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Schleswig : Dom-Sanierung: Treffen der Geldgeber

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kulturstaatsministerin Grütters und Ministerpräsident Albig würdigen die Bedeutung des Schleswiger Doms. Im Spätherbst beginnt die Sanierung.

Der Brüggemann-Altar hatte es Monika Grütters angetan. „Wahnsinn“, entfuhr es der Kulturstaatsministerin beim Blick auf das filigrane Holzschnitzwerk, das vor 500 Jahren entstand und zu den Highlights im Schleswiger St.-Petri-Dom zählt. Grütters genießt das Privileg, ständig mit solchen Kulturschätzen zu tun zu haben. Dabei geht es in ihrem Job aber nicht nur darum, diese zu bestaunen, sondern sie auch zu erhalten. Und genau deshalb war die CDU-Politikerin gestern aus Berlin nach Schleswig gereist. Denn das mächtige Gotteshaus an der Schlei muss saniert werden, und der Bund hat beschlossen, sich zur Hälfte an den veranschlagten Kosten von 17,3 Millionen Euro zu beteiligen.

Nun steht dieser Beschluss zwar schon seit Ende 2015 fest, aber Grütters wollte sich unbedingt selbst mal ein Bild von dem „einzigartigen Meisterwerk der mittelalterlichen Baukunst“ machen, wie sie den Dom ehrfürchtig nannte. Und so hatte die Nordkirche kurzerhand zu einer kleinen Feierstunde in den Hohen Chor des Doms geladen, an der auch Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und seine Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) teilnahmen. Immerhin stellt das Land 4,1 Millionen Euro zur Verfügung – genauso viel wie die Nordkirche selbst. Die Stadt Schleswig hat 450  000 Euro für die Sanierung zugesagt.

Es konzentriere sich immer alles auf das kulturelle Zentrum in der Mitte Deutschlands, in Thüringen und Sachsen, erklärte Grütters. „Der Norden gerät da schnell aus dem Blick. Deshalb bin ich jetzt hergekommen“, sagte die Staatsministerin. Am Vormittag hatte sie sich in Schleswig bereits über den „Masterplan“ für Schloss Gottorf informiert. An der Umgestaltung der dortigen Landesmuseen, die mehr als 30 Millionen Euro verschlingen wird, wird sich der Bund ebenfalls zur Hälfte beteiligen. Grütters spricht von einem „Netz geistiger Tankstellen“, das es zu erhalten gelte. Dass in einzelne solcher Tankstellen auf einen Schlag so viel Geld fließt wie nach Schleswig, sei dabei eher ungewöhnlich.

Die Begünstigten freut das natürlich. Ein „wunderbarer Tag“ sei das, meinte Bischof Gothart Magaard. „Mit großen Schritten können wir auf die Sanierung des St.-Petri-Doms zugehen, weil der Bund, das Land und die Stadt dieses Projekt Projekt großzügig unterstützen. Dafür bin ich außerordentlich dankbar.“

Ministerpräsident Albig wies darauf hin, dass es Schätze wie St. Petri zu bewahren gelte. „Nur wenige Orte verkörpern so die Seele unseres Landes wie dieser Dom.“ Man könne fast meinen, Schleswig sei wieder dabei, herzogliche Residenz zu werden, sagte Albig mit einem Augenzwinkern angesichts der großen Summen, die in die kulturelle Infrastruktur der Schleistadt fließen. Denn neben Dom und Schloss wird das Land auch den geplanten Bau eines Theatersaals bezuschussen – mit immerhin 2,5 Millionen Euro.

„Uns hängt der Dom am Herzen, wie uns die Schlei am Herzen liegt“, sagte Bürgermeister Arthur Christiansen. Und deshalb habe sich die Ratsversammlung einstimmig entschieden, sich trotz klammer Kassen an der Sanierung der Kirche zu beteiligen, deren Anfänge zurück ins 12. Jahrhundert reichen und die am Ende des 19. Jahrhunderts in preußischer Zeit um den 112 Meter hohen Turm erweitert wurde.

Monika Grütters machte deutlich, dass Geschichte und Gestalt des Baudenkmals über Jahrhunderte durch die Entwicklungen in Europa geprägt worden seien. „In jedem Stein, in jeder Fuge ist hier europäische Geschichte präsent“, sagte sie.

Aber genau diese Steine und Fugen der Westfassade und des Turmes sind es, die den Verantwortlichen Kopfzerbrechen bereiten. Denn es dringt Regenwasser durch das Mauerwerk ein, und die feuchte Luft sorgt inzwischen sogar dafür, dass sich am anderen Ende des Doms auf dem Brüggemann-Altar Schimmel bildet. Ursache sind Fehler bei der Sanierung des in 1950er Jahren sanierten Turmes. Damals, so die heutige Erkenntnis, verwendete man nicht frostfreie Ziegel sowie einen zu harten Mörtel – eine unheilvolle Mischung.

Nun soll die Westfassade umfassend instandgesetzt und im oberen Bereich sogar vollständig erneuert werden. Die vier mächtigen Turmpfeiler werden mit Kupferblech verkleidet, um sie künftig vor Schlagregen zu schützen. Zudem müssen im Hauptschiff die riesigen Fenster saniert werden, deren Verankerungen teilweise verrostet sind.

Im Spätherbst solle für jedermann sichtbar mit den Arbeiten begonnen werden, kündigte Bischof Magaard an. 2021, zum 500-jährigen Jubiläum der Fertigstellung des Brüggemann-Altars, solle die Dom-Sanierung abgeschlossen sein.

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erstellt am 05.Apr.2017 | 07:36 Uhr

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