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Ladenstrasse : Ein Baum mit Wünschen für den Kornmarkt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bürger sollen Ideen für die Umgestaltung des Platzes festhalten. Die Anlieger sind skeptisch.

von
erstellt am 23.Apr.2014 | 07:46 Uhr

Am Kornmarkt soll wieder mehr Leben einziehen. Erst vor kurzem eröffneten zwei neue Geschäfte im östlichen Teil der Ladenstraße. Zwei weitere sollen in Kürze folgen. Wunschlos glücklich macht das die Anlieger aber nicht. Anwohnerin Lena Kirchschläger hat deshalb jetzt eine Magnolie in dem Hochbeet vor dem Eiscafé Lemke eingepflanzt, an deren Äste Einheimische und Touristen ihre auf Papier festgehaltenen Wünsche hängen können. Damit werde das Gewächs zum „Wunschbaum“, an dem viele Verbesserungsvorschläge für den Kornmarkt gesammelt werden sollen.

„Noch ist der Baum zwar klein, aber er soll wachsen. Genau wie unsere Stadt“, sagt Kirchschläger, die Junior-Chefin im Naturmarkt am Schlei-Center. Die Stadtwerke haben den Baum aufgestellt, bewässern sollen ihn die Anlieger des Kornmarkts. Dass dieser Bereich aber wieder wächst, glauben nicht alle. „Es herrscht hier eine Art Hoffnungslosigkeit. Die Geschäftsinhaber haben Angst, vernachlässigt zu werden“, sagt Kirchschläger. Wilhelm-Friedrich Lausen steht sinnbildlich für den Hoffnungsverlust. Der Schlachter schließt sein Geschäft in der Woche meist schon um 15 Uhr, weil „nicht genügend Publikumsverkehr“ vorhanden sei. „Ich weiß nicht, was man hier noch aufstellen soll, um die Leute wieder anzulocken“, resigniert er.

Dabei haben er und andere Anlieger bereits versucht, ihren Kornmarkt aufleben zu lassen. Vor den Geschäften wurden viele Stühle und Tische aufgestellt. Außerdem habe man die Laternen gestrichen, sagt Lausen. Solche Aktionen seien auf Dauer aber zu teuer für die Inhaber, denn die müssten für alle Neuerungen im Straßenbereich selbst zahlen, sagt Bettina Zander. Die Inhaberin der gleichnamigen „Genusswelt“ findet diese Regelung albern und fordert von der Stadt mehr Taten: „Die Stadt müsste selbst etwas tun, damit die Leute wieder zum Kornmarkt kommen“, sagt sie. Vor allem bedürfe es mehr Werbung für den Bereich, denn selbst die Schleswiger wüssten oftmals nicht, was die Gegend alles biete.

Dazu passend hängt jetzt ein Wunsch von Stadtmanagerin Monika Siegel am Baum, der ein Hinweisschild auf dem Capitolplatz verlangt. „Das müsste man aber mit der Verwaltung klären“, sagt sie und bestätigt damit Zanders Bedenken. Gepaart mit den hohen Mieten könne diese Inaktivität der Stadt zu weiteren Leerständen führen. „Die Vermieter müssen umdenken“, sagt Karen Bremer, deren Ehemann das Restaurant „Marvil“ betreibt. Beide Seiten müssten mit den Mietpreisen zurechtkommen, wünscht sie sich.

Einen Wunschzettel ausgefüllt und an den Magnolien-Baum geheftet hat sie aber noch nicht. Wer das tut, ist dazu angehalten einen Euro zu spenden. „Im September wollen wir die besten Ideen umsetzen. Durch die Spenden haben wir dann vielleicht schon einen Teil finanziert“, hofft Kirchschläger, die sich eine Rückkehr von Spielgeräten für Kinder auf dem Kornmarkt wünscht. Auch wenn die meisten Anlieger ihre Initiative unterstützen, glauben nur Wenige an einen Wandel. Bettina Zander bringt es auf den Punkt: „Sobald es an die eigene Brieftasche geht, sind die Meisten sowieso nicht mehr interessiert.“ Wer sich davon nicht abschrecken lässt und trotzdem spenden möchte, kann dies im Restaurant „Marvil“ oder im Wollgeschäft Sievers tun.

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