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Schleswiger Nachrichten

11. Dezember 2017 | 20:26 Uhr

Sönke Lettau : Dieser Mann hat 300 Pilze im Kopf

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mit Sönke Lettau auf der Suche nach Stockschwämmchen, Röhrlingen und Kahlen Kremplingen. „Es liegt zu wenig Totholz im Tiergarten“, beklagt er.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2014 | 17:04 Uhr

Die Wälder sind derzeit voller Leichen – keine menschlichen aus Fleisch und Blut, sondern schwarz verfärbte Pilze. „Die Saison geht ihrem Ende entgegen“, erklärt Sönke Lettau. Schon als kleiner Junge begleitete der 48-Jährige seinen Großvater bei der Pilzsuche – und lebt diese Leidenschaft auch vier Jahrzehnte später noch aus, wenn es seine Zeit zulässt.

Nicht immer ist er dabei alleine unterwegs. „Das Interesse an Pilzsammlungen ist riesengroß“ – und auf seinen Lehrwanderungen in Schleswig, Rendsburg und Kiel begleiten ihn gerne mal bis zu 20 Laien, um die heimische Pilzwelt näher kennen zu lernen. Und diese ist sehr vielfältig: rund 4500 verschiedene Pilzsorten gibt es – an die 300 kennt Lettau aus dem Kopf, „so genau kann ich das aber gar nicht sagen“. Angesichts derart vieler Sorten sei die Pilzkunde keine leichte, und es komme immer wieder vor, dass Menschen aus Versehen giftige Pilze essen. „Auch in diesem Jahr hat es wieder Tote gegeben“, bedauert er.

Vor diesem Hintergrund lautet sein wichtigster Hinweis: „Bevor man Speisepilzsammler wird, sollte man die Giftpilze kennen.“ Sei man einmal unsicher, ob ein Pilz giftig ist oder nicht, „lässt man ihn im Zweifelsfall stehen oder dreht ihn raus und sammelt ihn separat, so dass man ihn zu Hause analysieren kann“. Denn um ganz sicher zu gehen, müsse man die Merkmale jedes einzelnen Pilzes genau kennen – allgemeine Merkmale, um giftige und ungiftige Pilze voneinander zu unterscheiden, gebe es nicht. Einige Merkmale seien allerdings auch subjektiv. Für ihn rieche der – im rohen Zustand giftige – Gelbe Knollenblätterpilz nach Kartoffelkeller, „aber den Geruch kennen viele ja gar nicht mehr“.

Bei einigen Pilzen verrät sich das Gift schnell: So etwa beim Gallenröhrling mit seinen rosa Sporen, der gerne mal mit dem Steinpilz verwechselt wird. „Ein Biss – und danach schmeißt man die Pilzpfanne sofort weg“, meint Sönke Lettau – aber das sei ja auch nicht Sinn der Sache. Gerade unter den Röhrlingen – daneben gibt es noch Lamellenpilze, Leistlinge, Porlinge und Stachelpilze – gebe es aber wenige giftige Vertreter.

Doch welche Pilze befinden sich im Tiergarten hinter der Schlossinsel? Röhrlinge sind wenig vertreten, dabei war es angesichts des warmen Sommers mit anschließendem Regen im August ein gutes Pilzjahr. Doch was Sönke Lettau im Tiergarten auffällt: „Hier ist ein sehr aufgeräumter Wald. Warum lässt man alte Stämme nicht liegen?“ Totholz sei für viele Pilze wie den Stockschwämmchen ebenso wichtig wie Feuchtigkeit. Ein weiterer Punkt, der problematisch sei: Entlang der Flensburger Straße sei der Boden mit Bewuchs bedeckt, den er auf Gartenabfälle zurückführt: „Hier können kaum Pilze wachsen.“

Einige finden sich aber doch, darunter der Kahle Krempling mit braunem Hut. „Der wurde lange Zeit bedenkenlos gegessen, ist mittlerweile aber auf der Giftliste. Wer Probleme mit Allergien hat, sollte den Pilz nicht essen“, erläutert der Experte. Das Gift reichere sich mit jeder Mahlzeit im Körper an und könne irgendwann zu einem allergischen Schock führen. Um bei der Giftigkeit immer auf dem neuesten Stand zu sein, solle man sich regelmäßig aktuelle Bücher zur Pilzbestimmung kaufen.

Doch auch schmackhafte Pilze kann man im Tiergarten finden. Darunter fällt der Violette Lacktrichterling, der mit seiner kräftigen lila Färbung ins Auge fällt. „Der Stiel ist etwas hölzern, daher würde ich nur das Hütchen nehmen“, meint Sönke Lettau. Auch der kleine Knopfstielige Rübling ist zu finden und auch genießbar. Allerdings: „Davon muss ich sehr viel sammeln, das lohnt sich für Speisepilzsammler nicht.“ Es sei denn, man möchte nicht von einer Pilzsorte alleine satt werden.

Für die Zubereitung rät Sönke Lettau, sich nicht allzu viel Zeit zu nehmen: „Ich putze die Pilze Zuhause ohne Wasser, damit sie sich nicht vollsaugen. Nach maximal zwei Tagen verarbeite ich sie.“ Meist brät er sie mit Olivenöl durch und friert den größten Teil ein. „Pilze darf man nämlich genauso wie Spinat immer wieder aufwärmen“, betont er. Anderslautende Behauptungen hielten sich hartnäckig, seien aber falsch.

>Sönke Lettau ist Sprecher der Mykologische Arbeitsgemeinschaft in Schleswig-Holstein und zu erreichen unter Tel. 0 46 21/95 16 99

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