Domkantorei: Beeindruckende Vereinigung von Chor und Orgel

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11. Oktober 2011, 03:59 Uhr

Schleswig | Das weite Kirchenschiff des Schleswiger Domes war nahezu voll besetzt, als die Domkantorei in die bekannten ziegelroten Kutten gekleidet und das immer wieder schöne "Alta Trinita beata" singend, durch den Mittelgang des Domes einzog. Eine ergriffene Hörergemeinde konnte danach dem klaren, kraft- und ausdrucksvollen Gesang der Kantorei lauschen, die unter der engagierten Leitung von Domkantor Rainer Selle eine Folge von A-cappella-Chorwerken überzeugend darbot. Zuvor bildeten den eigentlichen Schwerpunkt des traditionellen Herbstkonzert der Kantorei zwei monumentale Werke, die zu Beginn von der Orgelempore herab erklangen: Die Messe für Chor und Orgel von Antonin Dvorák und das Präludium und Fuge über B-A-C-H von Franz Liszt.

Das große Orgelwerk wie auch den umfangreichen Orgelpart in der Dvorák-Messe spielte lebendig, technisch und musikalisch sicher und unter bester Ausnutzung der neu gewonnenen Klangmöglichkeiten der Domorgel Thomas Cornelius, aus Schleswig stammend und langjähriges Mitglied der Domkantorei, der sich zur Zeit an der Hamburger Musikhochschule auf das Master-Examen vorbereitet.

Der Abend wurde eröffnet durch das schlicht-liturgische Te Deum mit zurückhaltenem Orgelsatz von Franz Liszt, vom Chor weitgehend einstimmig, hymnisch in großen Bögen gesungen. In den hierauf dargebotenen drei Sätzen der Dvorák-Messe vereinigten sich Chor und Orgel zu einer beeindruckenden Wiedergabe dieses vielschichtigen Werkes. Es war erstaunlich, dass die Singstimmen stets deutlich präsent blieben, selbst wo der Organist Dvoráks Anweisungen wörtlich nahm und richtig "forte" spielte.

Manch einer unten im Kirchenschiff mag sich sowohl nach der Messe wie nach dem virtuosen Orgelstück versucht gefühlt haben, kräftig Applaus zu klatschen. Das musste nun freilich noch warten, denn noch wies das Programm (das dankenswerterweise die Texte aller lateinisch gesungenen Stücke samt deutscher Übersetzung brachte) den zweiten Teil dieses Konzerts auf, für den der Chor nun von der Orgelempore ins Kirchenschiff herabkam. Hier gelangen der Kantorei zwei schlichte, äußerst konzentrierte Sätze des aus Estland stammenden Arvo Pärt, sowie die komplexe, in mystischen Farben schimmernde Motette "O magnum mysterium" des Amerikaners Morten Lauridsen. Sperriger wirkte das Werk "Benedictio" des Esten Urmas Sisak, das sich aus kurzen, litaneiartig wiederholten Tonfolgen zu großen Steigerungen aufbaut und das Rhythmus-betont und sehr dynamisch gesungen wurde. Die Kantorei sang außerdem eine klangvolle sechsstimmige Motette von Claudio Monteverdi, einen etwas akademischen vierstimmigen Kanon von Johann Sebastian Bach und das mit großer Wärme gesungene "Verleih uns Frieden" von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die lang dauernde andächtige Stille nach dem letzten Akkord mögen Kantor Selle und seinen Chorsängerinnen und Sängern mindestens so deutlich wie der anschließende lautstarke Applaus gezeigt haben, wie beeindruckt und angerührt die anwesenden Menschen waren von dem Erleben dieser Stunde der Kirchenmusik.

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