Personalmangel : DPD-Lager in Schleswig: Chaos im Paket-Depot

Berge von Paketenwarten auf ihre Auslieferung. Teilweise lagen sie vor den Toren der Halle – für jedermann einsehbar.
1 von 2
Berge von Paketenwarten auf ihre Auslieferung. Teilweise lagen sie vor den Toren der Halle – für jedermann einsehbar.

Im DPD-Lager auf der Freiheit stapeln sich Tausende Lieferungen. Ein Unternehmenssprecher bestätigt Personalmangel.

shz.de von
22. Mai 2018, 12:01 Uhr

Schleswig | Meterhoch stapeln sich Pakete im „DPD-Zustelldepot 222“ auf der Freiheit. Einige der vielen Tausend Paketsendungen liegen vor den geöffneten Rolltoren der ehemaligen Bundeswehrhallen auf dem Boden – die Daten und Adressen sind für Passanten einsehbar. Ein Diebstahl wäre hier vermutlich unbemerkt möglich. Im Innenraum des Depots herrscht ein großes Durcheinander, das nun mit Hilfe von Mitarbeitern aus dem gesamten Bundesgebiet aufgeräumt wird. Weitere Paket-Lieferungen warten in den rund 20 Containern, sogenannten „Brücken“, die ebenso unbearbeitet auf dem Gelände der Freiheit lagern. Kurz: Im Schleswiger DPD-Depot gibt es offensichtlich ein Problem.

Und davon weiß Uwe Gätje aus Neuberend zu berichten, denn er wartet seit dem 5. Mai auf die Auslieferung seines Paketes, das sich seitdem unbearbeitet im Schleswiger Depot befindet. „Das ist ja unglaublich, wie es hier aussieht“, sagte Gätje, als er das Chaos von Tausenden Paketsendungen auf der Freiheit bei einem Besuch persönlich in Augenschein nahm. „Irgendwo inmitten dieser Paketberge liegt meine Lieferung.“ Auf die Zustellung seiner Mini-Expander-Sportbälle muss der ehrenamtliche Senioren-Sporttrainer noch weiter warten.

Mitarbeiter bitten um Geduld

Auch Grafikdesigner Jörg Ziemert aus Schleswig hatte Ware für sein Unternehmen bestellt, die er dringend benötigt. Diese lagert ebenfalls seit Wochen im Schleswiger DPD-Depot. Nachdem beide Kunden, unabhängig voneinander, mehrfach die Hotline des Unternehmens kontaktiert hatten, suchten sie nun das Gespräch mit den Verantwortlichen vor Ort. Ihr Weg zum Büro führte mitten durch die Paket-Berge.

Die beiden verantwortlichen Mitarbeiter des Depots, die ihren Namen nicht nennen wollten, baten die Kunden um Geduld, schließlich befinde man sich in der Bearbeitung der Versand-Aufträge. Mit dem Einsatz der Mitarbeiter, die das Unternehmen nun bundesweit orderte, will man die Pakete im Schleswiger Depot bearbeiten und diese so schnell wie möglich auf den Weg zu den Kunden bringen. Bis dahin kommen keine neuen Pakete dazu. Auch die zahlreichen Lieferungen, die in den rund 20 „Brücken“ auf dem Außengelände lagern, bleiben deshalb vorerst unberührt.

Uwe Gätje und Jörg Ziemert hoffen, dass die Wartezeit auf ihre Pakete nun bald ein Ende haben wird. Das Chaos im Depot stimmte sie allerdings nachdenklich, denn offenbar trägt das Unternehmen DPD die Missstände auf dem Rücken der wenigen Mitarbeiter aus, die wiederum von Sub-Unternehmen beschäftigt werden.

Beide Kunden wurden nach dem Gespräch gebeten, das Depot zu verlassen. Die Pakete vor dem Gebäude wurden entfernt und danach sämtliche Tore verschlossen.

Dienstleister hörte auf

Pressesprecher Peter Rey bestätigte Nachfrage den derzeitigen Engpass in der Schleswiger Außenstelle. „Das Problem existiert, weil wir zu wenig Personal haben. Nachdem ein Dienstleister von heute auf morgen aufgehört hat, ist es zu Verzögerungen gekommen. Das ist die absolute Ausnahme und hätte nicht vorkommen dürfen“, sagte er. Man habe das Personal inzwischen deutlich aufgestockt. „Die Mitarbeiter tun nun alles, um alles so schnell wie möglich abzubauen. Das ist ein großer Kraftakt. Als Unternehmen entschuldigen wir uns für die Verzögerung“, sagte Rey. Die aktuelle Zahl der Pakete konnte Rey nicht benennen.

Der Tatsache, dass Pakete vor den Toren ungeschützt herumlagen, will der Pressesprecher nun nachgehen. Rey: „Das geht nicht. Die Pakete, die in unserer Obhut sind, müssen geschützt werden. Es geht nicht nur um den Datenschutz, sondern auch um die Sicherheit der Pakete auf dem Betriebsgelände. Da müssen die Mitarbeiter sensibilisiert werden.“ Grundsätzlich sei sein Unternehmen auf der Suche nach Mitarbeitern, führte er weiter aus. „In der gesamten Branche verzeichnen die Unternehmen aktuell einen Arbeitnehmermangel“, sagte Rey.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen