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Wahrzeichen : Dom in Schleswig: 8,6 Millionen aus Berlin für Sanierung

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Haushaltsausschuss des Bundestages sagt Mittel für Sanierung des Turmes zu. Die Hälfte der Gesamtkosten ist damit gesichert.

shz.de von
erstellt am 13.Nov.2015 | 15:14 Uhr

Schleswig | Die Enttäuschung war groß in Schleswig, als man im September die Nachricht bekam, dass der Bund keine Gelder für die Sanierung des maroden Domturms locker machen würde. Der Antrag, den Stadt und Landeskirche zuvor gemeinsam beim Innenministerium eingereicht hatten, um an einem Städtebauförderprogramm teilzunehmen, wurde abgelehnt. Gestern nun die Kehrtwende: Es gibt doch Geld aus Berlin. Und zwar nicht zu knapp. Rund 8,65 Millionen Euro wird der Bund für die Sanierung des 112 Meter hohen Wahrzeichens der Stadt beisteuern. Das hat der Haushaltsausschuss des Bundestages auf seiner sogenannten Bereinigungssitzung beschlossen.

Bischof Gothart Magaard reagierte entsprechend „mit großer Freude“ auf die finanzielle Unterstützung. Insbesondere bedankte er sich bei den schleswig-holsteinischen Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn, Matthias Ilgen (beide SPD) sowie von der CDU Johann Wadephul und Sabine Sütterlin-Waack (Lürschau), die sich im Haushaltsausschuss für den Domturm stark gemacht hätten. Gleiches gelte für den Hamburger SPD-Abgeordneten Johannes Kahrs. „Das ist ein großartiges Signal aus Berlin. Ich danke allen, die sich dafür einsetzen, die Sanierung des Turmes in den kommenden Jahren möglich zu machen“, richtete Magaard bereits den Blick in die Zukunft.

Denn mit den Millionen aus Berlin ist bislang nur rund die Hälfte der voraussichtlichen Sanierungskosten von 17,3 Millionen Euro gedeckt (13,3 Millionen Euro sind für die Sicherung und Erneuerung der Westfassade des Turmes geplant, für die in der Folge notwendige Sanierung des Innenraumes wird ein weiterer Bedarf von vier Millionen Euro geschätzt). Wie die andere Hälfte finanziert wird, das muss nun in den kommenden Wochen erörtert werden. Magaard: „Mit der Zusage des Bundes sind wir einen großen Schritt weiter, doch es wird die Anstrengung Vieler brauchen, um dieses Wahrzeichen der Region zu erhalten. Es ist gut, dass wir Stadt und Land hier an unserer Seite wissen. Zugleich freuen wir uns auf das Engagement all jener Menschen, die mit dem St. Petri-Dom persönlich verbunden sind.“

Auch in Kiel sind gestern die Neuigkeiten aus Berlin positiv aufgenommen worden. Auch weil weitere Projekte im Land mit Zuschüssen bedacht werden. Bis 2020 hat der Bund weitere 9,35 Millionen Euro für die Sanierung der 18 Kirchen auf Eiderstedt sowie 600  000 Euro für das geplante „Haus der Minderheiten“ in Flensburg bewilligt. „Die Sanierung der Kirchen in der Kulturlandschaft Eiderstedt und des Schleswiger Doms ist nicht nur aus historischer Sicht von großer Bedeutung, sondern stärkt auch die touristische Attraktivität Schleswig-Holsteins“, sagte Ministerpräsident Torsten Albig. Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) betonte: „Ich freue mich sehr über diese finanzielle Unterstützung aus Berlin. Damit ist für die notwendige Sanierung des Schleswiger Doms ein großer Schritt getan. Wir werden nun mit der Nordkirche gemeinsam erörtern, wie wir die restliche Finanzierung realisieren.“

Bürgermeister Arthur Christiansen freute sich ebenfalls über eine „wirklich gute Nachrichten für Schleswig“. Er habe nicht damit gerechnet, dass es so viel Geld vom Bund für den Domturm geben würde. „Einfach klasse! Jetzt müssen wir schauen, wie wir als Stadt dabei helfen können, dass das gesamte Projekt auf die Beine gestellt wird.“ Eine Riesensumme könne man gewiss nicht zur Verfügung stellen. „Aber im Rahmen unserer Möglichkeiten werden wir uns sicherlich beteiligen“, fügte Christiansen an.

Schon seit Jahren krankt der 120 Jahre alte Domturm an zu viel Feuchtigkeit im Mauerwerk. Zum Schutz vor herabfallenden Steinen steht deshalb bereits seit 2011 ein Gerüst vor dem Hauptportal. Seitdem haben zahlreiche Experten das Mauerwerk eingehend untersucht. Das Hauptproblem liegt offenbar in der Verblendschale des Turmes, die in den 50er Jahren um dessen Kern gelegt wurde. Damals hatte man anscheinend Ziegel und Mörtel verwendet, die ein unterschiedliches Quellverhalten bei Feuchtigkeit aufweisen. Insbesondere der Mörtel breitet sich bei Nässe so stark aus, dass die Ziegel in der Folge zum Teil aufplatzen.

Das endgültige Gutachten soll nun am 1. Dezember (ab 19 Uhr) im St.-Petri-Dom von Vertretern des Baudezernats der Landeskirche, des Gebäudemanagements Schleswig-Holstein (GMSH) und der evangelischen Kirchengemeinde Schleswig öffentlich vorgestellt werden. Dabei sollen Ursachen, Schäden und die erforderlichen Maßnahmen zur Sanierung detailliert beschrieben werden.

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