Streit im Schleswiger Bauausschuss : Edeka-Pläne sorgen für dicke Luft

Bürgermeister Arthur Christiansen wirbt eindringlich für ein Ja zum Verbrauchermarkt am Busdorfer Kreisel – und erntet heftige Kritik.

von
25. Januar 2018, 07:00 Uhr

Die Bauausschuss-Sitzung am Dienstagabend war schon fast vorbei, da schritt Bürgermeister Arthur Christiansen ans Rednerpult und verkündete: „Es dauert jetzt etwas länger, und was ich sage, wird nicht jedem gefallen.“ Es gehe um das „Thema Busdorf“, sagte er mit eindringlicher Stimme. Die Ausschuss-Mitglieder wussten, was gemeint war: die Pläne des Busdorfer Edeka-Kaufmanns Hans-Wilhelm Fick, einen neuen großen Supermarkt direkt an der Schleswiger Stadtgrenze zu eröffnen – verkehrsgünstig gelegen auf dem bisherigen Gelände des Baustoffhandels Carl Söhrn. Die SN hatten am Montag über den Stand der Dinge berichtet: Fick steht in den Startlöchern und möchte einen rund 1650 Quadratmeter großen Markt bauen. Es wäre einer der größten Edeka-Läden in der Region.

Der Haken: 2016 hatte die Stadt Schleswig, die so dicht am bestehenden Nahversorgungszentrum im Friedrichsberg eigentlich gar keinen weiteren Supermarkt haben wollte, nach jahrelangem Ringen einem Neubau mit 1200 Quadratmetern zugestimmt.

Für seine größeren Pläne braucht Fick nun noch einmal ein Ja aus der Schleswiger Ratsversammlung. „Wenn Sie darüber beschließen, müssen Sie die Fakten wissen“, rief der Bürgermeister nun. Diese Fakten stellte er dann folgendermaßen dar: Wenn Edeka nicht bauen darf, dann würde sich Baustoffhändler Lutz Schoppmeier-Söhrn mit einem anderen Lebensmittelkonzern einig werden – und zwar mit einem, dem 1200 Quadratmeter genügen. „Und da reden wir nicht nur von Lidl und Rewe, sondern auch von Aldi.“ Wenn aber Aldi auf diesem Gelände einen neuen Markt baue, dann könne man sich leicht ausmalen, was mit dem bestehenden Aldi-Markt im Friedrichsberg geschehe. Außerdem werde der Edeka-Markt Jensen in der Friedrichstraße definitiv bis 2020 schließen, und Fick habe zugesagt, im Falle eines Neubaus alle Jensen-Mitarbeiter zu übernehmen. Christiansens Schlussfolgerung: „Wenn Sie Busdorf nicht beschließen, dann sind Sie mitverantwortlich für ein möglicherweise siechendes Nahversorgungszentrum im Friedrichsberg.“

Diesen Vortrag empfand insbesondere der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Helge Lehmkuhl als Provokation. Es kam zu einem lautstarken Wortwechsel zwischen ihm und dem Bürgermeister. „Ich bin geplättet, ich fühle mich unter Druck gesetzt“, sagte Lehmkuhl. Das Ganze erinnere ihn an Christiansens Aussagen zu Beginn seiner Amtszeit, als es um den Theater-Neubau ging. „Damals hieß es: Wenn ihr den Hesterberg nicht beschließt, gibt es in Schleswig kein Theater mehr. Jetzt heißt es: Wenn ihr Busdorf nicht beschließt, stirbt der Friedrichsberg.“ Etwas sanfter formulierte SSW-Fraktionschef Harry Heide seine Kritik am Bürgermeister: „Die Fakten sind uns schon bekannt, aber wir dürfen uns schon selber darüber Gedanken machen.“

Etwas Zeit für diese Gedanken bleibt noch. Die Ratsversammlung wird erst im April über die Sache abstimmen.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen