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Ehemaliges Bundeswehr-Gebäude : Doch keine Flüchtlinge nach Idstedt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Kreis verzichtet auf die Unterbringung minderjähriger Flüchtlinge. In Eggebek entsteht hingegen eine Landesunterkunft.

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erstellt am 22.Jan.2016 | 07:53 Uhr

Idstedt | Die Emotionen schlugen zunächst hoch in Idstedt, als Landrat Wolfgang Buschmann Ende vergangenen Jahres verkündete, der Kreis werde das ehemalige Verwaltungsgebäude der Bundeswehr am Funkturm für die Unterbringung von minderjährigen unbegleiteten Asylbewerbern nutzen. In der Gemeindevertretung und einer Einwohnerversammlung äußerten Bürger Bedenken und Ängste – letztlich aber fanden sich die meisten mit der Situation ab und bekundeten, das Beste daraus machen zu wollen.

32 junge Flüchtlinge sollten eigentlich ab Januar in Idstedt-Osterfeld untergebracht werden. Doch nun besteht kein Bedarf mehr.

Gestern nun verkündete der Landrat in seinem Verwaltungsbericht vor dem Hauptausschuss die Kehrtwende: Es werden in Idstedt keine minderjährigen Asylbewerber untergebracht. „Es besteht kein aktueller Bedarf mehr“, erläuterte Buschmann. Deshalb habe man die Vertragsverhandlungen mit dem Roten Kreuz ausgesetzt, über den auf zwei Jahre angelegten Mietvertrag für das Gebäude und das dazugehörige Grundstück müsse man mit dem Eigentümer reden, sagte der Landrat.

Hintergrund dieser Entwicklung sind erneute Veränderungen, die mit den Planungen in Eggebek zusammenhängen. Im Mai vergangenen Jahres wurde damit begonnen, ein Erstaufnahme-Provisorium für 500 Flüchtlinge zu planen. Das Containerdorf, so der Plan, sollte spätestens Ende 2017 ausgedient haben, wenn eine feste Einrichtung auf dem Flensburger Campus bezugsbereit sein sollte. Doch seitdem hat sich viel verändert: Das Flensburger Projekt scheiterte, die Zahl der Flüchtlinge wurde auf 1000 heraufgeschraubt und der Eröffnungstermin immer wieder herausgeschoben. Bis heute funktioniert dort die Telefonanlage nicht.

Und inzwischen steht auch so gut wie fest, dass in Eggebek keine Erstaufnahme, sondern eine sogenannte Landesunterkunft entstehen wird. Das bedeutet, dass dort Menschen untergebracht werden, die bereits ihre Erstaufnahme durchlaufen haben und dort registriert wurden. In Eggebek findet, anders als bisher vorgesehen, kein Asylverfahren statt – die Flüchtlinge wohnen dort lediglich, bis sie auf die Ämter und Gemeinden weiterverteilt werden.

Als Buschmann die Unterkunft in Idstedt ins Auge fasste, musste er noch von anderen Voraussetzungen ausgehen: Eggebek war als Erstaufnahme vorgesehen, in der die Flüchtlinge registriert werden sollten. Dabei werden zwangsläufig auch die Minderjährigen identifiziert, die allein unterwegs sind – und sofort im jeweiligen Kreis in Obhut genommen. Mit dem künftigen Status als Landesunterkunft werden voraussichtlich keine alleinreisenden Jugendlichen mehr kommen – sie werden bereits in den Erstaufnahmen Rendsburg, Neumünster und Glückstadt aussortiert. „Deshalb besteht kein Bedarf für das Haus in Idstedt“, argumentiert Buschmann.

„Für die Eggebeker Bürger ändert sich gar nichts, es handelt sich lediglich um interne Verwaltungs-Modifikationen innerhalb der Einrichtung“, erklärte Magdalena Drywa, die Sprecherin des Landsamtes für Ausländerangelegenheiten. Sie wies zudem darauf hin, dass Innenminister Stefan Studt am Montag offiziell über Details der Veränderungen informieren werde. Dass er sich dann auch über die Laufzeit des Eggebeker Containerdorfes äußert, steht nicht zu erwarten. Die offizielle Version lautet immer noch, dass Eggebek überflüssig wird, sobald eine Erstaufnahme in Flensburg fertig ist – noch aber gibt es nicht einmal ein passendes Grundstück.

Eggebeks Bürgermeister Willy Toft nimmt die ständigen Planänderungen inzwischen gelassen hin. „Es kommt, wie es kommt“, sagte er am Donnerstag. Dass das Land angesichts der aktuell niedrigen Flüchtlingszahlen auf die Einrichtung in Eggebek verzichtet, kann sich der Bürgermeister nicht vorstellen. Er glaubt vielmehr, dass das Containerdorf in seiner Gemeinde noch lange Bestand haben wird: „Das können die sich gar nicht leisten – dafür ist hier viel zu viel investiert worden.“

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