeister, denn die Ursache der Störung sei bereits ausfindig gemacht worden: Offenbar seien diverse Bäume und Sträucher in die Richtfunkstrecke in Boholzau hineingewachsen.

Twedts Bürgermeister Alexander Schmidt weiß um das Problem, allerdings noch nicht allzu lange, sagt er und verspricht: „Es wird in Kürze behoben.“ Und tatsächlich: Voraussichtlich schon heute soll der grüne Störenfried gefällt werden. „Aber das darf man nicht einfach so. Wir können nicht mit der Säge einfach loslegen, zumal der Baum an einer Stelle steht, die dem Kreis gehört“, sagt Schmidt. Erst musste also unter anderem die Erlaubnis der Naturschutzbehörde vorliegen. Dies ist nun der Fall.

Die von der Störung betroffenen Bürger – nur eine gute Handvoll von den mehreren Hundert in Tolk und Twedt angeschlossenen Haushalten – würden in einer für den Richtfunk „unglücklichen Ecke“ in einem Tal in Boholzau leben, erklärt Axel Andresen aus dem Gesellschafterausschuss der privaten Bürgernetzgesellschaft Twedt/Tolk. Er bestätigt die geplante Fällaktion und hofft, dass dadurch alle Störungen beseitigt werden.

Karlheinz Hagen, einer der beiden Geschäftsführer von Snellstar, ist sich da ganz sicher und betont, dass es bei all den zu beachtenden Richtlinien gar nicht hätte schneller gehen können. Nur das Wetter müsse jetzt noch mitspielen, damit die Aktion heute stattfinden könne. Ob die Anwohner in Boholzau eine rückwirkende Beitragsminderung erhalten, werde noch besprochen. Denn bezahlt haben diese natürlich weiter: 40 Euro pro Monat. Und Ute Florian? Sie kann noch nicht so recht an ein Happy End glauben: „Ich warte erst mal ab, ob die Aktion das Netz wieder in Wallung bringt.“

zur Startseite

von
erstellt am 08.Jul.2017 | 08:39 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen