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Neuer Stadtteil : Durchhalte-Parolen auf der Freiheit

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Konversionsprojekt auf der Freiheit steht auf der Kippe. Ende vergangenen Jahres stand die Projektgesellschaft Team Vivendi kurz vor der Insolvenz. Jetzt ruhen die Hoffnungen auf dem Bau des Binnenhafens. Eine Bestandsaufnahme.

Es ist ein klarer Februartag. „Tolles Verkaufswetter für die Freiheit“, sagt Susanne Schöning und lacht mit der Sonne um die Wette. Zwar ist das Konversionsprojekt an der Schlei gewaltig ins Stocken geraten, aber die Unternehmerin hat ihren Optimismus nicht verloren. „Das Projekt kann gar nicht scheitern. Die Hälfte steht ja schon.“ Susanne Schöning muss das sagen. Die 59-Jährige hat in das einstige Kasernengelände nicht nur viel Herzblut investiert, sondern vor allem viel Geld.

Doch an Geld mangelt es auf der Freiheit. Ende 2013 stand die Entwicklungsgesellschaft Team Vivendi kurz vor der Insolvenz, wie Geschäftsführer Volker Schlüschen freimütig einräumt. „Wir stehen in dem Ruf, unsere Rechnungen nicht bezahlen zu können“, weiß der 57-Jährige. Tatsächlich sind es die Handwerker auf der Freiheit gewohnt, ein Dreivierteljahr auf ihr Geld zu warten. „Das kann natürlich gefährlich werden für einen Betrieb“, sagt ein betroffener Unternehmer. Doch Schlüschen versichert: „Es gibt zwar noch Verbindlichkeiten, aber wir sind aus dem Gröbsten raus.“ Die Wohnungseigentümer des Strandhauses Nr. 5 haben sich zudem inzwischen zusammengetan und wickeln die Restarbeiten an ihrem Gebäude direkt mit den Handwerkern ab.

Schlüschen hat sich nach eigenen Angaben zwei Millionen Euro frisches Geld besorgt – über eine Zinsanleihe. Das Ziel sind vier Millionen Euro. Doch diese Anleihe hat es in sich. Wer sich von den versprochenen neun Prozent Zinsen pro Jahr anlocken lässt, geht ein hohes Risiko ein. „Das Investment ist hochspekulativ“, erklärt ein ehemaliger Schleswiger Bankvorstand, der das Anleihe-Modell für die SN in Augenschein genommen hat.

Die Projektentwickler haben es versäumt, von Anfang an potente Investoren mit ins Boot zu holen. Stattdessen leben sie von der Hand in den Mund. Der Verkauf der Grundstücke und Wohnungen im vorderen Teil des Kasernenareals ist nicht schnell genug gegangen, um die hohen Fixkosten zu decken. Das geplante „Regatta-Quartier“ an der Schleiterrasse hätte eigentlich längst in Angriff genommen werden sollen. Und der Bau des Ensembles „Alter Fabrikhof“ ist gar auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben worden. Es fehlt schlicht das Kapital, um mit dem Bau des Komplexes beginnen zu können. „Es gab 27 Reservierungen für den Fabrikhof“, sagt Schlüschen. Aber nachdem die Therme vor zwei Jahren gekippt worden sei, hätten mit einer Ausnahme alle Interessierten einen Rückzieher gemacht.

Therme – immer wieder fällt dieser Begriff, wenn die Initiatoren nach Ursachen für den schleppenden Fortschritt auf der Freiheit gefragt werden. Nun ruhen alle Hoffnungen von Team Vivendi auf dem Bau des Binnenhafens. Er soll als neuer Mittelpunkt des 60 Hektar großen Areals die dringend benötigte Magnetkraft entfalten. Noch vier Grundstücke müssten verkauft werden – dann hätte man die erforderlichen 1,4 Millionen Euro zusammen, um möglichst noch im Frühsommer loslegen zu können, erklärt Schlüschen. Und er ist zuversichtlich, bald die nötigen Verträge unterzeichnen zu können. Auf der jüngsten Internationalen Bootsmesse in Düsseldorf habe er erfolgreich für das Wohnprojekt „Boot vor der Haustür“ geworben. „Wir haben an unserem Stand 120 Adressen gesammelt. Daraus werden wir einige Abschlüsse hinbekommen.“ Insgesamt sollen rund um den Binnenhafen 104 Grundstücke bebaut werden. Das Hafenprojekt hat ein Volumen von 21 Millionen Euro. „Damit werden wir auf der Freiheit das erste Mal überhaupt Geld verdienen“, sagt Volker Schlüschen.

Er ist mittlerweile alleinverantwortlich für das operative Geschäft. Susanne Schöning hat sich daraus schon 2010 zurückgezogen. Im vergangenen Jahr stieg dann auch Dr. Jürgen Wernekinck aus der Geschäftsführung aus. Aber keinesfalls im Streit, wie er aus seiner Heimat Rödinghausen (Nordrhein-Westfalen) am Telefon gegenüber den SN versichert. „Ich habe einfach ein gewisses Alter erreicht“, sagt der 70-Jährige. Leider sei der Job wesentlich stressiger gewesen, als er gedacht habe.

„Keiner glaubt an Schleswig, nicht mal die Schleswiger selber“, beklagt Investorin Susanne Schöning fehlende Rückendeckung bei der Gestaltung des neuen Stadtteils mit seiner „gemeinschaftsbildenden Infrastruktur“. Mehr Unterstützung erhofft sie sich nun von Arthur Christiansen. In Kürze soll es ein Treffen zwischen neuem Bürgermeister und Team Vivendi geben. Einige Male musste die Zusammenkunft bereits verschoben werden – Christiansen hat mit dem Theater noch eine dringlichere Baustelle. Anders als viele Lokalpolitiker, die längst den Glauben an die Seriosität des Projektmanagers Schlüschen verloren haben, gibt sich Christiansen weniger pessimistisch. „Ich denke aber, dass wir einen politischen Input geben müssen.“ Dazu gehöre auch, dass die Stadt bald ihren Verpflichtungen nachkomme – mit dem Bau des Wanderweges und eines Spielplatzes.

Susanne Schöning, Chefin des Naturkost-Herstellers „Zwergenwiese“, ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Hat sie es eigentlich bereut, so viel Energie in die Freiheit gesteckt zu haben? „Es gab schon solche Momente“, sagt sie nach kurzem Zögern. Aber dann ist er wieder da, dieser unerschütterliche Optimismus: „Ich glaube immer noch daran, dass dieses Konzept funktioniert.“

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erstellt am 16.Feb.2014 | 07:05 Uhr

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