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Obdachlosenunterkünfte in Schleswig : Diskussion um Mindeststandard: „Duschen für Obdachlose sind kein Luxus“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Sozialausschuss möchte die Hygiene-Standards in den Notunterkünften am Ansgarweg anheben.

von
erstellt am 17.Jun.2017 | 14:49 Uhr

Schleswig | Die Notunterkünfte am Ansgarweg: Was soll damit passieren? Soll die Stadt den Obdachlosen dort Duschen und Waschmaschinen zur Verfügung stellen – oder wäre das schon ein Zuviel an Komfort für die als Übergangslösung vorgesehenen Behausungen? Und wie viel Geld will Schleswig überhaupt in die Hand nehmen, um den Hygiene-Standard im Obdachlosenheim ein wenig anzuheben?

Um diese Fragen kreiste erneut die Diskussion im Sozialausschuss unter Leitung von Marion Callsen-Mumm (SPD) am Donnerstag. Eine Diskussion, die Qualität in sich barg, auch deshalb, weil alle Ausschussmitglieder fraktionsübergreifend das Für und Wider unterschiedlicher Lösungsansätze mehr miteinander als gegeneinander ins Feld führten. Dabei wurden nicht, wie nach Gutmenschen-Art, die Probleme ausgespart, die manch hartnäckiger Obdachloser seinen Helfern bereiten kann. Stichwort Vandalismus oder Drogen- und Alkoholsucht. Klar war am Ende die Erkenntnis: Nur einfach Duschkabinen hinzustellen – das reicht nicht, das funktioniert nicht im Alltag.

„Wir brauchen, wenn wir Waschanlagen installieren, zusätzlich eine sozialpädagogische Betreuung für die Bewohner der Notunterkünfte, wofür dann der Kreis laut Sozialgesetzbuch zuständig ist“, erklärte Helge Lehmkuhl von der CDU. Horst Zingler (SPD) stimmte dem zu und schlug vor, jetzt den Kreis und die Kreistagsfraktionen mit ins Boot zu holen. Als Helfer vor Ort agieren in bestimmten Abständen bereits die Mitarbeiter des Diakonischen Werks.

„Duschen sind kein Luxus“, sagte Marion Callsen-Mumm. Aus ihrer Sicht sollten diese in heutiger Zeit ebenso wie Waschmaschinen zum Mindeststandard auch in einer Notunterkunft gehören. „Selbst wenn die Stadt den gesetzlichen Vorgaben in den Häusern am Ansgarweg nachkommt, so sollten die Bewohner unter menschenwürdigeren Bedingungen leben“, sagte sie.

Aber wie das in der Praxis geregelt werden kann, ob es feste Duschzeiten mit einem Kontrollsystem geben sollte, wie man Duschkabinen und Waschmaschine außerhalb von Benutzungszeiten verschließen kann, welches Benutzer- und Bezahlsystem dafür geeignet wäre – das sind Überlegungen, die mit einflossen in die Aussprache. Auch die Frage, ob die Stadt für diesen Zweck ausgesonderte Duschcontainer vom Land einsetzen könnte oder ob man doch lieber eine feste Sanitäranlage „nach JVA-Muster“ in eines der Notunterkünfte installierte, ist noch offen.

Ende März hatte der Sozialausschuss auf der Grundlage eines SPD-Antrages die Stadtverwaltung gebeten, beim Land nach ausgemusterten Duschcontainern nachzufragen sowie eine Kostenaufstellung für das Aufstellen einer Waschmaschine anzufertigen. Das hat die Stadtverwaltung gemacht, und der Fachbereich Bau kommt zu dem Ergebnis, dass sich die geschätzten Installationskosten auf 29.000 Euro pro Jahr belaufen würden (darin enthalten sind etwa Betonarbeiten für ein Fundament, auf dem der Container stehen soll, dann Elektroleitungen und Anschlüsse). An weiteren Folgekosten (Reinigung, Instandhaltung und Verbrauch) ermittelt die Stadt 23.800 Euro pro Jahr. Allerdings könne die Aufsicht über die Sanitäranlagen nicht von Mitarbeitern der Stadtverwaltung geleistet werden, heißt es in der Vorlage. Das warf die Frage auf, ob Waschmaschinen für etwa 22 Bewohner der Notunterkünfte in den Räumen der Awo untergebracht werden könnten, was die Kosten reduzieren würde. „Tatsächlich könnten wir das machen, wir würden dabei auch die Beaufsichtigung der Geräte übernehmen“, sagte Ausschussmitglied Maren Korban (SPD), gleichzeitig Geschäftsführerin der Awo-Einrichtung.

Jetzt will man drei Dinge anpeilen: Obdachlose aus dem Ansgarweg werden befragt, die Verwaltung prüft den Einbau einer Dusche dort, und für die sozialpädagogische Betreuung werden die zuständigen Kreisbehörden eingeschaltet.

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