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Wander-Ausstellung : „Dreiste Geldschneiderei“: Star-Wars-Nepp in Schleswig

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Eine umstrittene Star-Wars-Ausstellung zieht den Zorn der Besucher auf sich. Die Schleswiger Stadtverwaltung betont: „Es gibt keine Qualitätskontrolle bei Vermietung der Königswiesen.“

Schleswig | Die Plakate waren in den vergangenen Wochen kaum zu übersehen. Sie kündigten eine große „Star-Ausstellung“ auf den Königswiesen an. Ein Erlebnis für die ganze Familie rund um die legendäre Star-Wars-Kinosaga. Wer genau hinsah, dem fiel schon auf, dass die Plakate ohne offizielle Logos auskamen und ohne Bilder der echten Star-Wars-Helden wie Yoda, Luke Skywalker oder Obi-Wan Kenobi.

Auch Joachim Thieme-Hachmann, Pastor im St.-Petri-Dom und außerdem Vater von Weltraum-verrückten Kindern, war skeptisch. „Ich hatte zwar etwas unklare Vorahnungen“, sagt er, aber letztlich ließ er sich von seinem Nachwuchs dann doch zu einem Ausflug auf die Königswiesen überreden – und war entsetzt: „Wir wurden zum Opfer der dreistesten Geldschneiderei, an die ich mich erinnern kann.“ Der Eintritt kostete zehn Euro pro Person. Ermäßigungen gab es nicht, ebensowenig eine Familienkarte. Die Hachmanns, die mit zwei Erwachsenen und fünf Kindern gekommen waren, wurden 70 Euro los.

„Im Zelt fanden wir dann eine im Dämmerlicht nur bedingt eindrucksvolle Ausstellung verschiedener Filmfiguren vor“, berichtet der Pastor. „Das Interessanteste war ein Bausatz für ein Laserschwert.“ Er verlangte noch vor Ort einen Teil seines Eintrittsgeldes zurück – vergebens.

Auch andere Besucher wurden regelrecht wütend. Die Ausstellung tourt in diesem Sommer durch die Republik und machte vor Schleswig in Rendsburg Station. Von dort berichtet ein enttäuschter Star-Wars-Fan: „Das war ja wohl ein schlechter Scherz. Die Ausstellungsstücke waren zum großen Teil echt schlecht oder haben mit Star Wars nichts zu tun. Haben Sie schon mal E.T., Alf oder den Terminator bei Star Wars gesehen?“

Der sächsische Veranstalter „UTM Germany GmbH“ wollte sich gestern auf Nachfrage der Schleswiger Nachrichten nicht äußern. Im vergangenen Jahr war er bereits mit einer ähnlichen Ausstellung namens „Space Expo“ unterwegs – und erntete im Internet heftige Kritik. Der Name hat sich seither geändert, das Grundprinzip anscheinend nicht. Thieme-Hachmann beschreibt ausführlich, was er und seine Familie für ihre 70 Euro geboten bekamen: „Der Moderator der Veranstaltung trank Kaffee mit der Mitarbeiterin der Restauration und einem weiteren Besucher. Von dort aus machte er – ohne aufzusehen – seine Ansagen, während sich auf der Bühne ein als Anakin Skywalker verkleideter Mitarbeiter Lichtschwertkämpfe mit einigen wenigen Kindern lieferte.“ Schließlich wurde der „große Endkampf“ angekündigt. Es erschienen zwei Gestalten, behelmt wie Star-Wars-Bösewicht Darth Vader. „Sie schlichen mehr auf die Bühne, von Vorstellung eines Kampfes keine Spur, und setzten dann den Lichtschwertkampf mit den wenigen verbliebenen Kindern auf eine Weise fort, die an Lustlosigkeit und Zaghaftigkeit nicht zu überbieten war“, beschreibt Thieme-Hachmann.

Von den angekündigten Animationen habe nichts stattgefunden. Weder die Schmink- noch die Mal-Ecke waren besetzt. „Bei der Mal-Ecke hatten wir im Sinne der angekündigten Animation mit Malvorlagen mit Star-Wars-Motiven gerechnet; aber nein, es gab weißes Blankopapier, das wir zu Hause reichlich haben.“

Für die Ausstellung hatte die Stadt Schleswig die Königswiesen an den Veranstalter vermietet. Interessenten müssen der Stadtverwaltung zwar schriftlich mitteilen, was für eine Art von Veranstaltung sie planen. „Aber eine Qualitätskontrolle findet bei der Vergabe nicht statt“, erklärte Rathaussprecherin Antje Wendt gestern auf SN-Nachfrage. Dabei sind auf den Königswiesen nur an insgesamt 30 Tagen im Jahr kommerzielle Veranstaltungen, wie es die „Stars-Ausstellung“ war, zugelassen. Für den Zuschlag ist entscheidend, wer sich zuerst bewirbt.

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erstellt am 02.Sep.2014 | 09:30 Uhr

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