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Schleswiger Nachrichten

22. Oktober 2017 | 05:33 Uhr

Hollingstedt : Ein Aushängeschild fürs Dorf

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

„De lütte Loden“ bereichert das Dorfleben. Das Konzept der Betreiberinnen als Alternative zum rollenden Kaufmann und Markttreff geht auf.

Das Landleben wird nicht einfacher: Die kleinen Landschulen fusionieren, immer mehr Dorfkrüge stehen leer, und wem Salz und Pfeffer ausgeht, der muss beim Nachbarn fragen oder sich auf eine lange Reise bis zum nächsten Supermarkt machen. Vor der Tür im eigenen Ort gibt es schon längst nicht mehr überall in der ländlichen Region eine Einkaufsmöglichkeit.

Gemeinden und Dörfer versuchen auf unterschiedlichen Wegen diesem Trend entgegenzuwirken. So versorgt Norman Stehr aus Kropp als rollender Kaufmann seit Jahresbeginn Bewohner von 14 Gemeinden aus den Ämtern Kropp-Stapelholm, Haddeby und Südangeln per Lkw mit Lebensmitteln des täglichen Bedarfs. Die Gemeinden investieren Geld in dieses Projekt. Andernorts, beispielsweise in Steinfeld oder Brodersby, wurden Markttreffs eingerichtet. Dieses Konzept wird durch Fördermittel unter anderem aus dem europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes unterstützt.

Weil an den Konzepten für die Markttreffs viele Behörden und Verwaltungen beteiligt sind, hatten Kerstin Braun und Julia Stricker bei der Verwirklichung ihres Traumes von einem eigenen Laden diesen Weg von Anfang an ausgeschlossen. „Es sind zu viele Beteiligte, die mitreden und mitentscheiden wollen“, sagt Braun, die gemeinsam mit Stricker Anfang Oktober vergangenen Jahres in Hollingstedt den „De lütte Loden“ mit angeschlossenem Café eröffnete. Er ist der einzige Laden im Ort, nachdem die letzte verbliebene Bäckerei-Filiale sieben Monate zuvor im Ort geschlossen worden war.

Mittlerweile kommen nicht nur Einheimische, darunter viele Ältere, Alleinstehende, oftmals ohne eigenes Auto, in den Laden im Osterende 1, dem Hauptverkehrsweg Hollingstedts. Auch Durchreisende machen dort Halt. Die Existenz des Geschäfts habe sich in kurzer Zeit bis in die Nachbardörfer herumgesprochen. Hier und dort müsse noch nachjustiert und mehr Werbung gemacht werden, aber das Angebot von frischen Waren aus der Region werde gut angenommen. Der Laden laufe. Das Konzept der beiden Frauen, privat zu bleiben, selbst über ihr Angebot zu entscheiden und dafür eigenes Kapital in die Hand zu nehmen, ist aufgegangen, auch wenn es in baulichen Fragen vereinzelt Gegenwind aus der direkten Nachbarschaft gab, der die Eröffnung des Ladens um mehr als zwei Monate verzögerte. „Hier wurden uns Knüppel zwischen die Beine geworfen. Dies hat uns zusätzlich Zeit, Geld und Nerven gekostet“, sagt Braun, aber letztlich gelte nur eins: „Unser Traum vom eigenen Laden ist Wirklichkeit geworden.“

Das freut nicht nur die beiden Betreiberinnen, sondern auch Bürgermeisterin Petra Bülow. „Wir sind froh, dass diese beiden Frauen diesen unternehmerischen Mut hatten, dieses Geschäft in Hollingstedt aufzubauen. Es ist ein Aushängeschild für unseren Ort geworden, beneidet von vielen umliegenden Gemeinden. Es ist ein Baustein um die Wohn und -Lebensqualität des Dorfes zu steigern“, sagt sie.

Hannelore Wilke, die in Hollingstedt wohnt, bekräftigt dies. „Ich bin froh, dass es ,De lütte Loden’ gibt. Jetzt kann ich einkaufen, wann ich will, bin weder auf Nachbarschaft und Verwandschaft angewiesen, um in den Nachbardörfern einzukaufen. Hier bekomme ich alles, was ich brauche. Dies kann ich zu Fuß oder mit dem Rad erledigen. Und wenn mal etwas nicht da sein sollte, wird es in kürzester Zeit besorgt. Außerdem trifft man immer Freunde und Bekannte zum Schnacken“, sagt Wilke. Sie ist Stammgast des 20 Sitzplätze umfassenden Cafés, das an den Laden angeschlossen und zum Treffpunkt für Jung und Alt in der Gemeinde geworden ist. „Wir sind nach den ersten 100 Tagen mit dem Laden sehr zufrieden“, sagt Stricker.

Sie und ihre Geschäftspartnerin hoffen, dass es weiterhin so gut läuft und dass im Frühjahr auch die vielen Fahrradtouristen und Kanufahrer bei ihnen, dann auch auf der geöffneten Außenterrasse einkehren.







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