Vortrag zum Thema Sicherheit in Schleswig : Die Zahl der Straftaten geht zurück

Aufmerksame Zuhörer fand der Diplom-Psychologe Christoffer Glaubitz bei seinem Vortrag im Ständesaal.
Aufmerksame Zuhörer fand der Diplom-Psychologe Christoffer Glaubitz bei seinem Vortrag im Ständesaal.

Wissenschaftler der LKA-Forschungsstelle beleuchtet beim Sicherheitspolitischen Empfang Aspekte der Kriminalitätsentwicklung.

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17. Oktober 2019, 18:14 Uhr

Schleswig | Von der großen Weltpolitik zum kleinen Ladendiebstahl: Beim Sicherheitspolitischen Empfang der Gesellschaft für Sicherheitspolitik und des Arbeitskreises der Reserveoffiziere im Ständesaal des Rathauses wurde über das Thema Sicherheit ein breiter Bogen gespannt. In seiner Begrüßung kritisierte Bürgermeister Arthur Christiansen die militärischen Aktivitäten der Türkei im Norden Syriens. Daran knüpfte Oberst a.D. Detlef Thull an: „Es entstehen neue Fluchtursachen.“ Alles hänge mit allem zusammen: Aus der großen weltpolitischen Sicherheit werde die kleine gefühlte oder tatsächliche Sicherheit hier vor Ort.

Um die ging es dann in dem Vortrag des Diplom-Psychologen Christoffer Glaubitz von der Kriminologischen Forschungsstelle des Landeskriminalamtes Schleswig-Holstein. Glaubitz beleuchtete die Dualität von tatsächlicher und gefühlter Sicherheit. Wie hoch ist die tatsächliche Wahrscheinlichkeit, Opfer eine Straftat zu werden? Wovon hängt diese Wahrscheinlichkeit ab? Und wie sicher fühlt sich der Bürger?

Klare Antworten gibt es nur auf wenige dieser Fragen. Selbst wo Zahlen sprechen, sollte man nicht alles für bare Münze nehmen, so Glaubitz. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS), deren Zahlen Jahr für Jahr mal mit einem freudigen, mal mit einem bedenklichen Unterton verbreitet werden, sei letztlich nur sehr bedingt aussagekräftig, sagte der Psychologe. Der Grund: Sie bilde nur einen kleinen, in manchen Deliktgruppen winzigen Teil der tatsächlich begangenen Straftaten ab. Bei allen Delikten komme nur ein Teil zur Anzeige. Der ist hoch bei Auto-Diebstählen und schweren Gewaltdelikten, aber äußerst gering bei Sexualdelikten; hier werden nur sechs Prozent der Taten tatsächlich auch zur Anzeige gebracht.

Mit einer abfallenden Kurve verdeutlichte der Wissenschaftler die Abnahme registrierter Straftaten seit 2008. Der darin enthaltene kleine Anstieg im Jahr 2016 sei zwar auf den 2015 begonnenen starken Zustrom von Flüchtlingen zurückzuführen. Die meisten der damit zusammenhängenden Straftaten seien jedoch „aufenthaltsrechtliche Verstöße“ gewesen.

Das allgemeine Unsicherheitsgefühl sei jedoch seit 2015 gestiegen; jeder fünfte Bürger habe Angst vor einem Wohnungseinbruch. In den Jahren 2014, 2015 und 2016 gab es sehr viele Fälle, auch durch Täter aus Osteuropa, doch seitdem sei die Zahl deutlich zurückgegangen. Das gelte auch für die „Straßenkriminalität“.

Die „gefühlte Sicherheit“, die von der Kriminologie regelmäßig in so genannten „Dunkelfeld-Befragungen“ ermittelt wird, sei nicht zuletzt stark von der Berichterstattung der Medien abhängig. Glaubitz nannte ein aktuelles Beispiel. Die wenigsten Menschen hätten vor kurzem gesagt, dass sie Angst davor hätten, vor einen einfahrenden Zug geschubst zu werden. Nach dem schrecklichen Ereignis von Frankfurt vor einigen Monaten sei diese Befürchtung ganz sicher gewachsen – auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass dies tatsächlich geschieht, gering geblieben ist.

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