Theater an der Domschule : Drei Frauen – und jede will Goethe

Bei der Probe in der Aula: Hendrik Mees, Domschul-AG-Leiter Karlheinz Einsle, Rasmus Emersleben, Natalia Tronev, Oona Lufft und Lara Schimmer (v.li.).
Bei der Probe in der Aula: Hendrik Mees, Domschul-AG-Leiter Karlheinz Einsle, Rasmus Emersleben, Natalia Tronev, Oona Lufft und Lara Schimmer (v.li.).

Zwölftklässler bereiten zwei besondere Theaterabende bei Kerzenschein an der Domschule vor.

shz.de von
13. Juni 2018, 17:52 Uhr

Drei Frauen und ein Mann – genug Stoff also für Zank, Neid, Eifersucht und gegenseitiges Niedermachen auf weiblicher Seite. Das war auch zu Goethes Zeiten so, wo in jenen Kreisen Gefühle von Liebe und Enttäuschungen gern zu Literatur verarbeitet oder die schweren Gedanken zumindest in Tagebüchern niedergeschrieben wurden.

Goethe und sein Verhältnis zu den Frauen – das ist nun der Stoff für einen intimen Theaterabend, der anregend und besonders zu werden verspricht. Er ist an der Domschule zu erleben am 15. und 17. Juni (in der Aula oder bei passendem Wetter im Schul-Innenhof unter den Ahornbäumen).

Intim, weil nur etwa 42 Plätze für die Zuschauer zur Verfügung stehen werden in einer von Kerzenschein beleuchteten Szenerie, und auch, weil die Darsteller mit ihrem Publikum kommunizieren und ein bisschen versuchen, es auf ihre jeweilige Seite zu ziehen. Etwa, wenn sie Einblicke in ihre Gefühlswelt geben, denn jede der drei Frauen führt aus, warum sie und nicht die andere für Johann Wolfgang von Goethe die Richtige ist.

Die drei Frauen – das sind Hofdame Charlotte von Stein als vornehm-arrogante Muse und platonische Freundin des Dichterfürsten, dann die betont körperliche, lebensfrohe und pragmatische Christiane Vulpius, seine Ehefrau und Mutter seiner Kinder, und schließlich die unkonventionelle, überdrehte Bettine von Arnim, die seinerzeit den 39 Jahre älteren Goethe schwärmerisch umgab.

Die Charlotte wird dargestellt von Oona Lufft, Ehefrau Christiane von Natalia Tronev, die Bettine von Arnim spielt Lara Schimmer und den Friedrich Schiller, der auch in dem Stück auftaucht, gibt Hendrik Mees.

Die Zwölftklässler spielen ihre Rollen mit vielen Zwischentönen, wie gestern bei der Probe zu sehen war. „Es macht Spaß, sich mal überheblich und arrogant zu zeigen“, lacht Oona Lufft.

In Wirklichkeit aber sind sich die drei Frauen, die jede für sich eine starke Rolle in Goethes Leben spielten, nie begegnet. Nur im Schleswiger Theaterstück. Da treffen sie nun aufeinander – und wie! Dafür hat Karlheinz Einsle gesorgt. Denn der Deutschlehrer und Theater-AG-Leiter an der Domschule hat diese Textcollage aus Wahrheit und Dichtung der Frauengespräche über Goethe konzipiert unter dem Titel „So freundlich er ist, so kalt ist er“. Sein Bühnentext stammt aus historischen und literarischen Vorlagen.

„Die drei Frauen zeichnen in dieser fiktiven Begegnung ein Bild von Goethe aus ihrer eigenen parteilichen Sicht“, sagt Einsle. Und dieses Bild weist zwar menschliche Schwächen von ihm auf als Freund, Geliebter oder Ehemann. Dennoch findet sich in dem Stück keinerlei Solidarität der Frauen untereinander, sie sehen sich als Konkurrentinnen, machen sich gegenseitig nieder – und alles in der gehobenen Sprache jener Zeit. „Es ist irgendwie schön, so zu reden“, meint Natalia Tronev. Selbst vulgäres Schimpfen hört sich da noch ganz gepflegt an.


>Aufführungen am 15. Juni ab 22 Uhr, am 17. Juni ab 20 Uhr. Karten unter: einsle@domschule-sl.de

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