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Haiku-Preis für Franz Kratochwil : Drei Zeilen mit tiefem Sinn

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mit einem kurzen Gedicht über gelungene Integration hat der frühere Landestheater-Schauspieler Franz Kratochwil einen Volltreffer gelandet.

von
erstellt am 25.Nov.2015 | 19:12 Uhr

Als Franz Kratochwil (67) irgendwann kurz vor Ostern diese drei Zeilen zu Papier brachte und dann im Internet-Forum haiku.de veröffentlichte, da erntete er kaum Reaktionen. Umso überraschter war der frühere Landestheater-Schauspieler, als er vor wenigen Tagen erfuhr, dass er mit seinem kleinen Gedicht den diesjährigen Wettbewerb des Hamburger Haiku-Verlags gewonnen hat: „In der Volksschule – die schönsten Ostereier zeichnet Mesut“.

Wie beliebt die traditionelle japanische Gedichtform auch in Deutschland inzwischen ist, verdeutlicht die Zahl der Teilnehmer an dem Wettbewerb: Aus 2500 Haikus von 800 Autoren hatte die Jury um Herausgeber Stefan Wolfschütz die Verse von Kratochwil ausgewählt.

„Der Text hat eine unaufdringliche Brisanz, die uns überzeugt hat“, sagte Wolfschütz, als er gestern in den Räumen der Schleswiger Nachrichten den Preis an Kratochwil übergab: eine Urkunde und ein Büchergutschein über 100 Euro. Für den Gewinner ist es ein Ansporn, weiterzumachen mit dem Dichten. Allerdings hätte es dieses Ansporns wohl gar nicht bedurft. „Haikus sind eine Sucht“, sagt Kratochwil. Diese Sucht begann vor fünf Jahren. „Damals bin ich im Internet zufällig darauf gestoßen. Vorher war mir der Name Haiku nur als eine Küchenmesser-Marke ein Begriff.“

Seither hat er rund 200 Kurzgedichte verfasst. An manchen sitzt er über Tage oder gar Wochen. „Es ist ein Ringen um jedes Satzzeichen, um jeden Buchstaben.“ Das Gewinner-Haiku jedoch hat er nach einem spontanen Einfall innerhalb von wenigen Minuten zu Papier gebracht.

Stefan Wolfschütz, ein früherer Pastor, kann lange darüber philosophieren, was alles drinsteckt in den wenigen Worten. Mesut, der talentierte Ostereier-Zeichner, sei nicht irgendein beliebiges Einwandererkind. Der Name bedeute im Türkischen „Der Glückliche“. Schön sei auch, dass Kratochwil nicht von der Grundschule schreibe, sondern etwas altertümlich von der „Volksschule“, was Mesut noch mehr zum Angehörigen unseres Volkes mache. Bei diesem Wort allerdings, gab Kratochwil zu, habe er sich gar nichts gedacht. Er stammt aus Österreich, und dort heißt die Grundschule noch heute Volksschule.

Das Gedicht von Franz Kratochwil ist veröffentlicht im Wochenkalender 2016 des Hamburger Haiku-Verlags (Infos auf www.haiku.de)

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