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Wikingturm : Eigentümer beschließen umstrittene Brandschutz-Sanierung

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Es wird Millionen kosten. Die mehr als 200 Eigentümer des Wikingturms müssen Brandschutz-Auflagen erfüllen. Sonst lässt das Bauamt das Gebäude stilllegen.

Mehr als 200 Wohnungseigentümer und deren Vertreter waren erschienen, der große Saal im Hotel Ruhekrug war gerammelt voll. Es ging ums Geld. Im seit langem schwelenden Streit um die Brandschutz-Sanierung des Wikingturms könnte der Durchbruch gelungen sein. „Wir haben Beschlüsse gefasst“, erklärte Eigentümerbeirat Lutz Wolter nach dem Ende der nichtöffentlichen Versammlung. Auf einer turbulenten Sitzung im vergangenen Jahr war das Thema zunächst vertagt worden.

Wie die jetzt gefassten Beschlüsse im Detail aussehen, das möchte Wolter zunächst dem Bauamt in der Schleswiger Stadtverwaltung mitteilen. Klar ist aber, dass die Eigentümer des mehr als 40 Jahre alten Hochhauses nun bereit sind, einen bedeutenden Teil der Brandschutzarbeiten vorzunehmen, die das Bauamt seit mehr als zwei Jahren anmahnt. Die Behörde hatte angedroht, den Turm komplett stillzulegen, wenn die Mängel nicht abgestellt werden.

Ursprünglich war von einem Aufwand in Höhe von 2,5 Millionen Euro die Rede. Die tatsächlichen Kosten könnten nun unter zwei Millionen Euro liegen. Voraussetzung ist, dass das Bauamt die Maßnahmen für ausreichend hält, die die Eigentümerversammlung nun beschlossen hat.

Auf jeden einzelnen Wohnungseigentümer könnten Kosten von 10  000 Euro und mehr zukommen, denn die Rücklagen der Eigentümergemeinschaft reichen bei weitem nicht aus, um die Sanierung zu bezahlen. Denn schon in den vergangenen Jahren waren immer wieder große Ausgaben nötig. So musste die Brücke, die den Turm, der in der Schlei steht, mit dem Festland verbindet, mit Millionenaufwand instandgesetzt werden. Die Eigentümergemeinschaft wird nun möglicherweise einen Kredit aufnehmen, um ihren Mitgliedern Ratenzahlung zu ermöglichen. So etwas war bis vor kurzem rechtlich nicht möglich.

Nach einer Brandschutz-Begehung Mitte 2013 monierte das Bauamt eine ganze Reihe von Punkten. Die Stadtverwaltung, die für die Baugenehmigung zuständig ist, hatte dazu die Brandschutz-Experten der Kreisverwaltung hinzugezogen. Einige der Punkte, meint Wolter, der seine Rechtsanwaltskanzlei im zweiten Stock des Turmes hat, hätten eigentlich schon beim Bau des Hochhauses in den 70er Jahren beanstandet werden müssen. Damals wurde die Genehmigung jedoch ohne entsprechende Auflagen erteilt.

So hat der Müllschlucker-Schacht, der sich von unten bis hoch ins 26. Stockwerk zieht, keinen Feuerschutz. Wenn in einer Wohnung ein Brand ausbricht, könnte sich der Rauch durch den Schacht ganz schnell in die höher gelegenen Wohnungen ausbreiten.

Ein weiteres Problem sind die Fluchttreppen. Es gibt nur ein einziges Treppenhaus. Bei einem Neubau dieser Dimension wäre das heute unvorstellbar. Ein zweites Treppenhaus nachzurüsten, ist nahezu undenkbar. Die Brandschützer verlangen deshalb, die bestehende Fluchttreppe besser gegen Feuer zu schützen. Und einer der beiden Fahrstühle – derjenige im rückwärtigen Bereich, der zum Restaurant unter dem Dach führt – soll so nachgerüstet werden, dass er einem Brand bis zu 90 Minuten trotzen kann. Außerdem müssen eventuell sämtliche Wohnungs-Eingangstüren ausgetauscht werden.

Eine Maßnahme, die Wolter für sehr sinnvoll hält, betrifft die Alarm-Vorrichtung. Bisher wird im Brandfall zwar die Feuerwehr sofort alarmiert und ist innerhalb von wenigen Minuten vor Ort. Die Bewohner erfahren aber nichts.

Nach Einschätzung des Eigentümer-Sprechers hat die Attraktivität der Wohnungen im Wikingturm unter der Diskussion um die Brandschutz-Sanierung nicht spürbar gelitten. „Sie werden immer noch viel gekauft.“ In der Anschaffung sind sie vergleichsweise günstig. Wohnungen mit zwei großen Zimmern und weitem Blick über die Schlei sind schon für 60  000 Euro zu haben – allerdings sind die Nebenkosten mit monatlich rund 300 Euro relativ hoch. Allein die Stromkosten für den Fahrstuhl belaufen sich auf jährlich rund 80  000 Euro.

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erstellt am 14.Dez.2015 | 19:22 Uhr

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