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Schleswiger Nachrichten

16. Dezember 2017 | 16:20 Uhr

Neuberend : Eiche legt Soldaten-Grab frei

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Schädeldecke, Oberschenkel- und Wirbelknochen: Ein infolge des Sturms „Christian“ umgestürzter Baum hat die Ruhestätte von 1850 in Neuberend beschädigt. Die gefundenen Gebeine werden nun umgebettet.

shz.de von
erstellt am 12.Feb.2014 | 07:45 Uhr

Mehr als 160 Jahre lang ruhte er im Neuberender Erdreich, nun machten die Folgen von Orkan „Christian“ eine vorläufige Sicherstellung nötig. Die Rede ist von dem dänischen Soldaten Lauritz Christian Jensen Smaagaard, der am 25. Juli 1850 im Schleswig-Holsteinischen Krieg gefallen war und damals im Garten des Bauern Metzger in der heutigen Klosterreihe seine letzte Ruhe gefunden hatte. Diese wurde nun gestört, da infolge des Sturms eine große Eiche umgestürzt war und das seit 2009 unter Denkmalschutz stehende und sorgsam gepflegte Grab zerstört hatte.

Um das Grab wiederherzustellen, rollte gestern um 10 Uhr schweres Gerät auf das Grundstück von Sonja Oehlert an. Denn zunächst musste die große Baumwurzel aus dem Boden gezogen werden. Ebenfalls vor Ort waren Steffen Haucke vom archäologischen Landesamt, die Landschafsarchitektin Susanne Scheel sowie Jørgen Jessen, der vom dänischen Verteidigungsministerium ernannte Beauftragte für das Kriegsgräberwesen in Südschleswig. Sie hatten dafür Sorge zu tragen, die sterblichen Überreste zu sichern. „In diesem sandigen Boden werden wir kaum noch Knochen finden“, mutmaßte Steffen Haucke, ehe der Bagger richtig loslegte.

Doch nachdem die Baumwurzel entfernt war, waren Fragmente der Schädeldecke zu sehen, so dass fortan Spaten und Spitzkelle zum Einsatz kamen. Mit großer Sorgfalt gruben Scheel und Haucke nicht nur Rippen, Schulterblatt, Oberschenkelknochen und einen Wirbel vom Rückgrat aus, sondern auch Kieferfragmente mit Zähnen. Denen bescheinigte Jørgen Jessen einen „guten Zustand, das war bestimmt ein junger Mann“. Scheel bestätigte dies und schätzte sein Alter auf 18 oder 19 Jahre. Der junge Soldat war in Ost-West-Ausrichtung bestattet worden, „wie das bei Christen so ist“. „Anderswo wurde von den Toten geklaut, was diese am Leibe hatten. Hier war das anders“, meinte Jessen. Über Lauritz Jensen Smaagaard sei bekannt, dass er in den Nachmittagsstunden des 25. Juli 1850 beim Vorrücken der Dänen von Idstedt auf die Dannewerk-Stellung auf Höhe des heuti-gen Autohauses Schubert schwer verwundet worden war. Kurze Zeit später war er auf dem Grundstück von Bauern Metzger verstorben, der ihm hatte helfen wollen. Der Bauer begrub ihn in seinen Garten – und an diese letzte Ruhestätte soll er auch wieder zurückkehren.

Vorerst wurde die Grube verfüllt, damit sich das Erdreich setzt. Dann soll die Grabeinfassung neu gesetzt und der überarbeitete Grabstein ein Fundament erhalten. „Sobald die Grabstätte wieder hergerichtet ist, wird der Soldat mit militärischen Ehren zur Ruhe gebettet“, so erklärt Jørgen Jessen. „Und dann werde ich auch wieder eine Eiche pflanzen.“


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